Stand: 05.02.2016 08:20 Uhr

Zwei Raupen holen die Pottwale an Land

Es ist der größte bekannte Fund von Pottwalen in Schleswig-Holstein - und stellt die Mitarbeiter des Küstenschutzes vor eine tonnenschwere Herausforderung. Mit der Bergung der acht gestrandeten Pottwale vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog im Kreis Dithmarschen kommen sie aber besser voran als erwartet. Die Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) zogen am Donnerstag die verbliebenen drei Kadaver aus dem Wattenmeer über die Salzwiesen bis zum Fuß des Deiches. Am Mittwoch konnten sie bereits fünf Tiere an Land bringen.

Rückblick auf die XXL-Bergung in Dithmarschen

Der nächste Job für die Bergungsexperten

Die Kadaver der beiden vor Büsum entdeckten Jungbullen müssen dagegen noch geborgen werden, sagte Hendrik Brunckhorst vom LKN. Ein Tier entdeckte ein Seehundjäger auf der Sandbank Blauort, einige Kilometer nordwestlich vor Büsum. Auf dem Weg dorthin sichtete die Besatzung eines Schiffes des Wasser- und Schifffahrtsamtes am Mittwoch einen weiteren Kadaver. An der englischen Ostküste ist gestern ebenfalls ein weiterer Pottwal angeschwemmt worden. Nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer kamen damit seit Anfang Januar insgesamt 28 junge Pottwale in der südlichen Nordsee um, 16 davon in Deutschland.

Bergungsfahrzeug versinkt im Watt

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Die Fundorte der Pottwale an der Nordseeküste.

Die acht Wale am Kaiser-Wilhelm-Koog lagen dicht beieinander im Wattenmeer, etwa zwei Kilometer vor dem Deich im südlichen Dithmarschen. Der Einsatz bringt die Helfer an ihre Grenzen. "Wir haben so etwas noch nie gemacht", sagte einer der Raupenfahrer. Am Mittwoch scheiterte zunächst der erste Versuch, einen Wal an Land zu ziehen. Auf der Salzwiese vor dem Deich fuhr sich eines der Kettenfahrzeuge fest. "Die Wale sind einfach zu schwer", sagte LKN-Sprecher Brunckhorst. Mit einer zweiten Raupe und vereinten Kräften konnten die Männer den Wal und die sieben anderen aber schließlich an Land bringen.

Zerlegung im Speicherkoog

Die toten Pottwale können dort aber nicht zerlegt werden - der Platz reicht nicht aus. Die Behörden brachten sie mit Tiefladern in den Speicherkoog in der Nähe des Meldorfer Hafens. Dort begannen Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Donnerstag mit der Obduktion und Zerlegung des ersten Wals. "Die Herausforderung ist die schiere Zahl der Tiere", sagte Detlef Hansen von der Nationalparkverwaltung. "Acht Tiere mit je 15 bis 20 Tonnen - so etwas hatten wir hier an der Küste noch nicht."

Skelette werden nach Stralsund gebracht

Für die Skelette der gefundenen Tiere liegen laut Landesbetrieb Küstenschutz mehrere Anfragen vor. Experten aus Stralsund beteiligen sich auch an der Ursachenforschung des Pottwalsterbens. Sie werden zusammen mit Kollegen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen Organproben entnehmen und die Tierkadaver sezieren, sagte eine Sprecherin des Ozeaneums NDR 1 Radio MV. Anfang der Woche wollen die Stralsunder Forscher dann mit zwei Walskeletten nach Mecklenburg-Vorpommern zurückkehren.

Ein Flugzeug sucht die Küste ab

Die Behörden vermuteten derweil, dass noch mehr Wale in der Nordsee sein könnten. Deshalb war eine Crew mit einem Ölbekämpfungsboot unterwegs, um Pottwale, die sich eventuell verirrt haben, abzudrängen. Auch das Havariekommando suchte per Flugzeug die schleswig-holsteinische Küste ab.

Infektions- und Explosionsgefahr

Zahlreiche Schaulustige beobachteten die Bergung auf den Salzwiesen vor dem Deich. Zu ihrer Sicherheit sperrte der LKN das Gebiet rund um die Wale mit einem Weidezaun ab - wegen einer möglichen Infektionsgefahr. Eine Explosionsgefahr besteht ebenfalls. Denn die Speckschicht isoliert die Tiere gut. Die Fäulnisgase können nicht entweichen, weil ihre Fettschicht stark mit Bindegewebe durchzogen ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.02.2016 | 22:00 Uhr