Stand: 12.01.2016 12:27 Uhr

Schleswiger Klinik-Neubau falsch verkabelt

Die Wände sind gestrichen, der Fußboden ist verlegt, die ersten Möbel kommen - eigentlich wollte die Helios-Gruppe im April ihr neues Krankenhaus in Schleswig eröffnen. Die Umzugsfeier hat die Klinik jetzt aber abgesagt. Bei einer ersten Abnahme Anfang Januar stellte sich heraus, dass fast alle Stromleitungen, Steckdosen und Schalter an falschen Stellen sitzen. Nun müssen Handwerker viele Wände und Decken wieder aufreißen. "Das ist traurig, aber uns bleibt nichts anderes übrig. Das Problem ist, dass wir Steckdosen und Schalter nicht da haben, wo wir sie brauchen", sagte Klinik-Chef John Friedrich Näthke.

Handwerker hatten alte Pläne

Auch die Netzwerkkabel für Computer und Medizintechnik verlaufen nicht so wie geplant zu den 1.500 Datendosen. Insgesamt wurden mehr als 400 Kilometer Kabel verlegt. Wie viele Kilometer davon ausgetauscht werden müssen, kann Geschäftsführer John Friedrich Näthke noch nicht sagen. "Es sind alte Pläne verwendet worden. Jetzt muss in größerem Umfang nachgearbeitet werden", sagte Näthke dem Schleswig-Holstein Magazin. Wer genau Schuld hat, will die Geschäftsführung jetzt herausfinden.

Auch der Putz bröckelt

Außerdem gibt es Probleme an der Fassade des Neubaus. Schon im Sommer sind die ersten Risse aufgetaucht. Deshalb müssen die drei Gebäudeteile jetzt neu verputzt werden. Dafür arbeiten die Handwerker zur Zeit hinter weißen Planen. Die für Anfang April fest eingeplante Eröffnung muss um mehrere Monate verschoben werden. Wann das Krankenhaus den Betrieb aufnehmen kann, ist völlig offen. Nach Angaben des Geschäftsführers wird voraussichtlich erst im Februar feststehen, wie groß Aufwand und Kosten sein werden, um alles in Ordnung zu bringen: "Es wird Geld kosten. Wir wissen noch nicht genau, wie viel."

Land trägt den Großteil der Baukosten

Die Arbeiten für das private Helios-Klinikum Schleswig hatten im Sommer 2012 begonnen. Das Land Schleswig-Holstein übernimmt mit rund 50 Millionen Euro den Großteil der Gesamtkosten von etwa 80 Millionen Euro. Eine Sanierung und Erweiterung des 50 Jahre alten Martin-Luther-Krankenhauses in Schleswig war aus Sicht der Helios-Gruppe wirtschaftlich nicht mehr rentabel. Helios ist nach eigenen Angaben mit 111 Kliniken die größte Krankenhaus-Gruppe in Deutschland und gehört zum Fresenius-Konzern.

Baumängel am neuen Helios-Klinikum

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.01.2016 | 16:30 Uhr