Stand: 24.06.2017 17:10 Uhr

Kieler Woche: Windjammerparade mit Lücke

Die traditionelle Windjammerparade der Kieler Woche am Sonnabend sah in diesem Jahr anders aus als gewohnt: Dem Dreimaster "Thor Heyerdahl" folgten 20 Schiffe - und dann kam erst einmal lange nichts. 75 Traditionssegler blieben zunächst an der Kiellinie zurück und starteten erheblich später. Die Zuschauer sahen also nicht den üblichen, dicht gedrängten Schiffskorso - stattdessen klaffte eine Riesenlücke. Zudem hatten viele Schiffe eine schwarze Flagge gehisst - ein Zeichen des Protests, genau wie der verspätete Start der Traditionsschiffe. Der Grund: Viele Segler protestierten mit der Aktion gegen eine geplante Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe.

Symbolische Lücke

Mit der Verordnung sollen die bauliche Beschaffenheit, der Brandschutz, die Ausrüstung und die Qualifikationen der Crews von Traditionsschiffen strenger geregelt werden. Gegner befürchten ein Ende der häufig ehrenamtlich organisierten Traditionsschifffahrt. Die Lücke im Korso sollte das Fehlen der Traditionssegler symbolisieren.

Kieler OB: "Sorgenfalten überwiegen"

Die Verordnung sieht schärfere Sicherheits- und höhere Ausbildungsanforderungen an die Besatzung historischer Schiffe vor. Betroffen seien alle etwa 110 Traditionsschiffe in Norddeutschland, sagen Experten. Ihnen drohe die Stilllegung. Aus Sicht des Verkehrsministeriums unter Alexander Dobrindt (CSU) soll die Verordnung vor allem die Sicherheit von Passagieren erhöhen. Ein Ombudsmann soll zwischen den Traditionsschiffern und dem Ministerium vermitteln, um im Zweifel Einzellösungen für Schiffe zu finden. An der Sorge der Schiffer ändert das nichts.

Der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) nannte die Verordnung eine große Bedrohung. Er unterstützt den Protest der Traditionsschiffer. Eine Kieler Woche ohne Windjammerparade kann er sich trotz allem nicht vorstellen. "Im nächsten Jahr haben wir hoffentlich wieder die 'Gorch Fock' dabei, möglicherweise sogar ihr Schwesterschiff. Aber im Moment überwiegen doch bei vielen Traditionsschiffern die Sorgenfalten."

Nach der Verordnung würden Schiffe fehlen

Der lückenhafte Schiffskorso nahm Kurs Richtung Kieler Leuchtturm. Auch knapp 20 Dampf- und Begleitboote waren auf der Förde zu sehen. Rundherum tummelten sich kleinere Jachten. Mit vier Knoten, das entspricht knapp siebeneinhalb Kilometern pro Stunde, waren die Teilnehmer auf der Förde unterwegs. Neben der "Thor Heyerdahl" waren unter anderem die holländische Dreimast-Bark "Artemis", die deutsche Zweimast-Brigg "Roald Amundsen" und die britische "Eye of the Wind" dabei. Gegen 13 Uhr löste sich die Parade auf - nachdem die letzten Schiffe die gedachte Ziellinie zwischen dem Olympiazentrum Schilksee und Laboe mit einer Stunde Verspätung passiert hatten. Einige Schiffe fuhren zurück in die Förde, andere starteten zu Tagestouren.

Windjammerparade mit Mut zur Lücke

Feuerwerk zum Abschluss am Sonntag

Am Sonntag geht die Kieler Woche zu Ende. Dann werden die Augen nicht mehr auf das Wasser, sondern in den Himmel gerichtet sein - in Richtung Feuerwerk. Bis zum Abschluss rechnen die Veranstalter mit bis zu drei Millionen Besuchern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.06.2017 | 13:00 Uhr

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