Stand: 01.08.2017 12:27 Uhr

Wie gefährlich sind Arznei-Wirkstoffe im Abwasser?

Wissenschaftler der Fachhochschule Lübeck arbeiten an einem bundesweiten Pilotprojekt: Sie wollen in einer Studie herausfinden, welche und wie viele Rückstände von Medikamenten in unseren Gewässern landen. Hintergrund ist, dass viele Menschen ihre abgelaufenen Tabletten und Tropfen in der heimischen Toilette entsorgen - obwohl das Bundesministerium für Bildung und Forschung ausdrücklich davor warnt. Denn auch wenn das Abwasser in Klärwerken gereinigt wird, bleiben stets Rückstände von Schmerzmitteln, Antibiotika oder Antibabypillen zurück. Die Lübecker Wissenschaftler haben nun an acht Kläranlagen in Schleswig-Holstein spezielle Messinstrumente installiert, um die Dimension des Problems zu beleuchten.

Kläranlage

Forscher messen Arznei-Belastung im Abwasser

Schleswig-Holstein Magazin -

Fast die Hälfte der Verbraucher schüttet übrig gebliebene Medikamente einfach ins Klo. Wissenschaftler der Fachhochschule Lübeck untersuchen jetzt die Rückstände im Abwasser.

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Forscher: "Wir wissen im Grunde relativ wenig"

Auftraggeber für das Projekt ist Umweltministerium in Kiel. "Wir wissen im Grunde relativ wenig", sagt Dr. Kai Wellbrock vom Labor für Siedlungswasserwirtschaft der FH Lübeck. "Wir wissen, dass bestimmte Spurenstoffe vorhanden sind - wissen aber nicht, wie viel davon. Und wir wissen vor allen Dingen nicht, wie viele Wirkstoffe in den Kläranlagen zurückgehalten werden."

Die vier Arzneimittel-Entsorgungswege im Überblick

Entsorgung über den Hausmüll: In den meisten Fällen können Medikamente und Arzneimittel in der Restmülltonne entsorgt werden. Dieser Entsorgungsweg ist mit wenig Aufwand verbunden, gleichzeitig aber umweltbewusst und sicher.

Entsorgung über Schadstoffmobile: Viele Gemeinden bieten eine Entsorgung von Medikamenten und Arzneimitteln an speziell dafür vorgesehenen mobilen Schadstoff-Sammelstellen an.

Entsorgung über Recyclinghöfe: Viele Gemeinden betreiben Recyclinghöfe und bieten dort eine Möglichkeit zur Entsorgung von Medikamenten und Arzneimitteln an.

Entsorgung über Apotheken: Ein Teil der Apotheken bietet die Rücknahme von Medikamenten auf freiwilliger Basis an.

Welcher Weg in Ihrer Gegend empfohlen ist, erfahren Sie hier.

(Quelle: www.arzneimittelentsorgung.de, Stand 1. August 2017)

Vier der Messstationen stehen im Kreis Herzogtum Lauenburg, eine davon am Ratzeburger See. In den wird aufbereitetes Abwasser nach drei Filterdurchgängen in der Kläranlage hinein geleitet. "Parallel zu dieser Messstelle prüfen wir auch das Wasser direkt am Zulauf der Kläranlage", erklärt Wellbrock, "wir messen also dort, was in die Kläranlage reingeht, und hier, was rauskommt." Auch in der Kläranlage selbst wird gemessen.

"Stoffe landen wieder bei uns auf dem Teller"

Am Ende soll klar sein, wie groß das Ausmaß der Trinkwasserbelastung durch Medikamentenrückstände tatsächlich ist. Danach wollen die Wissenschaftler prüfen, ob weitere Filterstufen eingeführt werden und ob künftig einheitliche Grenzwerte gelten sollten. Bisher gelten die Rückstände als für Menschen unbedenklich, doch es gibt Hinweise darauf, dass in Arzneimitteln enthaltene Hormone die Fortpflanzung von Fischen und anderen Lebewesen beeinträchtigen. "Wenn diese Stoffe in der Natur ankommen, dann greifen sie radikal in den Naturhaushalt ein", sagt Umweltminister Robert Habeck (Grüne). "Und da wir alle Teil der Natur sind, landet das im Zweifelsfall wieder bei uns auf dem Teller."

Wohin mit abgelaufenen Medikamenten?

Die Entsorgung alter oder nicht mehr benötigter Medikamente ist in Schleswig-Holstein nicht einheitlich geregelt. Während Apotheken früher dazu verpflichtet waren, Arzneimittel zurückzunehmen, müssen sie es heute nicht mehr. Einige machen es aus Kulanz aber dennoch. Mancherorts sind Schadstoffsammelstellen die richtige Adresse, anderswo wird dazu geraten, die Arzneimittel zusammen mit dem Restmüll zu entsorgen. Dies gilt immer dann als sicher, wenn der Abfall später verbrannt wird.

Wo Sie Ihre Medikamente loswerden können, sehen sie auf dieser Karte sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 31.07.2017 | 19:30 Uhr

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