Stand: 24.02.2016 13:04 Uhr

Geplante Schutzgebiete: Angler und Fischer empört

In acht Meeresgebieten in Nord- und Ostsee sollen bald neue Regeln gelten - darunter der Fehmarnbelt, die Kadetrinne, das Sylter Außenriff und das Gebiet Borkum Riffgrund. Das Bundesumweltministerium will sie zu Naturschutzgebieten erklären. Dort dürfte dann kein Baggergut mehr abgeladen, kein Windrad ohne Sondergenehmigung errichtet werden - und Hobbyangler dürfen dort nicht mehr unterwegs sein.

Am Dienstag fand eine Anhörung von Verbänden zu dem Vorhaben in Hamburg statt. Am Rande wurde bekannt: Es soll auch Einschränkungen für die Berufsfischerei geben. "Natürlich wird es im Naturschutzgebiet sowohl Einschränkungen geben für die Berufsfischerei, als auch für die Freizeitfischerei", sagte Ministeriumssprecher Haufe. Berufsfischer könnten ein komplettes Fangverbot in einem Gebiet erhalten - oder Auflagen, welche Fischarten sie wann wie stark fangen dürfen. "Wie wir die Einschränkungen genau vornehmen, das ergibt sich erst nach weiteren Gesprächen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium". Die Regeln für Berufsfischer müssen auf EU-Ebene geändert werden. Das Naturschutzgebiet einzurichten, ist hingegen eine nationale Angelegenheit.

Küstenfischer: "Herber Schlag für die Region"

Das Kieler Umweltministerium reagierte auf die Ankündigung zurückhaltend, die Berufsfischerei in den neuen Schutzgebieten einzuschränken. Von den Plänen sei bisher nichts bekannt, man erwarte vom Bund, derartige Maßnahmen mit dem Land abzustimmen, sagte eine Sprecherin. Entsetzt reagierte dagegen die Küstenfischereigenossenschaft aus Heiligenhafen (Kreis Ostholstein). Von möglichen Einschränkungen seien dort knapp 40 Betriebe betroffen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, sei dies ein herber Schlag für die Region.

Angelverband: Verbot "unverhältnismäßig"

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Zehntausende Touristen vergnügen sich jedes Jahr beim Hochseeangeln am Fehmarnbelt. Was wird aus dieser Freizeitaktivität?

Auf der Anhörung zru Ausweisung der Schutzgebiete machten die Hobbyfischer ihren Vorbehalten gegen die Pläne deutlich. "Wir haben keine Bedenken gegen die Unterschutzstellung. Wir sind der Auffassung, dass das flächendeckende Verbot für die Angelfischerei unverhältnismäßig ist", sagte Christel Happach-Kasan, die Präsidentin des Deutschen Angelfischer-Verbands. An der Ostseeküste hatten zuvor schon Vertreter der Tourismusbranche und des Einzelhandels gegen die Pläne protestiert. Sie fürchten um ihre guten Geschäfte mit den Hobbyanglern. Allein von Heiligenhafen und Fehmarn aus starten jedes Jahr rund 70.000 Gäste zu Hochsee-Angelfahrten.

Hobbyangler stören rastende Vögel

Stefan Lütkes vom Bundesumweltministerium erklärte in Hamburg, warum sein Haus ein Problem mit den Anglern in Naturschutzgebieten hat: "Die Hobbyfischerei ist auch mit Auswirkungen verbunden." Das seien gerade in der Ostsee organisierte Touren, die dort immer stattfinden, wo es darum geht, mit leistungsstarken Booten eine Vielzahl von Touristen und Hobbyanglern in diese Gebiete reinzubringen", sagte Lütkes. Das führe zu Störwirkungen für rastende Vögel. Auch würden die Hobbyangler eine ganze erhebliche Menge Dorsch aus der Ostsee entnehmen - auch im Vergleich zur Berufsfischerei.

Greenpeace fordert strengere Regel

Thilo Maack von der Umweltschutzorganisation Greenpeace gehen die geplanten Einschränkungen in den Naturschutzgebieten nicht weit genug. "Das müssen Bereiche sein,wo die Menschen gar nicht reindürfen, wo die Natur sich selbst überlassen bleibt", sagte er. Es seien zu viele Dinge nicht verboten. "Es ist zum Beispiel nicht verboten, Öl und Gas zu fördern oder CO2 zu verpressen."

Habeck: Freizeitangler beeinflussen den Meeresboden kaum

Bereits am Montag hatten Vertreter von Bund und Land über ein mögliches Verbot gesprochen. Das Umweltministerium in Kiel machte dabei seine Ansicht deutlich: Naturschutz ja - Angelverbot nein. Grundsätzlich seien Schutzgebiete in den Meeren sinnvoll, betonte Grünen-Minister Robert Habeck. Doch mit einem Angelverbot schieße der Bund weit über das Ziel hinaus. Zur Begründung sagte Habeck, Freizeitangler würden den Meeresboden kaum beeinflussen.

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Dieses Thema im Programm:

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