Stand: 14.12.2015 05:00 Uhr

Wird in Schleswig-Holstein das Brennholz knapp?

von Arne Helms

Im Baumarkt um die Ecke ist das Kaminholz ausverkauft. Der nächste Baumarkt ist weit entfernt. Außerdem kostet der Raummeter Esche dort 139 Euro. Sauber gestapelt und ofenfertig zwar, trotzdem nicht ganz günstig. Der Trend, dass in vielen Haushalten inzwischen ein Kamin stehen muss, scheint am Holzhandel in Schleswig-Holstein nicht vorbeizugehen. Oder ist es nur ein Gefühl, dass Brennholz immer teurer wird? Woher kommt es eigentlich? Wird Holz im ohnehin schon waldärmsten Bundesland zum raren Gut? Und welche Sorte ist die beste? NDR.de hat Experten gefragt - und teils überraschende Antworten bekommen.

Wird Brennholz in Schleswig-Holstein immer teurer?

Gemütlichkeit ist schwer angesagt. Schätzungen zufolge stehen in deutschen Wohnzimmern inzwischen etwa 15 Millionen Kaminöfen. Viele Kamine fressen viel Holz - für das man Rekordpreise zahlen muss, so die gängige Meinung. Stimmt nicht, heißt es beim Bundesverband Brennholzhandel und Brennholzproduktion (BBB). Und auch Hans-Jürgen Sturies, Leiter der Forstabteilung bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, sagt klipp und klar: "Die Preise steigen nicht." Öl sei so günstig wie noch nie. Viele Kunden ließen deshalb eher die Ölheizung statt den Kamin laufen. Dadurch gebe es wenig Druck auf dem Holzmarkt, so Sturies. Gleichwohl ist der Preis für Scheitholz in Deutschland seit 2005 um rund 45 Prozent gestiegen, heißt es beim bayerischen Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe. Durchschnittlich kostet der Kubikmeter lose geschüttetes Brennholz Mitte Dezember dieses Jahres rund 80 Euro - laut BBB-Scheitholzpreisindex.

Wer ist günstiger, Forstbetrieb oder Baumarkt?

Raummeter, Schüttraummeter oder Festmeter?

Augen auf beim Brennholzkauf: Häufig nennen Anbieter Preise, ohne deutlich zu machen, für welche Menge diese gelten. Ein Maß ist der Raummeter. Er entspricht einer Box von rund einem Kubikmeter - voll mit geschichteten Holzscheiten und geringen Luftzwischenräumen. Der Schüttraummeter hingegen entspricht nur rund 0,57 Raummeter. In diesem Fall sind die Scheite nicht sauber gestapelt, sondern wurden einfach in die Box hineingeworfen. Die Luftzwischenräume sind größer. Ein Schüttraummeter sollte daher immer günstiger sein als der Raummeter. Ein Festmeter beschreibt einen Kubikmeter Massivholz ohne jegliche Zwischenräume. Ein Festmeter Holz entspricht 1,4 Raummetern oder 2,5 Schüttraummetern.

Ein Beispiel: An den Verkaufsstellen der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten kostet das Eschenholz für Selbstabholer 80 Euro - allerdings pro Schüttraummeter. Und da dieser weniger Holz enthält als der teurere Raummeter (siehe Infobox) aus dem Baumarkt, sind die Preise fast identisch. Günstiger wird es in jedem Fall, wenn man das Holz selbst abholt und sich nicht liefern lässt. Ein gutes Geschäft machen laut Forstexperte Sturies momentan die sogenannten Selbstwerber - also die Menschen, die zu den Anbietern fahren und sich das Holz selbst schlagen. Dort koste der Raummeter - je nach Holzsorte - zwischen 18 und 25 Euro, so Sturies. Tendenz fallend. Hilfreich wäre natürlich ein schneller Preis-Vergleich per Mausklick wie beim Öl. "Aber für Brennholz gibt es keine Marktnotierung wie beim Heizöl", sagt der Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands Schleswig-Holstein, Jens Fickendey-Engels. Die Homepage des Verbandes ist die richtige Adresse für alle, die Brennholz von privaten Waldbesitzern kaufen wollen. "Wir versuchen dann, einen Anbieter in der Nähe des Wohnortes zu vermitteln", sagt Fickendey-Engels. Eine zentrale Online-Übersicht der privaten Anbieter gibt es nicht.

Grafiken: Wissenswertes über Brennholz

Wie kommen die unterschiedlichen Preise im Land zustande?

Für die Brennholzpreise ist es unter anderem wichtig zu wissen, dass die Waldfläche in Schleswig-Holstein sehr unterschiedlich verteilt ist: Der Osten ist grüner. Dort gibt es im Vergleich zum Westen des Landes mehr Wald und auch deutlich mehr Buchen beispielsweise - deren Holz sehr gut als Brennholz geeignet ist. Das größere Angebot drückt tendenziell auf den Preis. Wer das Preis-/Leistungsverhältnis verschiedener Anbieter beurteilen will, muss auch auf die Restfeuchte im Holz achten - je weniger, desto mehr Heizleistung. Dass dem Kunden auch im Baumarkt keine Dumpingpreise entgegenspringen, liegt vermutlich an Kosten für die Logistik - denn das Holz ist größtenteils importiert.

Woher kommt das Brennholz, das bei uns im Kamin landet?

Bei den Anbietern der Landesforsten und des Waldbesitzerverbands, die gemeinsam den Großteil des schleswig-holsteinischen Waldbesitzes abdecken, gibt es Holz aus Schleswig-Holstein. Jens Fickendey-Engels vom Waldbesitzerverband erklärt: "Das ist Holz aus Durchforstungsmaßnahmen und Holz, das nicht gesägt werden kann." Möbel kann man daraus nicht herstellen. Andere Industriezweige finden auch keine Verwendung dafür. Als Brennholz hingegen ist es gut geeignet. Viele Baumärkte tendieren dagegen zu Import-Holz. Wer sich beispielsweise in der Kieler Filiale einer großen Baumarktkette für die Herkunft eines Angebots interessiert, bekommt die Antwort: "Bei dem von Ihnen beschriebenen Kaminholz handelt es sich um Holz aus FSC (das Forest Stewardship Council ist ein internationales Zertifizierungssystem für Waldwirtschaft, Anm. d. Red.) zertifizierten Wäldern, aus Litauen, Lettland, Polen und aus Weißrussland." Laut Statistikamt Nord hat das nördlichste Bundesland im vergangenen Jahr Brennholz im Wert von gut 2,5 Millionen Euro importiert - exportiert wurde ein Bruchteil, Gesamtwert: 13.000 Euro.

Ist importiertes Holz unbedenklich?

Die Konkurrenz für einheimische Händler kommt zunehmend aus Osteuropa. Ein Brennholz-Händler aus Dithmarschen bestätigt auf Nachfrage, dass er regelmäßig Angebote aus der Ukraine bekomme - diese aber ebenso regelmäßig ablehne, weil die genaue Herkunft unklar sei. Hintergrund: Das Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (HolzSiG) sieht vor, dass Importe in die EU aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen müssen. Kontrolliert wird das offenbar jedoch nicht immer - und das nicht nur in der Ukraine.

Welche Holzsorte ist am besten zum Heizen geeignet?

Weitere Informationen

Kaminholz: Welche Sorte brennt am besten?

Buche, Birke oder Fichte? Warum manche Hölzer teurer sind als andere und was zu beachten ist, damit möglichst wenige Schadstoffe beim Verfeuern von Holz freigesetzt werden. mehr

Laubhölzer wie Esche, Eiche, Buche und Ahorn sind wesentlich dichter als beispielsweise das Nadelholz einer Fichte oder Kiefer, die deutlich schneller wachsen. Außerdem enthält Nadelholz mehr Harz. Das bedeutet, dass zum Beispiel Fichtenholz heißer wird, aber auch schneller verbrennt, weil es dem Feuer weniger Nahrung gibt. Es ist gut zum Anfeuern des Kaminofens geeignet und meistens in kleinen Säcken erhältlich. Einen höheren Heizwert liefern aber die Laubhölzer durch ihre höhere Dichte. Diese Hölzer sind teurer. Wer viel und über mehrere Stunden mit Kaminholz heizt, sollte dennoch investieren. Den Ferrari-Status unter den Kaminholzsorten teilen sich die Buche und die Esche. Beide Sorten vereinen einen hohen Heizwert, eine gute Glut- und eine geringe Funkenentwicklung - daher sind sie auch für offene Kamine geeignet. Die Landesforsten betonen zudem das "schöne Flammenbild". Buche und Esche ließen sich auch gut mischen, heißt es weiter.

Was macht gutes Brennholz aus und wie wird es gelagert?

Einen großen Einfluss auf das Brennverhalten hat der Wassergehalt. Frisch geschlagenes Holz enthält - je nach Jahreszeit und Holzart - zwischen 45 und 60 Prozent Wasser. Bei optimaler Trocknung sinkt dieser Wasseranteil laut Umweltbundesamt auf 15 bis 20 Prozent. Das dauert bis zu zwei Jahre. Erst dann ist das Holz zum Heizen geeignet. Im Leitfaden "Heizen mit Holz" empfiehlt das Bundesamt als Lagerort einen sonnigen und luftigen Platz, der vor Regen und Schnee geschützt ist. Zudem sollte das Brennholz keinen Kontakt zum Erdreich haben, damit es keine Feuchtigkeit aus dem Boden zieht. Beim Händler sollte man sich den Wassergehalt des Brennholzes bestätigen lassen. Technisch getrocknetes Holz kann auch zu trocken sein. Es brennt dann zu schnell ab. Aus diesem Grund sollte es noch einige Zeit abgedeckt im Freien gelagert werden, ehe es verwendet wird.

Was ist beim Kauf eines Kaminofens zu beachten?

Es gibt viele unterschiedliche Anlagentypen. Beliebt ist die sogenannte Einzelraumfeuerungsanlage. Mit diesem Ofen können ein oder zwei Räume beheizt werden - allerdings eher als gemütlicher Zusatz zur Heizung. Allgemein gilt: Wer einen Kaminofen kauft, sollte die aktuelle Bundes-Imissionsschutzverordnung (BImSchV) im Blick haben. Seit diesem Jahr gelten für Neuanschaffungen strengere Regeln. Interessenten sollten deshalb vor dem Kauf Rücksprache mit dem Schornsteinfeger halten - dieser ist für die Endabnahme zuständig und könnte den Betrieb des Ofens verweigern, wenn die Normen nicht eingehalten werden. Besonders emmissionsarme Öfen tragen das Umweltzeichen "Der Blaue Engel". Energieeffiziente Varianten sind allerdings teurer als einfache Modelle, die im Baumarkt schon für deutlich unter 1.000 Euro zu haben sind. Auch Pellet-Öfen, die gepresste Holzstückchen verbrennen und sich leichter regeln lassen, werden immer beliebter.

Sind Öfen schlecht für die Umwelt?

Die Geruchsbelästigung ist oft nur der Anfang eines Nachbarschaftsstreits. Viele Menschen fürchten Belastungen durch Kohlendioxid und Feinstaub. Auch wenn die Feinstaubbelastung in Schleswig-Holstein laut Umweltministerium "wegen der vorherrschenden Wetterlagen generell noch nicht problematisch" ist: Eine Studie des Leibniz Instituts hat ergeben, dass die 15 Millionen Kaminöfen in Deutschland mehr Feinstaub produzieren als der gesamte Autoverkehr. Und während Industrie- und Autoabgase zum Teil aufwendig gefiltert werden, bläst die Durchschnitts-Familie Petersen mit ihrem Ofen häufig Schadstoffe pur in die Luft. Die Neufassung der Imissionsschutzverordnung schreibt aber auch beim Feinstaub maximale Emissionswerte vor. Beispiel: Öfen, die bereits vor mehr als 40 Jahren genehmigt wurden, dürfen heute nur noch mit nachgerüstetem Feinstaubfilter betrieben werden. Für anderen Typen gelten Übergangsfristen.

Wie kann man umweltfreundlich heizen?

Kaminfans weisen immer wieder darauf hin, dass Holz im Gegensatz zu anderen Rohstoffen wie Öl klimaneutral verbrennt. Im Leitfaden "Heizen mit Holz" des Umweltbundesamts heißt es: "Idealerweise entstehen bei der Verbrennung des Holzes nur Kohlendioxid, Asche und Wasser." Hinzu kommt, dass bei einem Holzfeuer nur so viel Kohlendioxid freigesetzt wird wie beim Wachstum der Bäume aus der Luft entnommen wurde. Für ein "sauberes Heizen" sind laut Leitfaden vier Dinge nötig: eine emissionsarme und effiziente Feuerstätte, eine regelmäßige Wartung, der richtige Umgang mit der Anlage und ein geeigneter, trockener Brennstoff. Allerdings "sollten Sie das Holz aus Ihrer Region beziehen, denn der Transport des Holzes zu Ihnen verbraucht Benzin und Diesel". Das Landesumweltministerium will den Wärmeverbrauch bis 2025 zu 22 Prozent aus Erneuerbaren Energien decken. Zum Vergleich: 2012 betrug der Anteil noch zwölf Prozent.

Sind die Holzvorräte in Schleswig-Holstein groß genug?

Das Landesumweltministerium hat den Verbrauch von Holz für energetische Zwecke zuletzt für das Jahr 2013 schätzen lassen. Damals wurden rund 956.000 Raummeter verbraucht. Klingt viel - aber von einem Kahlschlag in Schleswig-Holsteins durch den Kamin-Boom kann nicht die Rede sein. "Der Trend ist sogar gut für unsere Waldflächen", sagt Jens Fickendey-Engels vom Landesverband der Waldbesitzer. Es wachse schon jetzt mehr Holz nach als genutzt werden kann. In einem durch die Bundeswaldinventuren dokumentierten Zeitraum von 1987 bis 2012 zeige sich, dass der Laubholzanteil um zwölf Prozent zugenommen habe, so Fickendey-Engels weiter - obwohl die Laubhölzer als Brennholz extrem beliebt sind. Laut Statistikamt Nord sind Buchen und sonstiges Laubholz in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten als sogenanntes Energieholz verwendet worden. Es folgen absteigend Fichten, Tannen und artverwandte Nadelhölzer, die gesondert aufgeführten Eichen sowie Kiefern und Lärchen.

Wie ist der Zustand der Wälder im Norden?

Der Gesamtwaldfläche schadet der Holzeinschlag nicht - sie wächst im nördlichsten Bundesland kontinuierlich. Zahlen des Statistikamtes Nord belegen, dass es seit 1993 einen Anstieg gibt - auf knapp 167.000 Hektar Waldfläche im Jahr 2014. Dass der Laubbaumanteil im Vergleich zu den Nadelhölzern dabei überproportional wächst, ist vom Umweltministerium Schleswig-Holsteins so gewollt. Minister Robert Habeck (Grüne) verfolgt das Ziel eines immer mehr ökologisch ausgerichteten Waldbaus. Der Landesverband der Waldbesitzer wehrt sich. "Einen Dachstuhl kann man nur aus Nadelholz bauen", sagt Geschäftsführer Fickendey-Engels: "Wenn wir so weiter machen, wird uns dieses Holz eines Tages fehlen - und eben nicht mehr aus Schleswig-Holstein kommen." Stattdessen könnte es zum Beispiel noch mehr Buchen geben - und damit noch mehr potenzielles Brennholz.

Weitere Informationen

Ein Feuer, ein Kamin und ein Jan Bastick

14.12.2015 06:05 Uhr
NDR 1 Welle Nord

Kaminöfen sind nicht nur wegen ihrer Heizkraft ein beliebtes Wohnaccessoire, sie verbreiten Gemütlichkeit. Doch wie heizt man das Feuer richtig an und was ist sonst noch zu beachten? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.12.2015 | 22:00 Uhr