Stand: 19.05.2013 10:33 Uhr

Nachtschicht auf der Kieler "Falkwache"

von Christian Wolf

Die Polizei, dein Freund und Helfer, so sagt es der Volksmund. Damit das funktioniert, sind die Beamten im Dauereinsatz: 24 Stunden und sieben Tage die Woche. Den meisten Menschen fällt die Arbeit der Polizisten erst auf, wenn ein Streifenwagen mit Blaulicht an ihnen vorbeirast oder wenn es einen Unfall gegeben hat. Das ist aber nicht alles, was die Ordnungshüter machen. Wie sieht ihr Alltag also aus? NDR 1 Welle Nord Reporter Christian Wolf hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen und eine Nacht auf einer Wache verbracht - dem Zweiten Kieler Polizeirevier in der Falkstraße.

Eine lange Nacht beginnt

Jörg Großmann ist Polizei-Hauptkommissar. Der 49-Jährige ist der Schichtleiter auf der Wache und seit 1982 im Dienst. "Insgesamt arbeiten 70 Kollegen auf der Wache hier in der Innenstadt", erklärt er. "Wochentags wird der Tag in drei Schichten aufgeteilt - das Wochenende ist aber ein Sonderfall. Da haben wir Zwölf-Stunden-Schichten." Der Dienst dauert in der Frühschicht von 6 bis 18 Uhr und in der Nacht von 18 bis 6 Uhr. "In der Regel besteht eine Schicht aus 14 Polizisten. Heute sind wir aber absolut in Minimalbesetzung und nur zu sechst."

Mit der Kieler Polizei auf Streife

Alles muss stimmen

Beginnt die Schicht, wird als erstes immer die eigene Ausrüstung überprüft. Außerdem rüstet jedes Team seinen Streifenwagen aus. "Dann gibt es eine kleine Einweisung von mir. Was haben wir auf dem Zettel, was für Veranstaltungen gibt es und was für laufende Einsätze haben wir?", sagt Großmann. An diesem Abend teilt sich der Hauptkommissar den Streifenwagen mit Sarah Klein. Die 31-Jährige ist seit 2011 auf der Wache im Einsatz und mag ihren Beruf. "Was mich am meisten fasziniert ist, dass man wirklich niemals weiß, was einen erwartet", erklärt die Mutter einer Tochter.

Mit Blaulicht durch die Innenstadt

Von der Leitstelle kommt plötzlich ein Einsatz: In der Nähe des Kieler Bahnhofs sollen 40 Jugendliche randalieren und mit Böller um sich werfen. "Na, dann mal los!", sagt Großmann. Seine Kollegin fährt - und wie. Mit quietschenden Reifen und Blaulicht geht es los, über Rote Ampeln und rasend schnell. Am Einsatzort gibt es von den Jugendlichen allerdings keine Spur. "Das gibt es leider häufiger. Wählt nur einer die 110 handelt es sich meistens um einen Fehlalarm. Rufen aber mehr an, dann wird es ernst", erklärt Jörg Großmann. Danach geht es erst mal auf Streife. "Unser Revier ist das kleinste in ganz Schleswig-Holstein und umfasst nur die Kieler Innenstadt. Vom Dreiecksplatz bis zum Wasser runter, dann bis zur Gablenzbrücke und dann hoch bis zum Wilhelmsplatz. Nur 12.000 Menschen wohnen in diesem Bereich", sagt der 49-Jährige.

Warten auf den nächsten Einsatz

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Zwischen den Einsätzen erledigen die Beamten Schreibarbeiten.

Sind die Polizisten nicht auf Streife oder im Einsatz erledigen sie Papierkram. Dazu gehört etwa Anzeigen aufzunehmen oder Einsatz-Protokolle schreiben. Während die Wache immer von zwei Beamten besetzt sein muss, sind die anderen Kollegen die meiste Zeit unterwegs. Irgendwann sind aber auch die Schreibarbeiten geschafft. "Dann beginnen für einen die zähen Stunden. Gerade so nach 0 Uhr kann die Zeit schon mal langsam vergehen", sagt Großmann. Dann geht es aber doch noch mal raus. In der Bergstraße - die Party-Meile von Kiel - wollte ein junger Mann trotz Hausverbots in eine Kneipe rein.

Ausschlafen in der Ausnüchterungszelle

Der Mann ist stark betrunken und wird vom Sicherheitsdienst der Kneipe festgehalten als die Streife eintrifft. "Als erstes müssen wir jetzt erst einmal die Personalien feststellen", sagt Sarah Klein. Danach wird ihm ein Platzverweis erteilt. Doch der Betrunkene kann oder will den Anweisungen der Polizei nicht folgen. Mehrmals und im gutmütigen Ton erklären ihm die beiden Beamten die Konsequenzen. Dann ist Schluss: Ausnüchterungszelle heißt sein nächstes Ziel. Mit einem extra angeforderten Streifenwagen wird der junge Kieler abgeholt und zum vierten Revier im Kieler Stadtteil Gaarden gebracht. "So etwas ist ein teurer Spaß. Er muss jetzt die Fahrt bezahlen und auch die Ärztin, die kommt. Da können schon mal so bis zu 300 Euro zusammen kommen, die er bezahlen muss", erklärt Hauptkommissar Großmann auf der Fahrt zum Revier.

Die Nacht neigt sich dem Ende zu

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Widerstand zwecklos: Der Zellentrakt einer Polizeiwache.

Dort angekommen, geht es ab in die Ausnüchterungszelle. Vorher wird der Mann noch von einer Ärztin untersucht und es wird ein Atemalkoholtest gemacht. Das Ergebnis: 2,76 Promille. Anschließend müssen noch die Papiere ausgefüllt werden. Die Nacht neigt sich langsam dem Ende zu und es wird inzwischen wieder hell. "Für einen Sonnabend war es wirklich ziemlich ruhig", sagt Großmann zum Schluss. "Aber man kann nie vorhersagen, was los sein wird. Da spielen viele Faktoren mit, wie etwa ob es Monatsanfang ist, das Wetter und natürlich, ob es wie jetzt im Mai schon ein paar Feiertage gegeben hat." In einem sind sich die Kollegen der Wache einig - einen anderen Job können sie sich nicht vorstellen.

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