Stand: 11.07.2017 20:55 Uhr

Sylter Speed-Dating für beste Bienen

Für die Zucht von Bienen gibt es in Schleswig-Holstein perfekt geeignete Orte. Zu diesen sogenannten Belegstellen können Züchter ihre Königinnen bringen, um sie befruchten zu lassen. Imker Rudi Schneider aus Düsseldorf leitet im Sommer einige Wochen lang die Belegstelle Puan Klent auf Sylt und kümmert sich um 500 Königinnen. Er und seine Imker-Kollegen haben die Hoffnung auf ein gesundes Bienenvolk, das viel Honig bringt.

Hochzeitsflug der Königinnen

Auf einer Wiese zwischen Rantum und Hörnum warten insgesamt zwölf Völker mit Zehntausenden reinrassigen Drohnen auf die Besucherinnen. In einem sogenannten Hochzeitsflug begatten die männlichen Bienen die Königinnen in der Luft. In sieben Flügen befruchten bis zu 36 Drohnen eine Bienendame. Für die Königin ist der Hochzeitsflug ein einmaliges Erlebnis: Sie speichert die Samen für ihr drei bis fünf Jahre langes Leben ab. In dieser Zeit hat die Bienenkönigin nur diese eine Aufgabe: Stifte zu produzieren - also Eier zu legen - und somit den Nachwuchs zu sichern. Und auch für die Drohnen, die zum Zug gekommen sind, bleibt es bei diesem einen Einsatz: Sie sterben nach dem Befruchtungsakt.

Rund 75 Prozent Erfolg

Rudi Schneider beeindruckt das Phänomen des Hochzeitflugs nicht ohne Grund: In etwa 10 bis 40 Metern Höhe sammeln sich die Drohnen und warten auf die Königinnen, die sie begatten wollen - und am Boden hört der Imker ein waberndes bassiges Brummen, das für Gänsehaut sorgt. Den eigentlichen Akt, in dem die Drohnen eine Bienenkönigin im Flug verfolgen, um sich mit ihr zu paaren, hat der Imker erst ein einziges Mal gesehen. "Es war fantastisch", schwärmt Schneider über das selten beobachtete Schauspiel, "das sieht kein Mensch in seiner ganzen Imkerzeit nicht!" Die Wahrscheinlichkeit, dass bei dem Paarungsurlaub auf Sylt alles glatt geht, liegt bei rund 75 Prozent: Mal kommt es auch vor, dass die Königinnen von Vögeln gefressen werden.

Sylt: Guter Standort für eine Zucht

Seit sechs Jahren schon kommt Imker Schneider als Belegstellenleiter nach Sylt. Die Lage hier eignet sich für eine Zucht besonders gut: Auf dem schmalen Landstreifen im Süden der Insel sind die Tiere durch das Wasser der Nordsee begrenzt, da sie nicht über Wasser fliegen. Ein Sperrbezirk für andere Imker garantiert, dass sich keine fremden Völker unter die Zuchtbienen mischen.

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Dokumentarfilm "More Than Honey"

Im Dokumentarfilm "More Than Honey" legt der schweizer Regisseur Markus Imhoof den Fokus auf Bienen. Im sind als erstem Nahaufnahmen der Tiere im Paarungsflug gelungen. extern

So hat Züchter Hans-Joachim Totzek in mehreren Jahren seine Bienen gezüchtet. Besonders stolz ist er auf eine Linie, die nach seinen Angaben besonders wenig sticht, viel Honig gibt und gesund ist. "Wir betreiben diese Züchtung schon seit 68 Jahren und die haben gar nichts", sagt der Imker stolz. Mehrmals im Jahr muss Totzek wie alle anderen Züchter seine Völker bewerten - und das ist so aufwendig, dass er zu dem einen Prozent der Imker gehört, die überhaupt züchten. "Wir selektieren schon seit vielen Jahren", sagt Totzek, "es gibt andere Länder, da ist das nicht so weit verbreitet." Ein Umstand, von dem er profitieren kann: Befruchtete Bienen schicken die Züchter nach ganz Europa und vereinzelt sogar nach Kirgistan und in den Iran.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 11.07.2017 | 19:30 Uhr

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