Stand: 12.03.2016 18:51 Uhr

Wettrutschen: Im Rausch der Geschwindigkeit

von Thorsten Philipps

Ich habe ein klares Ziel vor Augen: "Ich will unter 20 Sekunden bleiben!". Dafür muss ich jede der fünf Kurven der Rutsche optimal nehmen. Erst links rum, dann rechts, dann wieder links und dann ganz scharf rechts. Und genau bei der letzten Kurve hat es mich im Training immer wieder rausgeworfen. Deshalb bin ich auch angespannt und aufgeregt vor meiner Premiere bei den Deutschen Meisterschaften im Wettrutschen in der Ostseetherme in Scharbeutz.

115 Treppenstufen hinauf zur Rutsche

In der Theorie ist es klar: Ich weiß, ich muss mich mit Schmackes abstoßen von der Stange. Dann auf den Schulterblätter und einer Hacke nach unten. Zum Glück bin ich nicht allein unterwegs: Meine NDR Kollegen Christoph Prehn und Julian Marxen sind auch im Einsatz. Erst mal müssen wir Treppen steigen: 115 Stufen sind es bis nach oben. In 15 Meter Höhe nehmen uns Karen Bayler und Gina Krüger - Azubis in der Ostseetherme - entgegen und weisen uns ein: "Nummer, Name, warten bitte", sagt Gina. Für Karen ist es das erste Mal: "Was für eine ausgelassene Stimmung, alle sind gut drauf", so Karen, die ursprünglich aus Bayern kommt.

Mit "Hintern hoch" hinunter

Kollege Julian Marxen überlässt nichts dem Zufall, bevor es die 145 Meter lange Röhre - die sogenannte "Grüne Mamba" - heruntergeht. Er trocknet mit einem Handtuch nochmal die Stange, von der er sich abstößt. "Es macht einfach mehr Spaß, wenn man sein Bestes gibt", sagt er. In der Rutsche heißt es dann "Hintern hoch" und wie ein Flitzebogen runter - mit bis zu 40 Kilometer pro Stunde. Als ich dann an der Reihe bin, kribbelt es. Ich rausche durch die ersten Meter. Doch dann fliege ich am Ende wieder zu sehr aus der letzten Kurve und knalle gegen die Röhre. Das kostet Zeit. ich lande bei 20,45 Sekunden. Ziel verfehlt.

"Du musst vor das Wasser kommen"

Die Gewinner

Frauen
Maren Peters 19.59 Sekunden

Mädchen
Lisan Könke 21.67

Männer
schwer: Sven Schubert 18.30
leicht: Manuel Hering 18.99

Jungen
Maxim Jensen 21.11

Mannschaften
Speedrutscher Süd 110

Ebenfalls nach etwa 20 Sekunden Diskobeleuchtung in der Röhre kommt Kollege Julian im Becken an: "Diese Rutsche ist einfach ein Mysterium, man weiß nie, was man genau falsch gemacht hat", sagt er. Es bleibt ein Geheimnis der Profis, wie sie da in 18 Sekunden runterkommen. "Du musst vor das Wasser kommen", sagt einer. "OK", denke ich, "nur wie, da ist die Frage …"

Im Geschwindigkeitsrausch

Wir starten bei den Herren - die Damen sind unter sich: Kerstin Mix aus Klausdorf hat manchmal auch ein bisschen Angst, dass es sie aus der Kurve trägt. Sie ist mit ihrer Freundin Silke Mordhorst heute zum dritten Mal dabei. Silke war im vergangenen Jahr Siebte. Das will sie heute bei den 19. Deutschen Meisterschaften besser machen: "Dieser Geschwindigkeitsrausch ist einfach geil", sagt sie. Und wir vom NDR sind diesmal wirklich mittendrin statt nur dabei. Mein persönliches Ziel erreiche ich am Ende doch: Im dritten Lauf schaffe ich es und rutsche in 19,75 Sekunden hinunter! Da gibt es sogar Applaus von den Zuschauern am Beckenrand. Aber ein guter Lauf reicht halt nicht. So heißt es für mich und das Team: Raus mit Applaus.

Weitere Informationen
11 Bilder

Rekorde in der "Grünen Mamba"

In Scharbeutz findet zum 19. Mal die Deutsche Meisterschaft im Wettrutschen statt. Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer stürzen sich mutig die "Grüne Mamba" hinunter. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 12.03.2016 | 14:05 Uhr