Stand: 24.04.2017 08:23 Uhr

Albig und Günther: Kontroverse im fairen Ton

Genau zwei Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein haben sich die Spitzenkandidaten von SPD und CDU ein Duell bei NDR 1 Welle Nord geliefert: Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und sein Herausforderer Daniel Günther (CDU) stellten sich zwei Stunden lang in der Livesendung "Zur Sache" den Fragen von Journalisten und von Radiohörern. Nach der jüngsten Umfrage kann sich die Koalition aus SPD, Grünen und SSW für die Landtagswahl in genau zwei Wochen gute Chancen ausrechnen, erneut eine Mehrheit zu bekommen. Aber auch die CDU mit Günther gibt sich zuversichtlich. "Ich bin total optimistisch", sagte er zum Auftakt des Duells. "Wir müssen hart arbeiten die letzten zwei Wochen", meinte Albig.

Albig will weiterregieren

Günther kritisierte, Albig habe keinen Führungsanspruch und überlasse vieles SPD-Landeschef Stegner. "Es ist schon so, dass im Landeshaus Herr Stegner regiert. Und wenn wir einen Ansprechpartner in der Regierung brauchen, was mit denen abstimmen wollen, dann rede ich mit Herrn Stegner", sagte Günther. "Ich würde es nicht anderen überlassen, sondern ich will dem Land auch eine Richtung geben." Ministerpräsident Albig machte wiederum klar, dass er weiter regieren will. Dafür gelte es, in den kommenden zwei Wochen hart zu arbeiten. Die Rückmeldung auf der Straße gebe ihm viel Mut, dass die SPD das hinbekommen wird. "Die Opposition hat es nie geschafft, Punkte gegen uns zu machen und sich so erfolgreich aufzustellen, dass man gemerkt hat, da gibt es auch Alternativen zu dieser Regierung", sagte Albig.

Abitur nach acht oder neun Jahren?

Großer Streitpunkt und erstes Thema im Hörfunk-Duell war die Schul- und Bildungspolitik im Land. Der 43-jährige Günther will an den Gymnasien wieder G9 einführen. "Ich finde, dass Schülerinnen und Schüler nicht immer bis 16 Uhr in der Schule sein sollten, sondern auch mal nach links und rechts gucken dürfen, sich in Sportvereinen, in Feuerwehren engagieren. Junge Leute sollen auch jung bleiben und deswegen finde ich es auch so wichtig, dass wir G9 flächendeckend in Schleswig-Holstein machen", sagte Günther. SPD-Spitzenkandidat Albig hingegen sagte, er wolle weiterhin eine Wahlfreiheit. "Man muss auch mal die Kraft haben, eine Entscheidung durchzuhalten. Ich glaube, in solche Systeme sollte man einmal in der Generation draufschauen und nicht nach jeder Wahl."

Günther will Windkraftpläne ändern

Weiteres Streitthema im Wahlkampf: die Windkraft. Während SPD-Spitzenkandidat Albig von großer Bürgerbeteiligung sprach, warf CDU-Spitzenkandidat Günther ihm vor, den Bürgerwillen nicht ausreichend zu berücksichtigen. Er kündigte an, wenn die CDU an die Macht käme, würde er die jetzigen Windpläne der rot-grün-blauen Landesregierung über den Haufen werfen. Zunächst einmal müssten die Netze ausgebaut werden, sagte Günther, bevor neue Windkraftanlagen gebaut werden.

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Moderator Stefan Böhnke (v.l.), CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Landespolitik-Chefin Julia Stein.

Albig bekannte sich erneut zum Abschiebestopp für afghanische Flüchtlinge. Die Lage in dem Land sei unsicher. Die Menschen kämen aus Krieg und Terror. Günther plädierte für Einzelfallprüfungen. Wer keine Perspektive zum Bleiben habe, müsse zurück. Albig gab ein klares Bekenntnis zur doppelten Staatsbürgerschaft ab, die Günther abschaffen will. "Wir brauchen klarere Regeln für Integration", sagte Günther. Dazu gehöre, dass sich hier lebende Menschen aus der Türkei entscheiden müssten, ob sie Deutsche sein wollen.

Nächstes Duell am Dienstag

Auch zur Kita-Finanzierung, zur Höhe der Grunderwerbsteuer und Investitionen in die Infrastruktur bekräftigten Albig und Günther sehr ruhig ihre gegensätzlichen Positionen. Beide äußerten sich wechselseitig respektvoll. "Es war sehr nett, ein gutes Gespräch", sagte Albig danach. "Die zwei Stunden gingen sehr schnell vorbei", meinte Günther. Moderiert wurde die Sendung von Landespolitik-Chefin Julia Stein und Landeshauskorrespondent Stefan Böhnke.

Am Dienstag treffen beide zum Duell im NDR Fernsehen aufeinander. Dann antworten sie bei der Wahlarena in Lübeck auf Fragen von etwa 140 Wahlberechtigten.

Torsten Albig und Daniel Günther sind zu Gast in der Sendung Zur Sache bei Julia Stein und Stefan Böhnke. © NDR Fotograf: Anna Baake

Das Radio-Duell zum Nachhören

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Ministerpräsident Albig und CDU-Spitzenkandidat Günther warben in der Sendung Zur Sache um Wählerstimmen. Ihre Kontroversen trugen sie betont ruhig aus. Die ganze Sendung zum Nachhören.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 23.04.2017 | 18:05 Uhr

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