Stand: 25.08.2015 16:07 Uhr

Rückbau des AKW Krümmel dauert bis zu 20 Jahre

Der Energiekonzern Vattenfall hat seine Pläne für den Rückbau des Kernkraftwerks Krümmel bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) vorgelegt. Ein entsprechender Antrag sei am Montag der Atomaufsicht Schleswig-Holstein übergeben worden, teilte Vattenfall am Dienstag mit. Der Konzern rechnet damit, dass der Rückbau etwa 15 bis 20 Jahre dauern wird. Um eine Genehmigung dafür zu erhalten, muss Vattenfall als Nächstes einen Sicherheitsbericht vorlegen, der den Rückbauprozess beschreibt. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima (Japan) hatte der Bundestag im Juni 2011 das sofortige Aus für die ältesten, als unsicher geltenden Meiler beschlossen - auch für das AKW Brunsbüttel.

Immer wieder Zwischenfälle

Nach einer Pannenserie wurde das Atomkraftwerk Krümmel bereits im Juni 2007 vom Netz genommen. Ende Juni 2009 wurde der Reaktor wieder angefahren. Doch wenige Tage später gab es erneut Probleme, sodass der Betreiber das Kraftwerk wieder vom Netz nahm. Dennoch: Vattenfall wollte die 2011 erzwungene Stilllegung der Meiler Krümmel und Brunsbüttel nicht hinnehmen - und verklagte die Bundesrepublik Deutschland auf insgesamt 4,7 Milliarden Euro Schadenersatz.

Rückbau, kein Betonsarg

Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) betonte, dass Vattenfall Krümmel komplett abreißen will und nicht den nach dem Atomgesetz auch möglichen Weg des sicheren Einschlusses wählt, also eine Art Betonsarg um das Kraftwerk baut. "Es ist gut, dass Vattenfall jetzt bereit ist, den Rückbau des Atomkraftwerks Krümmel einzuleiten." Für ihn sei klar, dass Vattenfall nicht heimlich doch auf einen Wiedereinstieg in die Atomkraft in Deutschland hofft, sagte Habeck. Vattenfall selbst teilte mit: "Der Antrag beinhaltet keinen Verzicht auf bestehende Genehmigungen." Ein Satz, den der Minister jedoch mit Gelassenheit sieht: Er interpretiere ihn nicht in die Richtung, dass Vattenfall zurück zur Atomkraft wolle.

"Ein Generationenprojekt"

Mit dem eigentlichen Abriss kann erst begonnen werden, wenn die Genehmigungsvoraussetzungen vollständig erfüllt sind und bis dahin unter anderem alle rund 1.000 Brennelemente aus der Anlage in das Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände gebracht worden sind. "Nach derzeitiger Planung wird dies Ende 2018 der Fall sein", sagte Habeck. "Der Rückbau eines Kernkraftwerkes ist ein Generationenprojekt", sagte der Minister.

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"Klare Perspektive für die Region"

Mit dem nun endgültigen Aus gebe es für die Region endlich eine klare Perspektive, so CDU und FDP. CDU-Fraktionschef Daniel Günther forderte, dass das Land Vattenfall beim Ausstieg unterstütze. Vertreter von SPD, SSW und den Grünen betonten, dass sich die Landesregierung beim Rückbau-Prozess für größtmögliche Transparenz, Sicherheit und Bürgereinbindung einsetzen werde.

Viele Leukämiefälle in der Elbmarsch

Der Meiler in Geesthacht war auch wegen mehrerer Krebsfälle in der Nachbarschaft immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Einer Studie des Kinderkrebsregisters zufolge haben Kinder, die in der Nähe des Atomkraftwerkes Krümmel leben, ein deutlich erhöhtes Risiko Leukämie zu bekommen. Seit 1989 erkrankten in der Elbmarsch mehrere Kinder an Leukämie. Der Beweis, dass die Erkrankungen durch das Atomkraftwerk ausgelöst wurden, fehlt aber nach Expertenmeinung nach wie vor. Berichte, wonach es einen nicht veröffentlichten Unfall in der atomaren Forschungsanlage GKSS gegeben habe, wurden von den Betreibern stets dementiert.

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