Stand: 02.02.2017 05:00 Uhr

Roboter erobern den Hörsaal an der Lübecker Uni

Konzentriert tippt Johannes Simon auf seinem Computer. Neben seiner Tastatur parkt Mini-Roboter "Beep" auf seinen zwei Rädern. Auf dem Bildschirm steht ein nicht enden wollender Text - der Quellcode. "Das ist quasi 'Beeps' Gehirn", erklärt Johannes. "Ich programmiere den Roboter so, dass er sich durch ein kleines Labyrinth auf einer Holzplatte navigieren kann." Der 21-Jährige studiert Robotik an der Universität zu Lübeck. Der Studiengang ist neu. Seit dem Wintersemester wird er angeboten. In der Robotik-Übung im Seminarraum sollen erste praktische Erfahrungen gesammelt werden. Kurz vor Ende des ersten Semesters ziehen die 40 Studierenden eine Zwischenbilanz.

Roboter lernen Tanzen und Schwimmen in Lübeck

Programmieren ist Sisyphos-Arbeit

In der kommenden Woche stehen die ersten Klausuren an. Die 27-jährige Lisa Hack ist nervös. Ihr Roboter dreht sich bisher nur wild im Kreis. "Ich habe einen Fehler beim Programmieren gemacht. Da muss ich jetzt nochmal ran." Zusammen mit Johannes geht sie den Quellcode durch. Eine Sisyphos-Arbeit: "Man muss unglaublich genau arbeiten. Wenn nur ein Buchstabe oder Semikolon fehlt, funktioniert der Roboter nicht", erzählt Johannes. Dem 21-Jährigen macht das Robotik-Studium Spaß. Schon als Kind spielte er gern mit "Lego Technic". "Jetzt kann ich mit echten Robotern arbeiten. Für mich ist das ein Traum."

Lisa ist sich noch nicht so sicher, ob Robotik ihre Berufung ist. Zu schaffen macht ihr vor allem das Fach Mathematik. "Jede Woche haben wir vier Mathe-Vorlesungen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viel Zeit damit verbringen", sagt die 27-Jährige.

Mathematik gehört dazu

Keine Lust auf Mathe - diesen Satz hat Philipp Rostalski schon von vielen Studierenden gehört. Er leitet den Studiengang. "Mathematik zählt einfach zu den Grundlagen", sagt er. Gerade am Anfang des Studiums müssen er und sein Team viel theoretisches Wissen vermitteln. "Die Übungsstunden mit Robotern sollen diese Durststrecke ein wenig auflockern."

Zu den Inhalten des neuen Studiums gehören neben Mathematik auch Maschinenbau und Elektrotechnik. Bisher war Robotik nur ein Anwendungsbereich im Lübecker Informatik-Studium - jetzt können sich Studenten gezielt darauf spezialisieren.

Rosige Zukunftsaussichten

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Roboter "Pepper" wird entwickelt, um später einmal Menschen im Alltag zu unterstützen.

Den meisten Erstsemestern macht der neue Studiengang Spaß. "Wir können auch viel praktisch arbeiten. Das ist in einem Informatik-Studium nicht so", erzählt einer der Seminarteilnehmer. Außerdem biete Robotik gute Zukunftsaussichten, ist sich Studiengangsleiter Rostalski sicher. Wer das Studium erfolgreich beende, sei in der Industrie gefragt. Denn autonome Systeme erobern immer mehr den Alltag. "Jeder kennt inzwischen selbstfahrende Autos, Staubsauger oder Rasenmäher. Die Technik ist gefragt." Schon jetzt gebe es viele Kooperationsangebote aus der Industrie. Am Institut für Technische Informatik werden Roboter für verschiedenste Anwendungen entwickelt: von Unterwasser-Robotern, die mit ihren feinen Sensoren Schadstoffe aufspüren bis hin zu Robotern, die Menschen im Alltag unterstützen.

Lisa hat ihren Miniroboter inzwischen umprogrammiert. Jetzt testet sie ihn im Labyrinth. Ihr Roboter ruckelt langsam durch die Gänge in dem Holzmodell. "Alles funktioniert", stellt die 27-Jährige stolz fest. Die ersten Klausuren können kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 02.02.2017 | 06:10 Uhr

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