Stand: 01.09.2016 18:58 Uhr

Zungenkuss an Polizeischule: Kritik an Studt

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Sorgt derzeit nur für negative Schlagzeilen: die Polizeischule in Eutin.

Die Opposition spricht wahlweise von "Führungsversagen" und "scheibchenweiser Informationspolitik". Nach dem mutmaßlichen sexuellen Übergriff von einem Ausbilder auf eine Anwärterin an der Polizeischule in Eutin (Kreis Ostholstein) prasselt Kritik auf Innenminister Stefan Studt (SPD) ein. An Ausbilder müsse ein noch höherer Maßstab an charakterlicher Eignung angesetzt werden, als er für Polizisten sowieso schon gelte, sagte Axel Bernstein (CDU). Ekkehard Klug (FDP) stellte sich die Frage, warum Studt die zahlreichen Gelegenheiten der vergangenen Monate nicht genutzt habe, um alle Vorwürfe offenzulegen und ihnen restlos nachzugehen. Der aktuelle Fall - der Ausbilder soll die minderjährige Anwärterin bei einer Party heftig mit der Zunge auf den Mund geküsst haben - folgt auf einen Sexismus-Skandal um Polizeischüler.

Ausbilder wurde versetzt - und kam zurück

Internen Unterlagen der Polizeischule zufolge wurde gegen den Mann ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Es endete mit einer Versetzung des Beamten in die Polizeidirektion Lübeck. Zugleich wurde der Mann jedoch befördert. Wenige Monate später holte der Ausbildungsleiter ihn zurück nach Eutin - obwohl die Schülerin immer noch da war. Die offizielle Begründung: Personalmangel. Nach Informationen der Piratenpartei hatte das Innenministerium Kenntnis von solchen Vorfällen. Auf eine Kleine Anfrage der Piraten im Landtag schrieb das Innenministerium, es habe "in sehr wenigen Einzelfällen Distanzunterschreitungen zwischen Ausbildungspersonal und Auszubildenden gegeben".

Studt: "Im Moment ist das nicht zu erklären"

Innenminister Studt erklärte am Mittwoch hingegen, erst seit Anfang der Woche von dem neuen Vorfall zu wissen. Der mutmaßliche Übergriff sei "auch von mir im Moment nicht zu erklären", sagte Studt: "Was ist dort geschehen? Was ist dort veranlasst worden? Warum sind die Dinge so gekommen, dass einer weggeschickt wird und dann wiederkommt?" Sein Ministerium sei dabei, die Sachverhalte aus der Vergangenheit zusammenzutragen, um Klarheit zu erlangen. Dann erst könne eine disziplinar- oder strafrechtliche Bewertung stattfinden, so Studt. Es sei wichtig, in der Polizeischule - der "Keimzelle unserer Landespolizei" - wieder Ruhe reinzubekommen, so der Minister. Studt kündigte an, "nicht das Mäntelchen des Schweigens" über die Vergangenheit zu legen.

Hat Ausbilder zweite Frau belästigt?

Die Vorwürfe gegen den Ausbilder haben sich inzwischen ausgeweitet. Wie die Landespolizei NDR 1 Welle Nord bestätigte, soll der Mann auf besagter Feier nicht nur eine, sondern zwei Frauen bedrängt haben.

Weitere Informationen

Vorwürfe gegen Polizeiausbilder in Eutin

Nach der WhatsApp-Affäre um Rassismus und Sexismus an der Polizeischule Eutin wird jetzt ein neuer Vorfall bekannt. Es geht um einen sexuellen Übergriff von einem Ausbilder an einer Anwärterin. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.08.2016 | 22:00 Uhr

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