Stand: 09.02.2016 06:00 Uhr

Stein auf Stein: Eine Welt aus Lego entsteht

von Janine Artist

Der Kommandant der USS "Harry S. Truman" wirbelt durch das Foyer des Feuerwehrmuseums in Norderstedt (Kreis Segeberg) und gibt Anweisungen. Er trägt eine blaue Schirmmütze und ein leuchtend gelbes Hemd, an dessen Brust ein buntes Schild pinnt. Darauf steht sein Name: Malle Hawking. Die Crew des 45-Jährigen besteht an diesem Tag aus einer Handvoll Zivilisten aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Denn Malle Hawking ist nicht der Kommandant des echten US-Kriegsschiffes, sondern hat es nachgebaut. Aus Lego-Steinen. Seine "Mannschaft" hilft ihm dabei, die vielen Teile des Modells für eine Ausstellung wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Alles aus Lego: Flugzeugträger, Todesstern und Raumschiff

Zusammenflicken ohne Plan

Der Lego-Flugzeugträger des Kaltenkircheners wiegt insgesamt etwa eine halbe Tonne und ist mehr als sechs Meter lang. Er hat ihn in mehreren Modulen gebaut. "Trotzdem kann ich das Schiff nicht in einem Auto transportieren. Da brauche ich schon einen kleinen Lkw", erzählt er grinsend. Bei der Fahrt nach Norderstedt ist auf der Ladefläche einiges durcheinander gerumpelt. Mehrere Teile bekamen große Risse oder brachen sogar auseinander. Hawking hockt vor einem Modul und drückt es in Form, dann haut er mit seiner Faust von oben drauf, bis alles wieder fest sitzt. Seine Mitstreiter gucken sich immer wieder fragend nach ihm um, denn einen Bauplan gibt es für das Schiff nicht. Da kann nur der "Kommandant" helfen - oder die eigene Kreativität. Peter Ragosch blickt von einem Teil, das er gerade repariert, auf ein Foto der echten USS "Harry S. Truman": "Ich muss erstmal überlegen, was sich Malle wohl bei dieser Konstruktion gedacht hat, und dann fällt mir schon eine Lösung ein."

Ein grauer Koloss aus einer halben Million Steinchen

Für den Lego-Nachbau des Kriegsschiffs hat Malle Hawking 14 Monate gebraucht. Die Idee dafür kam ihm durch eine Dokumentation im Fernsehen. "Ich saß fasziniert davor und habe gedacht: Da baust du doch mal was aus Lego", strahlt der Meer- und Schifffahrts-Fan. Dass der Flugzeugträger so groß werden würde, damit hatte er zunächst nicht gerechnet. Mehr als 500.000 Teile stecken jetzt darin. Nach seinen Informationen ist es eines der größten Lego-Schiffsmodelle der Welt. Als Vorlage hatte er nur ein paar Fotos aus dem Internet.

Ein Hobby zum Abschalten

Legobauen ist nicht nur etwas für die Kleinen, sondern auch etwas für Erwachsene - davon ist Malle Hawking überzeugt. Der IT-Experte hat tagsüber im Beruf viel "Kopfarbeit", wie er sagt. Danach abends Stein auf Stein zu setzen, hat für ihn etwas entspannendes. Außerdem ist es ein Hobby, das er mit seinen Kindern teilen kann. Sie haben auch an der USS "Harry S. Truman" mitgebaut. Zwischen Lego und anderem Spielzeug gibt es für ihn einen entscheidenden Unterschied: "Du kannst damit alles bauen, was du dir so vorstellst. Es gibt tausende Formen und Farben. Du kannst natürlich ein Set streng nach Anleitung aufbauen, du kannst aber auch was ganz anderes daraus machen, es verändern. Das ist unheimlich kreativ."

Stadt mit originellen Szenen

Sonderausstellung: "Große Träume aus kleinen Lego-Steinen"

Termin: 10. Februar bis 24. April
Adresse: Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein, Friedrichsgaber Weg 290, 22846 Norderstedt
Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags 15 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 5 Euro, ermäßigter Eintritt 2,50 Euro, freier Eintritt für Kinder bis zwölf Jahre
Führung für Erwachsene 30 Euro (zzgl. 2,50 Euro pro Person)

https://www.feuerwehrmuseum-sh.de

Mit seiner Faszination für die bunten Klötzchen weit über die Kindheit hinaus ist Hawking nicht alleine. Zu der Lego-Gruppe "Stein Hanse", die die Ausstellung im Norderstedter Feuerwehrmuseum aufbaut, gehören fast 70 Mitglieder aus Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen. Etwa 15 von ihnen zeigen ihre selbst gebauten Stücke und Szenerien: Ob der Todesstern aus "Star Wars", der Strand von St. Peter Ording oder eine Hamburger U-Bahnhaltestelle - die Lego-Welt ist fantasievoll und detailverliebt. "Stein Hanse"-Kopf Martin Horn aus Henstedt-Ulzburg hat mit seinem Sohn auf einer Fläche von 16 Quadratmetern eine ganze Stadt erschaffen. Auf den Straßen laufen Dinosaurier herum, auf einem Balkon steht der Weihnachtsmann und an einem Kran hängt ein Toilettenhäuschen mit einer Lego-Figur darin. "Es gehört dazu, ein paar Witze einzubauen. Das macht besonders viel Spaß", erzählt der zwölfjährige Maximilian.

Nach dem Kriegsschiff kommt das Raumschiff

Nach fast einem ganzen Tag Aufbau ist die Ausstellung so gut wie fertig - und die Lego-Fans freuen sich auf große Augen von Besuchern. Flugzeugträger-Kommandant Malle Hawking ist sichtlich stolz auf seinen Hingucker. Aber: "So ein Schiff werde ich nie wieder bauen." Wer jetzt denkt, dass ihm die Arbeit daran zu viel war, irrt allerdings. Er hat nur eine noch verrücktere Idee. "Vielleicht baue ich mal ein großes Raumschiff, in das man sich reinsetzen kann." Der Millennium-Falke aus Star Wars soll es sein.