Stand: 26.01.2016 17:16 Uhr

Sylter streiten über Unterkunft für Flüchtlinge

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Das Fünf-Städte-Heim steht im Winter leer. Es gehört dem Kreis Pinneberg.

Bereits vor der Flüchtlingskrise war Wohnraum auf der Insel Sylt knapp. Wie alle anderen müssen aber auch die Gemeinden auf der Nordseeinsel Wohnraum für ein bestimmtes Kontingent an Menschen schaffen. Die bestehende Unterkunft in Westerland ist voll belegt. Eigentlich wollten die Politiker auf der Insel weitere Asylbewerber jetzt in Hörnum im Süden der Insel unterbringen. Das ehemalige Jugendaufbauwerk (JAW) gehört dem Land, steht seit Jahren leer und wird jetzt für Flüchtlinge umgebaut. Die ersten Menschen sollten eigentlich im Frühling einziehen. Doch die CDU-Fraktion der Gemeinde Sylt hat nun einen Prüfauftrag erteilt, um herauszufinden, ob nicht vielleicht doch eine andere Unterkunft die bessere Wahl wäre.

Streit um das Fünf-Städte-Heim in Hörnum

Es geht um ein Haus direkt neben dem Jugendaufbauwerk: das Fünf-Städte-Heim in Hörnum. Das Schullandheim, das fünf Städten aus dem Kreis Pinneberg gehört, steht im Winter leer - mit 300 gemachten Betten. Es war erst kürzlich zum Zankapfel zwischen den Pinnebergern und den Nordfriesen geworden. Die Eigentümer aus dem dicht besiedelten Hamburger Umland wollten in ihrem Heim Flüchtlinge aus dem Kreis Pinneberg einquartieren. Der Kreis Nordfriesland erteilte aber eine Absage. "Bei Flüchtlingen aus einem anderen Kreis wäre unklar gewesen, wer diese Menschen betreut. Deshalb haben wir entschieden, dass jeder Kreis seine Flüchtlinge selbst unterbringen muss", sagte der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nicolas Häckel (parteilos). Er geht davon aus, dass das Fünf-Städte-Heim - wenn überhaupt - nur zusätzlich in Frage käme, falls die Kapazitäten im Jugendaufbauwerk nicht ausreichen. Allerdings ist fraglich, ob die Gemeinde Hörnum überhaupt eine zweite Unterkunft genehmigen würde.

Pinneberger wollen keine "nordfriesischen" Flüchtlinge

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Am Ortseingang von Hörnum stehen mehrere ungenutzte Immobilien.

Die Pinneberger drehen den Spieß jetzt um und machen den Nordfriesen wenig Hoffnung, ihr Schullandheim für Flüchtlinge nutzen zu können. "Das Haus steht nicht zum Verkauf und vermieten wollen wir nicht, da wir im Sommer ausgebucht sind", sagte Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen. Sie verwaltet das Haus. Nur wenige hundert Meter entfernt steht ein weiteres Gebäude, über das ebenfalls diskutiert wird: Das "Haus Budersand" ist frisch saniert und wird trotzdem bald abgerissen. An der Stelle sollen neue Golfhäuser entstehen. Dieses Gebäude und das Grundstück sind in privater Hand.

Tourismus in Gefahr?

Die Flüchtlingshelfer auf der Insel verfolgen die Diskussion mit Unverständnis. "Es sind einfach zu viele verschiedene Interessen, die hier vertreten werden. Es gibt von Seiten der Verwaltung Interessen, von Seiten der Politik. Einige sehen den Tourismus in Gefahr. Es ist eine leidige Diskussion", sagte Juliane von Holt von der Integrationshilfe Sylt im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord. Sie hofft, das Lösungen gefunden sind, bevor der Platz tatsächlich knapp wird, damit keiner der Hilfesuchenden Neu-Sylter in einem Zelt oder in einem Container schlafen muss.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.01.2016 | 15:00 Uhr