Stand: 10.12.2015 17:00 Uhr

Salud im Klärwerk - falscher Tequila entsorgt

In Hetlingen im Kreis Pinneberg sind am Donnerstag 25.000 Liter falscher Tequila vernichtet worden. Der Hamburger Zoll hatte den Alkohol nach einem Tipp aus Mexiko beschlagnahmt. In zehn Containern fanden die Beamten den illegalen Schnaps, der hierzulande mit Salz und Zitrone in Bars und Kneipen landen sollte. Doch daraus wurde nichts. Für die Mitarbeiter des Klärwerks ist die Vernichtung des falschen Tequilas kein großes Ding. Den Mexikanern dagegen ist es sehr ernst. Tequila hat seit 1974 eine geschützte Herkunftsbezeichnung und darf nur aus der Blauen Agave hergestellt werden. Alles andere darf nicht ins Glas.

Mexikaner vernichten falschen Fusel in Hetlingen

Bakterien freuen sich

Patricia Espinosa Cantellano, die mexikanische Botschafterin in Deutschland, legt selbst Hand an. Zusammen mit einer 28-köpfigen Delegation aus Mexiko ist sie eigens für die Aktion nach Hetlingen gereist. Lächelnd dreht die Botschafterin mit beiden Händen den großen Hahn auf. Der falsche Tequila fließt in die Vergärungsanlage - ganz langsam. 24 Stunden braucht es, bis der Vorgang abgeschlossen ist. Die Bakterien werden sich freuen, wird in Hetlingen gescherzt.

Fälschern soll das Handwerk gelegt werden

172 Millionen Liter Tequila hat Mexiko im vergangenen Jahr exportiert - 4,4 Millionen gingen nach Deutschland. Die Mexikaner begründen die intensive Verfolgung von Tequila-Fälschungen mit dem Verbraucherschutz. Die illegalen Getränke seien nicht selten gesundheitsschädigend. Aber es geht auch um wirtschaftliche Interessen. Der Tequila-Export hat einen Wert von 800 Millionen Euro. Deswegen - so die Ansage - muss den Fälschern das Handwerk gelegt werden.

Strom statt Kopfschmerzen

Für den Tequila-Genießer wäre die gefälschte Ware sowieso kein Genuss gewesen. 68 Prozent Alkohol wurden gemessen. Keine Frage - der Kater wäre programmiert. Für das Klärwerk in Hetlingen dagegen ist der Alkohol eine wahre Freude. Bei der Vergärung des unedlen Tropfens entsteht Klärgas, in einem Blockheizkraftwerk wird damit dann Strom erzeugt. Aus 25.000 Liter falschem Tequila werden am Ende 20.000 Kilowattstunden Strom.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.12.2015 | 17:00 Uhr