Stand: 03.04.2015 12:41 Uhr

Sterbebegleitung: Gemeinsam bis zuletzt

von Behrang Samsami
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Sabine Kahl arbeitet ehrenamtlich als Sterbebegleiterin.

Wie die zwei Frauen so eng nebeneinander stehen und sich vertraut unterhalten, wirken sie auf den ersten Blick wie Freundinnen, die sich schon Jahre kennen. Sabine Kahl und Barbara Braun (Name von der Redaktion geändert) stehen in der offenen kleinen Küche und kochen. Während das Wasser im Topf für die Spaghetti brodelt, schneiden die beiden Kielerinnen das Gemüse klein, das nachher mit dem Thunfisch auf die Nudeln soll. So unbeschwert ihr Zusammensein auch scheint - dass sie sich regelmäßig treffen, hat einen ernsten Hintergrund: Barbara Braun ist schwer krank. Die 52 Jahre alte schmale, brünette Frau hat Brustkrebs und weiß, dass sie daran wohl sterben wird. Sabine Kahl ist ihre Sterbebegleiterin.

Diagnose Brustkrebs

"Nach dem ersten Befund, der 2011 kam, dachte ich, ich kriege das hin", sagt Braun, nachdem Kahl und sie die Arbeit in der Küche beendet haben. "Nach dem zweiten Befund im vergangenen Jahr, als die Ärzte meinten, der Krebs sei weder heilbar noch operabel, fragte ich mich: Mache ich überhaupt weiter? Mache ich eine Chemotherapie?" Braun pausiert kurz. "Man sitzt wieder von Neuem da und muss das verarbeiten. Da war ich sehr dankbar, dass mir jemand zur Seite steht."

Eine Freundin weiß Rat

Und dieser jemand ist Sabine Kahl, im Hauptberuf Angestellte bei einer Versicherung und seit Juli 2014 ehrenamtliche Sterbebegleiterin bei der Hospiz-Initiative Kiel e.V. Einen Monat nach Kahls Zertifizierung als Begleiterin lernte sie die ledige, kinderlose Barbara Braun kennen. Seitdem ist die 51-jährige Kahl einmal die Woche für vier Stunden bei Braun, die bis zum zweiten Krebsbefund als Grundschullehrerin gearbeitet hatte. Dass Kahl sie begleitet, hat Braun einer Freundin zu verdanken: "Sie sagte, als sie sah, wie schlecht es mir nach dem zweiten Befund ging, dass sie sich kümmern würde, und erfuhr über einen Arzt von der ambulanten Kieler Hospiz-Initiative. Ich nahm dann Kontakt mit einer der dortigen Koordinatorinnen auf und beim zweiten Besuch brachte sie Sabine mit."

Zuhören und Helfen

Interview

"Es wird über das Sterben diskutiert"

In diesem Jahr feiert die Hospiz-Initiative Kiel ihr 20-jähriges Jubiläum. Im Interview spricht die Vorsitzende Anne Münchmeier über die Anfänge und die Arbeit ehrenamtlicher Sterbebegleiter. mehr

"Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden", sagt Kahl, eine große Frau mit blonden, halblangen Haaren und einem ansteckenden Lachen. "Es muss menschlich einfach passen, weil man dem fremden Gegenüber sein ganzes Privatleben bekannt macht", fügt Braun hinzu. Dass es passt, merkt man beiden Frauen auch an. Sie sitzen im hellen Wohnzimmer, essen die Spaghetti und unterhalten sich. "Wir sprechen über vieles - auch über Ängste und Sorgen," sagt Braun. "Ich bekomme von Sabine eine tolle Unterstützung. Sie hört zu und nimmt mir Dinge ab, etwa indem sie sich für mich erkundigt. Es ist wirklich schön zu wissen, dass man nicht immer alles alleine machen muss."

Der Tod ist keine Bedrohung

Bei ihren Treffen sprechen sie über alle Themen, die Barbara Braun beschäftigen. "Ich bringe Zeit mit. Das ist meine Aufgabe, wenn ich zu ihr hingehe: Sie darf sich fallenlassen und einfach sein", ergänzt Kahl. "Es wird dann auch mal zusammen geweint. Das passiert schon. Wir teilen das." Das Thema Sterben und Tod streifen sie fast immer, wenn sie zusammenkommen. "Der Tod ist präsent und ein Bestandteil unserer Beziehung, aber er ist kein Wächter, der da steht und seine Flügel darüber hält. Er ist nicht wie eine Bedrohung."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 31.03.2015 | 19:30 Uhr

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