Stand: 26.05.2016 05:00 Uhr

Wohnen im Wasserturm: Ein Vollbad dem Himmel so nah

von Tobias Senff

Der Postbote braucht ziemlich viel Geduld. Ein paar Minuten muss er manchmal schon warten, nachdem er bei Familie Harksen in Bad Segeberg geklingelt hat. Besonders dann, wenn Marlies Harksen gerade im Hauswirtschaftraum im siebten Stock des Wasserturms die Wäsche macht. "Aber mittlerweile wissen es alle. Außerdem haben wir ja auf jedem Stockwerk eine Gegensprechanlage und können sagen, wie lange es noch ungefähr dauert, bis wir unten sind", erzählt sie. Die Wendeltreppe, die sich durch den Wasserturm schlängelt, hat stolze 138 Stufen. Immerhin, die unteren vier Etagen erreichen Wolfgang und Marlies Harksen auch mithilfe ihres Aufzugs. Schon seit fast 20 Jahren ist das Wahrzeichen Segebergs ihr persönliches Zuhause. Damals ließ die Stadt den Turm auf dem Kalkberg zwangsversteigern. Die Harksens erhielten den Zuschlag und erfüllten sich einen Traum.

Sechs Etagen - und ein Problem in der Küche

Ein knappes Jahr später zog das Paar mit seinen beiden Söhnen ein. Wirklich begeistert war Marlies damals nicht. Aber das hat sich längst geändert. Mittlerweile ist sie stolz, in dem 35 Meter hohen Gebäude zu leben. Das Erdgeschoss dient als kleiner Empfangsbereich mit Couch und Sessel. Dort ist außerdem eine zweite Ebene eingezogen, wo das Schlagzeug eines Sohnes steht. In den ersten drei Obergeschossen finden sich die ehemaligen Kinderzimmer und ein Büro. "Doch meistens spielt sich alles auf der vierten Etage ab", erzählt Wolfgang beim Blick in die Küche und erinnert sich daran, wie schwierig es war, die Einbauküche der runden Außenwand anzupassen.

Gewitter ist "wie Theater"

Abends schließlich machen es sich die Harksens auf der fünften Ebene bequem, im Wohnzimmer. Dort genießen sie einen fast kompletten Rundum-Blick über Bad Segeberg - und bei jedem Gewitter sitzen die Harksens in der ersten Reihe. Es ist "wie eine Theaterinszenierung", beschreibt Wolfgang. Mit Musik von Wagner sei für ihn alles perfekt. Da passt es gut, dass das Wohnzimmer die meisten Fenster hat. 83 sind es im gesamten Haus. Klar, dass Marlies die Fenster nicht alle auf einmal putzt, sondern etagenweise. Ganz oben gibt es noch den sechsten Stock mit dem Schlafzimmer sowie einem großen Bad mit Dusche und Wanne. Jede Etage hat etwa 35 Quadratmeter zu bieten. Mittlerweile wohnen Wolfgang und Marlies allein in ihrem knapp 100 Jahre alten Wasserturm. Ihre Söhne sind erwachsen und ausgezogen. Deshalb haben die Harksens beschlossen, den für sie zu groß gewordenen Turm zu verkaufen.

Traumhafter Blick kostet viel Arbeit

Doch erstmal wird der altehrwürdige Bau saniert. Zurzeit reparieren Dachdecker die Schäden eines Sturmes. Dafür musste in der vergangenen Woche sogar die Spitze mit einem Kran abgenommen werden. Und weil gerade der komplette Turm eingerüstet ist, streichen die Harksens auch gleich die Fensterrahmen und überprüfen die Fugen im Mauerwerk. Ein denkmalgeschützter Wasserturm macht eben viel Arbeit. Dafür genießt Familie Harksen aber einen exklusiven Blick auf Bad Segeberg und weit darüber hinaus.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 26.05.2016 | 05:00 Uhr

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