Stand: 29.02.2016 20:28 Uhr

Sophienhof: Polizei sucht wichtigen Zeugen

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Der Sophienhof in Kiel liegt direkt gegenüber vom Hauptbahnhof. Was genau sich hier am Donnerstagabend abspielte, ist noch immer unklar.

Nach den Vorfällen im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof ist die Auswertung der sichergestellten Handys doch noch nicht abgeschlossen. Die Polizei korrigierte inzwischen ihre Angaben von Montagvormittag. Zunächst hatte es geheißen, die Auswertung sei abgeschlossen und auf den Handys der beiden Hauptverdächtigen seien weder Fotos noch Videos vom Tatort gefunden worden. Drei Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren hatten angegeben, am vergangenen Donnerstag von mehreren Männern belästigt, gefilmt und fotografiert worden zu sein. Die Polizei vermutet, dass diese Bilder von den Verdächtigen umgehend an weitere Männer verschickt wurden, die dann hinzukamen. Der Vorfall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Ermittler werten Überwachungsvideos aus

Die Smartphones der 19 und 26 Jahre alten Hauptverdächtigen waren noch am Tatort von der alarmierten Polizei sichergestellt worden. Wie lange die Auswertung noch dauert, ist unklar. Die Polizei sichtet auch die Überwachungsvideos des Einkaufszentrums und befragt weitere Zeugen. Noch dringend gesucht wird "ein möglicherweise wichtiger Zeuge, der die Belästigung der drei weiblichen Jugendlichen beobachtet hat und mit ihnen während des Vorfalls gesprochen haben soll".

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Als die drei jungen Frauen belästigt wurden, gab es zahlreiche Augenzeugen.
Studt: Vorkommnisse nicht hinnehmbar

Kurz nach den ersten Berichten über die Belästigung der Mädchen durch eine große Gruppe von Männern haben sich bei der Polizei weitere Frauen gemeldet. Auch sie hätten sich im Sophienhof von ausländischen Männern belästigt gefühlt, teilte Polizeisprecher Oliver Pohl mit. Ein Zusammenhang mit den Vorfällen am vergangenen Donnerstag besteht jedoch nicht. Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt (SPD) hatte die Vorkommnisse in Kiel kritisiert und als "nicht hinnehmbar" bezeichnet. Es sei "eine wahnsinnige Belastung für die Mädchen". Die Polizei habe gut und richtig reagiert, betonte der Innenminister.

Polizisten angegriffen, beschimpft und bespuckt

Die beiden mutmaßlichen Haupttäter stammen aus Afghanistan und wohnen in Kiel. Sie mussten eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen. Der 19- und der 26-Jährige hatten bei ihrer Festnahme massiven Widerstand geleistet, Beamte beschimpft, attackiert und bespuckt. Pohl sprach von schwerer Körperverletzung. Gegen die insgesamt vier vorläufig festgenommenen Männer seien Strafanzeigen erstattet worden. Alle leben schon seit längerer Zeit in Deutschland und haben einen festen Wohnsitz - deshalb wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.02.2016 | 12:00 Uhr