Stand: 01.08.2013 18:42 Uhr

Marode Rader Hochbrücke: Suche nach Entlastung

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Spediteure und regionale Wirtschaft leiden unter der Sperrung für schwere Laster und Busse.

Die Sperrung der maroden Rader Hochbrücke für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen hat das Speditionsgewerbe in Aufruhr versetzt. Die Transportunternehmen in Schleswig-Holstein gehen davon aus, dass ihnen unter anderem wegen der notwendigen Umwege Kosten in Millionenhöhe entstehen. Sie machen den Bund verantwortlich und drohen mit einer Klage. Am Donnerstag gab es im Wirtschaftsministerium in Kiel ein Krisengespräch mit Staatssekretär Frank Nägele (SPD).

Rendsburger Kanaltunnel als Ausweichroute?

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Der Kanaltunnel bei Rendsburg wird im Moment ebenfalls saniert.

An dem Treffen nahmen unter anderem Vertreter der Wirtschaft, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie der Logistik und des Handwerks teil. Bei dem zweistündigen Treffen ging es unter anderem um die Forderung, den Rendsburger Kanaltunnel stärker für Lastwagen nutzen zu können. Die Oströhre des Kanaltunnels ist derzeit für Sanierungsarbeiten gesperrt. Im Hinblick auf eine geforderte Freigabe sagte Nägele: Sicherheit gehe vor. Die Röhre könne nicht geöffnet werden, wenn nicht minimale Sicherheitsstandards gewährleistet sind. Dies sollen Experten jetzt prüfen. Es müssten auch die Baustelle zurückgebaut und ein Notbelag für die Fahrbahn verlegt werden. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) hatte am Mittwoch gesagt, dies wäre keine Alternative.

Bund in der Kritik

Der Geschäftsführer des Verbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, Thomas Rackow, verweist darauf, dass die gesamte Branche jährlich mehr als fünf Milliarden Euro Maut für die Nutzung der Autobahnen zahlen muss. Als Gegenleistung könne man auch eine intakte Infrastruktur verlangen. "Wenn Brücken über den Nord-Ostsee-Kanal nicht mehr zu passieren sind, dann haben wir Alarmstufe Rot", sagte Rackow NDR 1 Welle Nord. "Und das wäre noch ein Witz, wenn wir jeden Cent sammeln, um den Kanal zu sanieren, damit dort wieder Schiffe fahren können, und jetzt kommen wir nicht mehr drüber." Das dürfe in der Bundesrepublik Deutschland einfach nicht passieren.

Erster Pfeiler mir Korsett

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Am Mittwoch wurde erste Pfeiler mit einem Stahlkorsett versehen.

Seit Dienstag laufen die Reparaturen der maroden Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Laut dem Verkehrsministerium in Kiel werden die Arbeiten an den 40 Meter hohen Brückenpfeilern etwa vier Monate dauern. Mit Stahlkorsetts, in die später Beton eingefüllt wird, sollen alle 28 Brückenpfeiler stabilisiert werden. Der erste wurde am Mittwoch mit einer Stahlummantelung gesichert. Die weiteren fünf Pfeiler auf der Südseite folgen. Erst dann können die Arbeiten am Beton selbst beginnen. Die Kosten dafür betragen schätzungsweise rund eine Million Euro. Wie Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) nach einem Telefonat mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mitteilte, hat dieser zugesagt, sowohl eine Übernahme der Sanierungskosten als auch einen möglichen Ersatz zu prüfen. Ramsauer selbst sagte NDR 1 Welle Nord: "Wenn von einem Neubau geredet wird, dann müssen wir vorher die alte Brücke erst ganz genau anschauen: Ob sie wirklich herstellbar ist oder ob man eine neue braucht."

Sanierungsarbeiten an der Rader Hochbrücke

Debatte über Infrastruktur im Land

Die Situation an der Hochbrücke hat eine Debatte über den Zustand der Infrastruktur im Norden ausgelöst. Unternehmer, Politiker und der Automobil-Club ADAC bezeichnen die Lage als bedrohlich und fordern mehr Investitionen. Sie befürchten, dass Schleswig-Holstein durch eine schlechte Infrastruktur einen Imageschaden und wirtschaftliche Nachteile erleidet und im bundesweiten Vergleich abgehängt wird.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin sieht Bundes- und Landesregierung in der Pflicht. Er will wissen, seit wann bekannt war, dass die Brücke saniert werden muss. Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) forderte vom Bund schnelles Handeln ein. "Das Erschreckende ist, dass es nicht nur die Rader Hochbrücke ist. Wir haben unheimlich viel an Infrastruktur, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten vernachlässigt worden ist", sagte Heinold am Dienstag NDR 1 Welle Nord. Gerade im Norden sei das Thema Investitionsbedarf in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden.

Viele Brücken im Land in mangelhaftem Zustand

Insgesamt hat sich die Situation der Brücken im Land nach Informationen von NDR 1 Welle Nord in den vergangenen Jahren aber leicht entspannt. Noch 2006 gab es in Schleswig-Holstein rund 125 Brücken in mangelhaftem oder ungenügendem Zustand. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen hervor. Im vergangenen Jahr war diese Zahl laut Ministerium auf 49 gesunken.

Karte: Bauarbeiten an Rader Hochbrücke: Ausweichrouten

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.08.2013 | 18:00 Uhr

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