Stand: 17.02.2016 10:48 Uhr

Studie: Nur jedes vierte Verbrechen angezeigt

Die Furcht vor Kriminellen ist eher gering in Schleswig-Holstein. Das ist eines der Ergebnisse der ersten "Befragung zu Sicherheit und Kriminalität" im nördlichsten Bundesland. "Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Bürger in Schleswig-Holstein grundsätzlich sicher fühlen", sagte Innenminister Stefan Studt (SPD) während der Präsentation der sogenannten Dunkelfeldstudie am Dienstag. Für die Befragung waren vor knapp einem Jahr 25.000 Schleswig-Holsteiner angeschrieben worden. Sie sollten sich zu möglichen Taten im Jahr 2014 äußern. Gut 13.000 Menschen schickten ausgefüllte Fragebögen zurück. Deren Auswertung brachte auch alarmierende Ergebnisse ans Tageslicht.

Ein Drittel meidet Wege und Parks

Knapp ein Drittel der Studienteilnehmer ist 2014 tatsächlich Opfer einer Straftat geworden. Dabei handelte es sich vor allem um computerbezogene Kriminalität, Diebstähle oder Sachbeschädigung. Nur von gut einem Viertel aller Straftaten erhielt die Polizei überhaupt Kenntnis. Durch die Dunkelfeldstudie wissen die Beamten nun aber: Frauen fürchten eher als Männer, Opfer einer Straftat zu werden. Ein Drittel der Befragten meidet bestimmte Wege, Plätze oder Parks. Jeder Vierte fährt in den Abendstunden nicht mehr mit Bus oder Bahn.

Studt: "Melden Sie sich bei der Polizei"

Viele Menschen zeigen Straftaten nicht an - vor allem bei Sexualdelikten. In diesem Bereich ist die Anzeigequote laut Studie mit 7,9 Prozent am niedrigsten. Das große Dunkelfeld bereite ihm Sorge, sagte Studt. Als Grund für die Nichtanzeige gaben 46 Prozent der Betroffenen an, die Angelegenheit selbst geregelt zu haben. Weitere 35 Prozent hätten die Tat als nicht so schwerwiegend empfunden. "Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt", sagte Studt. Er riet betroffenen Frauen, Anzeige zu erstatten. "Melden Sie sich bei der Polizei", appellierte der Innenminister. "Wir wollen den Opfern helfen und die Täter der gerechten Strafe zuführen."

26 Prozent misstrauen dem Rechtsstaat

Sorge bereitet dem Minister auch das mangelnde Vertrauen der Bürger. Mehr als 26 Prozent gaben in der Studie an, man könne sich auf den Rechtsstaat nicht verlassen. Dieses Ergebnis nehme man sehr ernst, so Studt. "Das größte Problem ist, dass sich die Menschen nicht über den Fortgang ihrer Anliegen informiert fühlen", sagte der stellvertretende Direktor des Landeskriminalamtes, Stephan Nietz. Dies traf auf mehr als die Hälfte der Befragten zu.

Hat sich "gefühlte Kriminalität" mittlerweile verändert?

Wie aktuell sind die Ergebnisse eigentlich noch nach den gestiegenen Einbruchszahlen und den Ereignissen in der Silvesternacht? Denn die Studie bezieht sich auf Vorfälle aus dem Jahr 2014. "Es wäre unnatürlich, wenn das auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung keinen Einfluss hätte. In welche Richtung sich das in konkreten, einzelnen Antworten dann niederschlagen wird, bleibt aber zunächst Spekulation", antwortete Nietz.

Die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie im Detail

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.02.2016 | 22:00 Uhr