Stand: 07.09.2016 17:04 Uhr

Wende im Prozess um angebliche Vergewaltigung

Die Aufregung Ende Februar war groß - Erinnerungen an die Silvester-Ereignisse in Köln und Hamburg wurden wach. Zwei Afghanen sollen sich im Erlebnisbad "Arriba" in Norderstedt (Kreis Segeberg) an zwei Mädchen vergangen haben. Ein 14- und ein 34-Jähriger müssen sich seit Ende August vor Gericht verantworten. Doch eines der mutmaßlichen Opfer, ein 14 Jahre altes Mädchen, hat seine Nebenklage jetzt zurückgezogen. Außerdem sind die Aussagen der beiden Mädchen nicht verwertbar - sie hätten keinen Beweiswert, sagte am Mittwoch die Vorsitzende Richterin am Amtsgericht Norderstedt.

Auch die 18-Jährige äußert sich widersprüchlich

Das 18 Jahre alte mutmaßliche Opfer sagte am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Der Verteidiger des 34 Jahre alten Angeklagten sagte, die Aussagen seien widersprüchlich gewesen. Bereits am ersten Verhandlungstag Ende August hatte es Zweifel an der Aussage der 14-Jährigen gegeben. Sie hatte behauptet, im Februar zusammen mit ihrer Freundin in dem Schwimmbad in der Nähe einer Wasserrutsche von den Männern angefasst und misshandelt worden zu sein. Das "Arriba"-Erlebnisbad hatte daraufhin sein Sicherheitskonzept überarbeitet. Ging es zu Beginn der Verhandlung um den Vorwurf der Vergewaltigung, steht jetzt nach Angaben der Nebenklage noch der Vorwurf der sexuellen Nötigung in einem besonders schweren Fall im Raum.

Mädchen sollen im Bad schon vorher aufgefallen sein

Als Zeugen berichteten am Mittwoch außerdem zwei Bademeisterinnen und ein Sicherheitsmann übereinstimmend, wie die beiden Mädchen nach dem angeblichen Vorfall auf sie zugekommen und völlig aufgelöst von sexuellen Übergriffen berichtet hatten. Der 34-Jährige sei vom Personal direkt festgehalten worden, berichteten die Zeugen weiter. Er habe dabei immer wieder "Entschuldigung. Es tut mir leid", gemurmelt. Den 14-Jährigen hätten die Mädchen an einem Kleiderspind erkannt, woraufhin auch er von der inzwischen alarmierten Polizei festgenommen worden sei. Eine der Bademeisterinnen sagte, ihr seien die beiden Mädchen schon Stunden vorher aufgefallen. Sie hätten mehrfach an der Rutsche wartende Männer mit der Schulter, dem Arm oder dem Brustbereich "gerempelt" und danach gelacht. Der 34 Jahre alte Angeklagte hatte im Prozess bereits ausgesagt, die 18-Jährige auf die Hüfte geküsst zu haben, aber keinen Kontakt zu der 14-Jährigen gehabt zu haben.

Schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Nach Angaben der Richterin leiden beide Mädchen offensichtlich unter psychischen Problemen. Die Mädchen hatten sich in einer Klinik kennengelernt. Die 14-Jährige soll schon früher unter anderem zwei Männer in Kiel und einen weiteren in Hamburg wegen sexueller Nötigung angezeigt haben. Es kam aber nie zu einer Verurteilung. Die Verteidiger warfen der Staatsanwaltschaft schwere Fehler vor. Schon nach der ersten polizeilichen Vernehmung der 14-Jährigen hätte jedem klar sein müssen, dass die Vergewaltigungsvorwürfe nicht stimmen. Im Fall "Arriba" sollen am Freitag die Plädoyers gehalten werden, im Anschluss will das Gericht sein Urteil verkünden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.09.2016 | 22:00 Uhr

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