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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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P+S: Mehr als eine halbe Milliarde Schulden

Außenansicht der P+S Werften in Stralsund © NDR Fotograf: Dörte Rochow Detailansicht des Bildes Wie lange wird in der P+S Werft in Stralsund noch gearbeitet? Über den Antrag wird das Amtsgericht Stralsund frühestens am Donnerstag entscheiden. Das Amtsgericht Stralsund hat den Hamburger Berthold Brinkmann als vorläufigen Insolvenzverwalter bei den P+S Werften in Stralsund und Wolgast eingesetzt. Das sagte der zuständige Amtsrichter, Dirk Müller-Koelbl, auf Anfrage von NDR 1 Radio MV. Brinkmanns Kanzlei hatte zuvor bereits die Insolvenzverfahren bei den Wadan-Werften und der Hamburger Sietas-Werft übernommen.

Millionenforderungen

Die von Werftenchef Rüdiger Fuchs beantragte Eigenverwaltung sei damit aber noch nicht vom Tisch, sagte Müller-Koelbl. Nun solle in Zusammenarbeit mit Brinkmann geprüft werden, ob eine Eigenverwaltung den Interessen der Gläubiger widerspricht. Innerhalb von zwei Monaten erwartet das Amtsgericht einen Zwischenbericht.

Im Insolvenzantrag seien Forderungen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro aufgelistet. Allein die Großgläubiger würden auf Geld in Höhe von 511 Millionen Euro warten, sagte Amtsgerichtssprecher Dirk Simon am Donnerstag. Zu ihnen gehören etwa die Nord LB mit 326 Millionen Euro und das Landesförderinstitut mit 70 Millionen Euro. Am Mittwoch sprach Fuchs nach Informationen von NDR 1 Radio MV von einem interessierten Käufer für die P+S Werften. Ein Verkauf würde Geld in die Kassen fließen lassen.

Bremer Werft wird als Käufer für Peenewerft gehandelt

Als möglicher Interessent speziell für die Wolgaster Peenewerft gilt nach Informationen von NDR 1 Radio MV die Lürssen Werft mit Hauptsitz in Bremen. In Wolgast werden unter anderem Marineschiffe gebaut und U-Boote überholt - ein Segment, in das die Bremer seit Jahren einsteigen wollen. Zudem benötigt Lürssen nach NDR Informationen weitere Kapazitäten im Luxuxsjachtbau. Denn bei der zu Lürssen gehörenden Kröger-Werft in Rendsburg gibt es bei Großjachten zwischen 60 und 90 Metern Länge eine jahrelange Warteliste. Bis 2018 sind die Auftragsbücher gefüllt. Die Wolgaster Werft, die in Fachkreisen auch als Reparaturstandort geschätzt wird, könnte für Entlastung sorgen.

Fachwissen halten

Werftchef Fuchs hatte am Mittwochmorgen eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, um das vorhandene Fachwissen im Unternehmen zu halten und möglichst viele Schiffe aus dem Auftragsbestand weiterzubauen. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bliebe die Geschäftsführung im Amt und Fuchs könnte gemeinsam mit einem Sachwalter Verträge annullieren.

Neue Gespräche mit Kunden und Lieferanten

Ausgerüstet mit solchen Befugnissen, will er neue Gespräche mit Kunden und Lieferanten führen. Auch Scandlines werde sich nun solchen Gesprächen stellen müssen, sagte Fuchs. Zuvor geplante Gespräche mit dem Hauptauftraggeber waren bislang nicht zustande gekommen.

Wie die weiteren Sanierungspläne konkret aussehen, ließ Fuchs am Mittwoch offen. Seinen Verbleib will er von der Entscheidung des Insolvenzrichters abhängig machen. Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall haben Fuchs bereits ihre Unterstützung zugesagt. Entscheidet sich der Richter für ein klassisches Insolvenzverfahren und bestellt einen Insolvenzverwalter, wäre vollkommen offen, wie es auf den Werften weitergeht.

Fuchs glaubt an Belegschaft

Fuchs selbst hatte am Mittwochmorgen die Belegschaft in Stralsund vom Gang zum Amtsgericht informiert. Das Herz des Unternehmens schlage nicht in den Büchern, es schlage in den Hallen und an Bord der Schiffe, sagte er vor den Werftarbeitern in der Montagehalle. Nach neun Tagen offener und ehrlicher Gespräche mit Kunden und Lieferanten aber sei kein anderer Ausweg als der Insolvenz geblieben, sagte der 45-Jährige.

Man habe sich zuviel vorgenommen in Stralsund und Wolgast, kritisierte Fuchs seinen Vorgänger Dieter Brammertz. Doch habe er in den vergangenen Wochen erkannt, dass die Belegschaften von Volkswerft und Peene-Werft sehr wohl in der Lage seien, Spezialschiffe zu bauen, wenn man sie nicht überfordere. "Wir vertrauen auf das Konzept von Fuchs, wir glauben an einen Neuanfang", sagte der Betriebsrat der Peene-Werft, Carsten Frick.

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Die Chronik einer Insolvenz
P+S Werften © ndr.de Fotograf: Dörte Rochow
 

64 Jahre Schiffbau in Stralsund und Wolgast

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Werft-Arbeiter stehen nach der Belegschaftsversammlung in der Schiffbauhalle der Volkswerft in Stralsund. © dpa Bildfunk Fotograf: Stefan Sauer
 
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Nach der Insolvenz macht Werft-Chef Fuchs den Mitarbeiter neuen Mut.

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Werftarbeiter auf dem Weg zur Arbeit.
 
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P+S-Werften: Wie geht es weiter?

29.08.2012 | 19:30 Uhr
NDR Fernsehen: Nordmagazin

Carola Lewering hat das Geschehen den ganzen Tag verfolgt.

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