Stand: 07.01.2016 16:57 Uhr

Nur mit echtem Namen? Streit über Profile im Netz

Sollte es im Internet weiterhin möglich sein, anonym oder mit falschem Namen Kommentare zu schreiben? SPD-Landeschef Ralf Stegner hat im Interview mit NDR 1 Welle Nord eine Diskussion darüber angestoßen. Er selbst hatte nach einem Kommentar zu den Übergriffen auf Frauen in Köln einen sogenannten Shitstorm ausgelöst - also massenhafte Kritik und Beschimpfungen. Aus seiner Sicht kann jeder in einer Demokratie frei seine Meinung äußern. "Warum brauchen wir also Anonymität im Netz?", fragt Stegner. "Wer an politischen Debatten in der Demokratie teilnimmt, der sollte seinen Namen und sein Gesicht zeigen." Davon halten viele Nutzer und andere Politiker aber nichts.

Piraten, Grüne und CDU gegen Klarnamen-Pflicht

Die Piraten im schleswig-holsteinischen Landtag lehnen eine Klarnamen-Pflicht kategorisch ab. Der Abgeordnete Uli König hält Stegners Appell für abwegig: "Wenn wir Herrn Stegners Vorschlag konsequent zu Ende führen, dann führt das dazu, dass wir auch gleichzeitig Nummernschilder für Fußgänger brauchen, die Herrn Stegner vielleicht auf der Straße beleidigen." Abgeordnete der Grünen und der CDU bezweifeln, dass so etwas praktisch möglich ist. "Das ist moralisch sicherlich nachvollziehbar. Ich sehe aber nicht, wie man so eine Klarnamen-Pflicht rechtlich umsetzen kann", sagte Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben dem Schleswig-Holstein Magazin. Ähnlich äußerte sich der rechtspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Axel Bernstein: "Das Netz ist wie es ist. Eine Verordnung bringt nichts."

Twitter-Nutzer reagieren mit Unverständnis

Kubicki an Stegners Seite

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Kubicki: "Wer sich hinter falschem Namen versteckt, ist feige."

Rückendeckung für Stegners Vorschlag kommt dagegen von Wolfgang Kubicki. Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende lehnt Pseudonyme und Fake-Profile ab. In einer freiheitlichen Demokratie sei es unerlässlich, dass Konflikte öffentlich ausgetragen werden. "Hierzu gehört zwangsläufig, dass auch die Diskussionen auf Internetplattformen mit Klarnamen geführt werden", sagt Kubicki. "Kein Leserbrief wird veröffentlicht, ohne dass der Klarname bekannt ist. Wer meint, sich hinter falschem Namen verstecken zu müssen, ist nicht nur feige, sondern hat ganz offensichtlich den Sinn von öffentlichen Diskussionen nicht verstanden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 07.01.2016 | 19:30 Uhr