Stand: 16.03.2017 18:22 Uhr

Widerstand gegen Stellenabbau bei Senvion wächst

Der krisengeschüttelte Windanlagenhersteller Senvion macht weiter Verluste. Das geht aus den am Donnerstag in Hamburg vorgelegten Geschäftszahlen hervor. Nach 106 Millionen Euro im Jahr 2015, waren es 2016 noch 65 Millionen Euro. Um weiter zu sparen, will das Unternehmen Standorte schließen, unter anderen das Werk in Husum. Doch es regt sich Widerstand - nicht nur die Gewerkschaft und die Betriebsräte wehren sich dagegen, auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD).

Senvion-Vertreter offenbar schlecht vorbereitet

Meyer, der am Donnerstag zur Eröffnung der Messe New Energy in Husum war, lässt nicht locker. Die Produktion soll geschlossen und die Servicemitarbeiter sollen nach Schleswig versetzt werden. Das leuchtet Minister Meyer nicht ein, "weil die Anlagen hier vor Ort stehen und da ist uns nicht plausibel dargelegt worden, warum die Beschäftigten nach Schleswig verlagert werden sollen." Der SPD-Politiker traf sich in Husum auch mit Bürgermeister Uwe Schmitz (parteilos) und Vertretern von Senvion zu einem Gespräch. Man habe die Runde aber abgebrochen, weil laut Meyer die von der Geschäftsführung entsandten Senvion-Vertreter keine Befugnis gehabt hätten, etwas zu entscheiden und "zum Teil bei den Zahlen für die Arbeitnehmer nicht sattelfest waren". Sie sollen nicht gewußt haben, wie viele Service Mitarbeiter nun eigentlich in Husum beschäftigt sind. Das sei äußerst betrüblich gewesen, so Meyer.

Meyer will Service-Arbeitsplätze in Husum behalten

Der Minister befürchtet, dass es schwer werde, die Fertigung am Standort Husum zu halten. Man habe in dem Gespräch aber sehr klare Forderungen gestellt, erzählt Meyer. Vor allem, dass es Sinn mache, die fast 100 Service-Arbeitsplätze am Standort Husum zu erhalten, "in welcher Form auch immer". Das weitere Vorgehen: Die Tarifpartner werden miteinander sprechen, außerdem werde eine "Standort-Arbeitsgruppe" im Husumer Rathaus beraten, wie es weitergehen soll. Wirtschaftsminister Meyer will dabei sein, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, Vertreter der Gewerkschaften und von Senvion.

IG Metall droht mit "hartem Konflikt"

Außerdem hat die IG Metall Küste die Senvion-Betriebsräte, die Bürgermeister der betroffenen Standorte sowie den Unternehmens-Vorstand für den 27. März zu einem "Runden Tisch" nach Hamburg eingeladen. Der Bezirksleiter Küste, Meinhard Geiken, will mit ihnen über Alternativen "zum Kahlschlag" diskutieren. Wenn die Senvion-Geschäftsführung nur auf Entlassungen und Schließungen setze, "werden wir einen harten Konflikt bekommen", kündigte Geiken an. Bei Senvion in Husum soll es außerdem am 20. März eine Betriebsversammlung geben.

Unter dem Strich: 660 Stellen weg

Der Windanlagenhersteller Senvion hatte am Montag angekündigt, dass in diesem Jahr in Deutschland rund 730 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Die Konzernholding begründete die Einschnitte mit einem stärker werdenden Wettbewerbs- und Preisdruck. Deshalb sollen Teile der Produktion verlagert und Standorte in Deutschland geschlossen werden, in Schleswig-Holstein, Brandenburg und in Bremerhaven. Da aber auch rund 120 Stellen am Service-Standort Schleswig aufgebaut werden, fallen unter dem Strich rund 660 Vollzeit-Stellen weg. Das Werk in Husum wird komplett dicht gemacht - 150 Stellen sind laut den Plänen betroffen, am Standort Osterrönfeld fallen 50 Arbeitsplätze weg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.03.2017 | 17:00 Uhr

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