Stand: 26.11.2015 17:28 Uhr

Schleuse Brunsbüttel: Fünfte Kammer später fertig

Stillstand auf der größten Wasserbaustelle Europas: In Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) soll die fünfte Kammer der Schleuse entstehen. Sie soll Platz für größere Schiffe bieten und die vier älteren, bestehenden Schleusenkammern entlasten. Im April dieses Jahres begannen die Bauarbeiten. Doch seit Wochen ist außer einigen Vorarbeiten kaum etwas passiert. Lotsen, Reeder, und Hafenbetreiber rätseln, warum es nicht weitergeht. Das Baufeld ist eingerichtet, überall sind Baumaschinen und Container zu sehen, die geplanten Baggerarbeiten für die 40 Meter tiefe Baugrube der fünften Schleusenkammer haben aber immer noch nicht begonnen. Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin bedeutet das, dass die Schleuse ein Jahr später fertig wird als geplant.

Munitionsräumung macht Probleme

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bei einem Besuch in Brunsbüttel im Februar vergangenen Jahres angekündigt, im Jahr 2020 werde das erste Schiff durch die neue Schleuse fahren. Lotsen, Reeder und Schiffsmakler gehen davon aus, dass es länger dauern wird. Der Ältermann der Lotsenbrüderschaft Nord-Ostsee-Kanal, Michael Hartmann sagte, es gebe offenbar Schwierigkeiten bei der Munitionsräumung sowie technische Probleme bei der Gründung für die neue Schleusenkammer. Über die hatte der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel, Thomas Fischer, schon im September berichtet. Schon damals gingen Beobachter davon aus, dass die Probleme zu einem halben Jahr Bauverzögerung führen. Doch das Amt hielt bisher am offiziellen Zeitplan fest.

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Technische Probleme beim Bau der fünften Kammer

Der Zeitplan beim Bau der fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel gerät ins Wanken. Grund dafür sind unter anderem technische Probleme. Bildergalerie

Reeder befürchten Umweg bei Schleusenausfällen

Der Vorstandsvorsitzende des Gesamtverbandes der Häfen in Schleswig-Holstein, Frank Schnabel, sagte, eine Verlängerung der Bauzeit habe gravierende Folgen für die Hafenwirtschaft im ganzen Norden. Wenn die Schleusen nicht angefahren werden könnten, müssten die Schiffe immer häufiger den Umweg über Dänemark in Kauf nehmen, um von der Nordsee in die Ostsee zu gelangen. Das bedeute längere Fahrtzeit und höhere Kosten für die Reeder, so Schnabel.

Das Wasser-und Schifffahrtsamt Brunsbüttel äußerte sich am Donnerstag zu den Arbeiten am Schleusen-Neubau. Es räumte Verzögerungen beim Bau der fünften Schleusenkammer ein. Man liege zwar im Zeitplan mehrere Monate zurück, wolle sich aber bemühen, den Termin der Freigabe im Jahr 2020 zu halten, sagte ein Sprecher der Behörde. Möglicherweise könne man die Zeit wieder aufholen, wenn mehr Mitarbeiter und Maschinen eingesetzt werden. Die Baggerarbeiten für die Baugrube sollen nun vorraussichtlich im Februar 2016 beginnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.11.2015 | 17:00 Uhr