Stand: 26.08.2015 06:00 Uhr

Willkommensteam Elmshorn hilft Flüchtlingen

von Cathrine Lejeune

Wer Flüchtlingen helfen will, in Deutschland anzukommen, hat in Großstädten wie Hamburg oder Hannover keine Probleme Anlaufstellen zu finden. Anders sieht es dagegen in kleineren Orten in Norddeutschland aus. Aber auch da gibt es sie. NDR Info hat eine private Initiative in Elmshorn besucht.

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Antje Thiel, Volker Laedke und Helmut Ziegler packen Taschen mit Lebensmitteln für Flüchtlinge.

Die schweren Sachen werden zuerst in die Taschen gelegt und dann die kleineren wie Zahnbürste, Seife, ein Deutschwörterbuch mit Bildern. Antje Thiel, Volker Laedtke und Helmut Ziegler packen die Spenden in 100 Stoffbeutel für Flüchtlinge. Die Terrasse der Familie Ziegler hat sich dafür in eine Packstation verwandelt.

Die drei sind Vorstandsmitglieder im Verein "Willkommensteam Elmshorn". Sie organisieren Treffen, Spendenaktionen, Kontakte zu Flüchtlingen. In Elmshorn sind in diesem Jahr rund 190 Flüchtlinge angekommen. Zum Vergleich: vor vier Jahren waren es sechs. Insgesamt leben in Elmshorn etwa 50.000 Menschen, davon etwa 550 Flüchtlinge.

Wer hier mitarbeitet, tut das ehrenamtlich

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Flüchtlinge können in Elmshorn auch Deutsch lernen.

Antje Thiel möchte einfach nur helfen: "Es reicht der Wunsch und die Fähigkeit, sich vielleicht auch mal in eine andere Situation hinein zu versetzen, mit den Leuten zu sprechen, ihnen Zeit zu schenken und der Rest ist im Wesentlichen Learning by doing." Wer hier mitarbeitet, tut das ehrenamtlich. So wie Bernd Jungmann. Der Unternehmensberater hat sich beim Willkommensteam gemeldet und hilft nun geflüchteten Kurden aus Syrien. Er gibt Deutschunterricht und unterstützt bei Behördengängen.

Hiva und Roudy sind seit einem halben Jahr in Deutschland und gerade in eine Wohnung gezogen. Sie sind aus Kobane geflüchtet, als die Terrorgruppe "Islamischer Staat" die Stadt überfiel. Hivas Bruder kam bei einem Anschlag ums Leben und hinterließ eine Frau und vier Töchter.

Die Familie sitzt noch immer in Kobane fest. Wenn das Internet stabil ist, können sie miteinander skypen. Roudy und Hiva vermissen ihre Heimat. Der ehrenamtliche Deutschlehrer hört aufmerksam zu. Er empfindet es als Glück, diesen beiden helfen zu können. So wie heute beim Anmelden von Strom und Gas.

Hilfsbereitschaft ist groß

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Die Hilfsbereitschaft in Elmshorn ist groß.

Die Hilfsbereitschaft in Elmshorn ist groß. Trotzdem braucht das Team noch mehr Unterstützung. Denn es werden noch doppelt so viele Flüchtlinge erwartet wie bisher. Das Engagement des Willkommensteams findet nicht jeder gut. Sogar gute Bekannte bezeichnen sie etwas abfällig als "Gutmenschen". Sie kriegen auch manchmal auf Facebook Hasskommentare - diese gehen an ihnen nicht spurlos vorbei.

Zum Glück überwiegt jedoch die Solidarität. Und das führt manchmal zu absurden Konstellationen. So kümmern sich zum Beispiel im benachbarten Ort Kölln-Reisiek 25 Anwohner um drei Familien.

Nach gut einer Stunde ist es geschafft. Über 100 Stoffbeutel sind gepackt. Jeder Flüchtling, der nun in Elmshorn ankommt, wird dieses kleine Starter-Paket erhalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 26.08.2015 | 07:38 Uhr