Stand: 24.08.2015 12:39 Uhr

Trecker-Demo gegen zu niedrigen Milchpreis

Seit April gibt es die Milchquote in der EU nicht mehr. Seitdem steigen die Mengen, weil die Bauern so viel Milch produzieren wie sie wollen. Die Preise sind im Keller, die finanziellen Verluste für die Landwirte nehmen zu. Am Montag startete in Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eine Staffelfahrt der Milchbauern, die quer durch Deutschland führen soll. Unterstützt wurden sie von dänischen Kollegen. "Agrarminister Schmidt, Kanzlerin Merkel und Co. machen die Milcherzeuger K.O.." steht unter anderem auf einem der Transparente, mit denen sie sich auf den Weg machten. Ihr Ziel ist eine große Protestkundgebung in der kommenden Woche in München.

Den Milchbauern stinkt's

Überangebot und Einfuhrverbot

Laut dem Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) kostet die Erzeugung eines Liters Milch in Schleswig-Holstein etwa 40 Cent, bringt den Bauern aber nur 26 Cent ein. Und die Milchpreise drohen laut BDM weiter zu fallen. Im Vergleich zum Vorjahr sei in diesem Jahr mit drei Milliarden Euro Verlusten für die deutschen Milchviehbetriebe und den ländlichen Raum zu rechnen. Der Verband fordert, in Marktkrisen die Erzeugung in der EU zu verringern.

Superabgabe wieder zurück an die Bauern?

Der Vorsitzende des BDM, Romuald Schaber, warf Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Hohenweststedt "Untätigkeit" und eine "Verweigerungshaltung" vor. Schmidt tue nichts, um die Lage zu ändern, sagte Schaber. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte in Hohenwestedt die Bundesregierung und die Europäische Kommission davor, nicht gegenzusteuern. Er forderte - genau wie Schaber -,dass die sogenannte Superabgabe von 900 Millionen Euro an die Milchbauern zurückfließen und zur Mengenreduzierung der Milchproduktion verwendet werden soll. Die Superabgabe ist eine Strafzahlung, die Landwirte bisher zahlen mussten, wenn sie mehr Milch produziert hatten als die Quote vorgab. Wegen der Abschaffung der Milchquoute wurde die Abgabe in diesem Jahr zum letzten Mal erhoben.

Ziel ist München

Bei der neuntägigen bundesweiten Protestaktion starten Bauern überall in Deutschland mit Treckern zu Staffelfahrten. Neben Hohenweststedt fahren sie auch im niedersächsischen Krummhörn sowie am 28. August in Breisach (Baden-Württemberg) und am 1. September in Traunstein in Oberbayern los. Ihr Ziel ist am 1. September eine Kundgebung in München.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.08.2015 | 13:00 Uhr