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Der Atommeiler an der Unterelbe liefert eine elektrische Bruttoleistung von 1.480 Megawatt.
Eine neue Studie stellt dem Atomkraftwerk Brokdorf ein bedenkliches Zeugnis aus. Das Gutachten benennt 21 verschiedene Unfallszenarien, die in dem Meiler zu einer Kernschmelze führen könnten. Auftraggeber der Studie, die am Donnerstag in Kiel vorgestellt wurde, ist die Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt". Als Gutachter fungierte Dieter Majer, der früher bei der Bundesatomaufsicht eine Unterabteilung für die Sicherheit kerntechnischer Anlagen leitete. Als Konsequenz aus der Studie fordern Kernkraftgegner, dass der Meiler sofort stillgelegt wird. "Das AKW Brokdorf stellt für ganz Norddeutschland ein gewaltiges Sicherheitsrisiko dar und darf auf keinen Fall bis 2021 weiterlaufen", sagte der Sprecher der Initiative "ausgestrahlt", Jochen Stay. Dagegen sieht Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zurzeit keinen Handlungsbedarf.
Der Haupteigentürmer des AKW Brokdorf Eon weist die Behauptungen der Studie entschieden zurück. Laut einer Pressemitteilung werde das Kernkraftwerk ungerechtfertigt diskreditiert und die Bevölkerung damit verunsichert. Das Unternehmen sieht bei seinem Kraftwerk sogar noch große Sicherheitsreserven und beruft sich auf die Untersuchungen der Reaktorsicherheitskommission und die Ergebnisse des EU-Stresstests. Auch im Falle eines Erdbebens oder bei Hochwasser sei der Meiler weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus gesichert.
Sie gilt es besser zu schützen: Die Brennelemente des Kernkraftwerks Brokdorf.
Zur Liste der 21 Unfallszenarien gehören ein totaler Stromausfall, eine Überflutung der Anlage, Cyber-Attacken durch Hacker und ein Flugzeugabsturz. Atom-Experte Majer, der die Anlage nach eigenen Angaben gut kennt und zuletzt vor fünf Jahren besucht hat, räumte allerdings ein, dass kein solches Unglück allein zwangsläufig zur Katastrophe einer Kernschmelze führen muss. Bei allen bisherigen AKW-Katastrophen habe es aber eine Kettenreaktion menschlicher Bedienungsfehler gegeben, so dass mehrere Gründe ausschlaggebend für die Kernschmelze gewesen seien. Bis die nächste Atomkatastrophe in einem Kraftwerk passiert, ist es laut Majer nur eine Frage der Zeit. "Wir wissen nur nicht, wo und wie die nächste Katastrophe eintritt", sagte Majer mit Blick auf über 400 Atomkraftwerke weltweit.
Neben den Unfallszenarien erläutert das Gutachten auch 14 mögliche Nachrüstungen, die die Gefahr in Brokdorf erheblich verringern könnten. Dazu gehören ein verbesserter Hochwasserschutz sowie eine erhöhte Batteriekapazität. Diese reicht bisher nur für eine Notversorgung von zwei Stunden. Die Auftraggeber der Studie verlangen, dass die Landesregierung in Kiel die AKW-Betreiber Eon und Vattenfall dazu verpflichtet, die genannten Nachrüstungen durchzuführen - auch wenn dies mehrere Hundert Millionen Euro kosten könnte. Umweltminister Habeck, der für die Atomaufsicht im Land verantwortlich ist, wiegelte ab. Ihm seien gravierende Mängel derzeit nicht bekannt. "Sollten solche vorliegen, würde die Atomaufsicht sofort einschreiten", betonte Habeck.