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Blick von einer Autobahnbrücke auf den fließenden Verkehr © picture-alliance/ dpa / Ronald Wittek Fotograf: Ronald Wittek
 

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Gauck: "Demokratie muss wehrhaft sein"

Impressionen von den Gedenkveranstaltungen zu 20 Jahre Lichtenhagen-Krawalle. © dpa Fotograf: Jens Büttner Die Rede von Bundespräsident Gauck vor dem Sonnenblumenhaus bildete den Höhepunkt der mehrtägigen Gedenkveranstaltungen.

Auf der zentralen Gedenkfeier 20 Jahre nach den fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen hat Bundespräsident Joachim Gauck das Pogrom als Ausdruck staatlichen Versagens bezeichnet. "Demokratie muss wehrhaft sein und darf sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen", mahnte Gauck. Die Demokratie brauche beides: Mutige Bürger, die nicht wegschauen, aber vor allem auch einen Staat, der fähig ist, Würde und Leben zu schützen.

Die Ereignisse im August 1992 seien ein "Brandmal im Antlitz der Hansestadt". Umso wichtiger sei es, nicht zu vergessen, wachsamer denn je zu sein und Solidarität auch über Gedenktage hinaus zu zeigen. Gauck betonte, dass Rechtsextremisten heute eine breite Front gegenüberstehe: "Wir versprechen Euch, wir fürchten Euch nicht. Wo ihr auftretet, werden wir Euch im Wege stehen." Der von ihnen verbreitete Hass dürfe als Mittel der Konfliktlösung niemals geduldet werden. "Wenn Hass entsteht, wird nichts besser, aber alles schlimmer", sagte Gauck. Rund 3.000 Menschen verfolgten vor dem Sonnenblumenhaus - dem Schauplatz der damaligen Krawalle - die Ansprache des Bundespräsidenten.

"Linksautonome" stören Rede

Während der Ansprache des Bundespräsidenten kam es zu einem Zwischenfall. Linke Demonstarnten versuchten, die Rede Gaucks mit "Heuchler"-Rufen zu stören. Zudem entrollten sie ein Plakat mit der Aufschrift "Rassismus tötet". Ungeachtet dessen setzte der Bundespräsident seine Ansprache souverän fort. Gemäßigte Demonstranten wirkten auf die Störer ein, das Plakat wurde wieder entfernt.

Ministerpräsident Sellering: Nichts relativieren

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering warnte davor, die Übergriffe von damals zu relativieren. Die "furchtbaren Ereignissen" vor 20 Jahren, an denen es "nichts zu beschönigen, nichts zu rechtfertigen" gebe, hätten das Land verändert. "Wir sind aufmerksamer geworden", sagte Sellering. Der Regierungschef rief dazu auf, das Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit fortzusetzen und das Miteinander der verschiedenen Nationalitäten, Kulturen und Religionen zu stärken. "Rechtsextreme Hetzer, Schläger und Brandstifter sollen nie wieder das Gefühl haben können, eine schweigende Mehrheit stünde hinter ihren Taten", sagte Sellering.

Mehr als 1.000 Rostocker radeln nach Lichtenhagen

Mit einer Sternfahrt von mehr als 1.000 Radfahrern und Skatern hatte am Sonntagvormittag der dritte Tag der Erinnerung an die Lichtenhagen-Krawalle begonnen. Die Route führte von zwölf Startpunkten in verschiedenen Rostocker Vierteln zum Sonnenblumenhaus und sollte ein Zeichen für ein friedliches Miteinander setzen. Die Fahrt endete an jenem Ort, wo im August 1992 tagelang der ausländerfeindliche Mob wütete.

Weitere Informationen
Impressionen von der Kundgebung zu 20 Jahre Lichtenhagen vor dem Rostocker Rathaus. © dapd Fotograf: Thomas Haentzschel
 

Tausende erinnern an Lichtenhagen-Krawalle

20 Jahre nach den fremdenfeindlichen Übergriffen im Stadtteil Lichtenhagen haben in Rostock rund 5.000 Menschen für Toleranz demonstriert. Am Sonntag wird Bundespräsident Gauck erwartet. mehr

Anschließend wurde vor dem Sonnenblumenhaus eine Friedenseiche von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling gepflanzt. Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider und die Rostocker Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens enthüllten zudem eine Gedenktafel mit dem ersten Artikel der UN-Menschenrechtskonvention als Inschrift. Seit Sonnabend erinnert auch am Rostocker Rathaus eine Tafel an die Ereignisse vor 20 Jahren.

Kritik an Eichenpflanzung

Die Pflanzaktion wurde von der Stadt Rostock initiiert, ist wegen der Auswahl einer Eiche aber umstritten. "Wir haben uns vom Symbol der Friedenseiche inspirieren lassen", verteidigte Methling den Entschluss. Die Baumart stehe für Beständigkeit. Dagegen verurteilte neben anderen auch ein antifaschistisches Bündnis die Aktion. Die Eiche sei "seit dem Kaiserreich ein Symbol des deutschen Militarismus", sagte Bündnis-Sprecher Jochen Thelo. Bürgerschaftspräsidentin Jens wies die Kritik zurück: In Rostock gebe es bereits seit 1870 eine Friedenseiche. Auch die Eiche von Lichtenhagen sei nun solch ein Mahnmal.

An die Gedenkrede des Bundespräsidenten schloss sich ein interkultureller Dialog zwischen Muslimen, Juden und Christen an. Mit einem Konzert von 450 Kindern und dem Liedermacher Gerhard Schöne, die Kinderlieder aus aller Welt darboten, klang der Gedenktag in Rostock-Lichtenhagen aus.

Polizei: Friedliche und gewaltfreie Veranstaltungen

Die Polizei sicherte mit insgesamt 1.700 Polizeibeamten aus mehreren Bundesländern die Gedenkveranstaltungen der vergangenen Tage. Die Einsatzleitung zog ein durchweg positives Fazit. Nachdem es bereits am Sonnabend bei den Kundgebungen mit rund 5.000 Menschen keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben habe, verliefen auch am Sonntag die Veranstaltungen friedlich und gewaltfrei.

Dossier
Rostock Lichtenhagen am 26.08.1992, ein Randalierer wirft ein Molotowcocktail. © Reuters/Corbis
 

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Hintergrund
Menschen vor einem brennenden Auto bei den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 © Reuters/Corbis Fotograf: Lutz Schmidt
 

Lichtenhagen: Wo sich der Fremdenhass entlud

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Die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth und Cem Özdemir (l), stehen am Freitag (24.08.2012) gemeinsam mit dem ehemaligen Ausländerbeauftragten der Stadt Rostock, Wolfgang Richter (M), vor dem Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. © dpa Fotograf: Jens Büttner
 
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Videos
Impressionen von den Gedenkveranstaltungen zu 20 Jahre Lichtenhagen-Krawalle. © dpa Fotograf: Jens Büttner
 
Video

Gedenken in Lichtenhagen

26.08.2012 | 19:30 Uhr
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Von der Fahrrad-Sternfahrt bis zur Rede des Bundespräsidenten.

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Gedenken an Lichtenhagen-Krawalle

25.08.2012 | 19:30 Uhr
NDR Fernsehen: Nordmagazin

Tausende demonstrieren für ein Grundrecht auf Asyl.

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20 Jahre nach Rostock-Lichtenhagen

NDR Fernsehen: Nordmagazin

Nach den Überfällen auf ein Asylheim sind noch viele Fragen offen.

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Impressionen von der Kundgebung zu 20 Jahre Lichtenhagen vor dem Rostocker Rathaus. © NDR.de Fotograf: Dagmar Amm
 
Bildergalerie

In Lichtenhagen finden anlässlich des 20. Jahrestages der ausländerfeindlichen Übergriffe zahlreiche Veranstaltungen statt.

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20 Jahre Lichtenhagen: Jörg-Michael Schmidt war bei den Krawallen von Rostock-Lichtenhagen als Reporter vor Ort.

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