Stand: 24.08.2017 05:00 Uhr

Vor 30 Jahren: Erster deutscher Windpark startet

Fast 28.000 Windräder gibt es zurzeit auf dem deutschen Festland. Sie erzeugen rund 13 Prozent des Stroms in Deutschland. Das hat vor 30 Jahren kaum jemand erwartet, als der damalige Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) an der Dithmarscher Nordseeküste einen Hebel betätigte, um den ersten deutschen Windenergiepark in Gang zu setzen. Auch Barschel ging damals von einer weniger rasanten Entwicklung aus: "Bis zum Jahr 2000 sollte die Windenergie bei uns in Schleswig-Holstein einen Beitrag von rund 2,5 Prozent leisten. Das bedeutet, in unserem Land Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 100 Megawatt zu errichten. Das ist hundertmal so viel wie dieser Windpark."

Windpark.

30 Jahre Windpark Kaiser-Wilhelm-Koog

Schleswig-Holstein Magazin -

Am 24. August 1987 nahm der erste deutsche Windpark, der Windpark Kaiser-Wilhlem-Koog, seinen Betrieb auf. Aus heutiger Sicht technisch ein Witz.

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Flaute bei der Premiere

"Ständigen Wind von vorn", wünschte der Ministerpräsident damals am 24. August 1987 im Kaiser-Wilhelm-Koog. Doch an diesem Tag wehte kein Lüftchen. Die Rotoren der neuen Anlagen standen still. Aus heutiger Perspektive war der erste Windpark technisch gesehen eher bescheiden. Die Leistung der Windräder wurde noch in Kilowatt gemessen - und das stärkste Modell im Kaiser-Wilhelm-Koog kam auf 55 Kilowatt. Die Nabenhöhe lag bei 20 Metern, heute sind es 120 bis 140 Meter. Alle 30 Windräder in dem Dithmarscher Windpark zusammengenommen schafften 1.000 Kilowatt, also ein Megawatt. Heute leistet ein einziges Windkraftwerk an Land etwa das Vierfache, auf See sogar das Sechs- bis Achtfache.

Windpark im Kaiser-Wilhelm-Koog gestern und heute

Erster Großversuch war eine Pleite

Die Leistung der Anlagen an Land hat sich bis heute ungefähr um den Faktor 80 erhöht. Dass das möglich ist - damit hatte in den 1980er-Jahren kaum jemand gerechnet. Denn ein wichtiges Experiment in diese Richtung war vor dem Start des ersten deutschen Windparks ziemlich daneben gegangen. Die ebenfalls im Kaiser-Wilhelm-Koog gelegene Versuchsanlage "Growian" - eine Abkürzung für Große Windenergie-Anlage - war ungefähr so groß wie heutige Windkraftwerke und brachte eine Leistung von drei Megawatt: damals Weltrekord. Doch die Ingenieure bekamen diverse technische Probleme nicht in den Griff. In vier Jahren schaffte "Growian" nur 420 Betriebsstunden und stand meistens still. Die Windenergie schien keine Zukunft zu haben.

Windenergie entwickelte sich zur Boom-Branche

Es kam dann ganz anders. Daran hatte der erste deutsche Windpark seinen Anteil. Die Ingenieure sammelten dort Erfahrungen, lernten die Probleme zu beherrschen und konnten schließlich immer größere Anlagen bauen. "Das waren ja nicht nur Idealisten, sondern große Unternehmen mit Durchhaltevermögen", sagt Arne Schierenbeck, Geschäftsführer des Windenergieparks Westküste. Heute stehen auf der Fläche im Kaiser-Wilhelm-Koog, auf der ab 1987 30 Anlagen standen, vier moderne Windkraftanlagen und erzeugen Strom. Windenergie leistet nicht nur ihren Beitrag zur Energieversorgung. Vielmehr sind deutsche Hersteller auch auf den Weltmärkten präsent und die Branche steht für rund 143.000 Arbeitsplätze.

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"Deutschland ist Weltmarktführer in dieser so wichtigen Zukunftstechnologie", sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Doch ob es in dem gleichen Tempo weitergeht, scheint fraglich. Schon lange werden Windkraftanlagen in der Bevölkerung nicht mehr nur als umweltfreundliche Energiequelle wahrgenommen, sondern auch als Belastung. Sie seien eine Verschandelung des Landschaftsbildes, eine Todesfalle für Vögel und die Betriebsgeräusche und der Schattenwurf der drehenden Rotoren eine andauernde Belästigung - so lauten die häufigsten Vorwürfe. "Die Menschen lassen sich am besten dann überzeugen, wenn sie aktiv in die Projekte einbezogen werden", meint Albers. Bürgerwindparks, Energiegenossenschaften und kommunale Beteiligungsmodelle seien dafür der richtige Weg.

Weniger Förderung bremst Wachstum

Zudem sind die Probleme der Stromspeicherung immer noch nicht gelöst. Bei Flaute stellen konventionelle Kraftwerke oder Importstrom die Versorgung sicher. Nachdem Jahr für Jahr immer mehr neue Anlagen gebaut wurden, war die Tendenz im vergangenen Jahr zum ersten Mal rückläufig. Wegen geänderter Regeln zu erneuerbaren Energien rechnet der Bundesverband Windenergie in Zukunft mit geringeren Ausbauzahlen. Ermöglicht wurde der Siegeszug der Windenergie seinerzeit durch die Förderung der Politik - und damit die Subventionierung durch den Stromzahler. Die erhöhte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz hat manchen Windmüller wohlhabend gemacht. Inzwischen werden die Anlagen von der Bundesnetzagentur öffentlich ausgeschrieben. Gerade ergab die zweite Ausschreibung eine gewichtete durchschnittliche Förderung von 4,28 Cent je Kilowattstunde. Das ist gut ein Cent weniger als noch im Mai.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.08.2017 | 08:00 Uhr

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