Stand: 13.01.2016 07:17 Uhr

Windkraftgegner und Befürworter streiten in Kiel

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Bürgerinitiativen und Windkraftgegner demonstrierten in Kiel.

Der Ausbau der Windenergie in Schleswig-Holstein polarisiert. Es gibt die eine Seite, der es gar nicht schnell genug gehen kann mit immer neuen Anlagen. Und es gibt diejenigen, die sich um das Landschaftsbild ihrer Heimat sorgen und die Notbremse ziehen wollen. Teilweise geht der Riss durch ganze Dörfer - Nachbarn und Freunde von einst sind entzweit. In Kiel versammelten sich gestern sowohl Gegner als auch Befürworter.

Lautstarke Demo in Kiel

Rund 160 Menschen protestierten am Abend in der Landeshauptstadt lautstark unter dem Motto "Rettet unsere Landschaft" gegen einen weiteren Ausbau der Windkraft. Bürgerinitiativen aus ganz Schleswig-Holstein beteiligten sich daran - mit Plakaten und Spruchbändern, auf denen unter anderem "Windkraft macht wenige reich - viele arm und krank" oder "Windkraft = Folter" zu lesen war. Sie fürchten, dass die geplanten Anlagen zu nahe an Häusern und Wohngebieten errichtet werden - und haben deshalb Angst vor Krankheiten und dem Wertverlust ihrer Grundstücke. Anlass der Proteste vor dem regionalen Berufsbildungszentrum für Wirtschaft in Kiel: Dort fand am Abend eine Informationsveranstaltung der Landesregierung mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) statt.

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Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) will rechtssichere Verfahren für den Windkraftausbau.
Albig will rechtssicheres Verfahren

Vor etwa 600 Zuhörern - darunter sowohl Windkraftgegner als auch -befürworter - informierte Albig über den aktuellen Stand der Windkraftplanung. Hintergrund: Das Land muss seine Pläne für weitere Windkraftanlagen neu ausrichten, weil das Oberverwaltungsgericht in Schleswig die ursprünglichen Pläne im vergangenen Jahr gekippt hatte. Albigs vorrangiges Ziel: Er will bis Mitte des Jahres mit einem Kabinettsbeschluss ein rechtssicheres Verfahren erreichen - auch um die Akzeptanz der Bürger zu sichern. Er sagte dem Schleswig-Holstein-Magazin: "Wir haben eine große Aufgabe in der Energiewende, dazu gehört die Bereitstellung von Windenergie" - ohne Wind sei das Ziel Deutschland ohne Atomstrom nicht zu leisten. "300 Prozent der Windenergie, die wir in Schleswig-Holstein benötigen, wollen wir produzieren." Dieser Beitrag zur Energiewende verlange vielen viel ab, räumte Albig ein. Er versprach, Ausschluss- und Abwägungskriterien zur Diskussion mit allen zu stellen, "die sich dazu berufen fühlen".

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Zuvor hatten am Dienstag auch im Petitionsausschuss des Landtags in Kiel die Kritiker das Wort. Mehr als 2.700 Schleswig-Holsteiner hatten eine entsprechende Onlinepetition unterzeichnet. Die Kritik: Der Wildwuchs der Windräder zerstöre ihren Lebensraum. Die Abgeordneten des Ausschusses, bei dem Eingaben der Bürger eingehen, hörten sich diese interessiert an und stellten Nachfragen beim zuständigen Vertreter der Staatskanzlei. Dieser versicherte, bei der Ausweisung von Flächen für Windenergie würden die Besonderheiten der Landschaftsräume berücksichtigt. Der von den Windkraftgegnern geforderte Mindestabstand von zwei Kilometern zwischen Windrad und Siedlung werde sich nicht realisieren lassen, weil es dann nicht ausreichend Flächen für Windräder gebe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 12.01.2016 | 22:00 Uhr