Stand: 16.03.2016 19:15 Uhr

Schwebefähre: Schwere Arbeit in luftiger Höhe

von Christian Nagel

Ein großer Teil der Schwebefähre liegt seit Dienstagnachmittag auf dem Bauhof des Wasser- und Schifffahrtamtes in der Nähe der Rendsburger Hochbrücke. Doch Projektleiter Ralf Rohwer und seine Leute sind mit dem Abbau der Schwebefähre noch lange nicht fertig, auch wenn der fast 40 Tonnen schwere Fährkörper abtransportiert ist. "Auf uns wartet noch ein gefährliches Stück Arbeit", sagt er am Mittwoch. Denn in 42 Metern Höhe müssen er und seine Mitarbeiter in den kommenden Tagen den sogenannten Oberwagen demontieren. Das ist der Teil, an dem die zwölf Tragseile der Schwebefähre hängen.

Jetzt ist der Oberwagen der Schwebefähre dran

Arbeiter machen Oberwagen 20 Tonnen leichter

"Der Oberwagen wiegt 35 Tonnen und muss für den Abbau leichter gemacht werden", meint Rohwer. Seine Leute bauen seit den frühen Morgenstunden alles ab, was sich demontieren lässt. "Allein die vier Elektromotoren wiegen zusammen fast zwei Tonnen. Jedes der Trageseile bringt 350 Kilogramm auf die Waage", erklärt Rohwer. Insgesamt demontieren der Projektleiter und seine Leute Material in einem Gesamtgewicht von 20 Tonnen. "Das Wetter ist einfach prima, wir kommen gut voran." Eigentlich seien sie davon ausgegangen, dass sie auch noch am Donnerstag arbeiten müssen, so Rohwer. "Aber wir schaffen wohl alles heute", sagt der Projektleiter.

"Erstaunlich, was die Konstrukteure damals gebaut haben"

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Für Rohwer und seine Leute ist es nicht das erste Mal, dass sie an der Schwebefähre und dem Oberwagen arbeiten. Schon bei der Restaurierung der gesamten Anlage vor ein paar Jahren waren sie dabei. Rohwer ist von der Schwebefähre und der Hochbrücke fasziniert. "Schon erstaunlich, was die Konstrukteure und Arbeiter damals vor mehr als 100 Jahren so gebaut haben - und dass alles noch so gut hält", meint er. "Wir haben heute Schwerlastkräne - keine Ahnung, wie die damals die schweren Teile hier hoch bekommen haben."

Am Dienstag wird der Wagen runtergelassen

Für den kommenden Dienstag hat Rohwer zwei 180 Tonnen Autokräne bestellt. Sie sollen den Oberwagen zu Boden lassen. Dafür muss dieser zunächst doppelt an den Kränen und an der Brücke mit schweren Eisenketten gesichert werden. Erst dann können Rohwers Mitarbeiter die Verschraubungen lösen. "Wenn alles gutgeht, liegt der Oberwagen schon am Dienstagnachmittag auf dem Bauhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes neben dem Unterteil der Schwebefähre", sagt Rohwer. Dort sollen dann alle Bauteile genau überprüft werden. Denn noch ist unklar, ob die Schwebefähre repariert werden kann oder ersetzt werden muss.

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