Stand: 28.03.2016 12:43 Uhr

Rettungseinsatz in der Ägäis

Volles Risiko für ein Leben in Frieden und Sicherheit: Der Weg nach Europa ist für Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak lebensgefährlich. Die Schlepper stopfen die Menschen in wackelige Schlauchboote, immer wieder kentern die überfüllten Boote. Ein Team der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist seit einigen Wochen mit dem Rettungskreuzer "Minden" vor Ort. Auch Wolfgang Behnk aus Neustadt in Holstein (Kreis Ostholstein) gehört dazu. Seit Anfang März retten er und seine Kollegen Flüchtlinge aus der Ägäis vor der griechischen Insel Lesbos. Schon mehr als 800 Menschen konnten sie in Sicherheit bringen.

Seenotretter erleben Flüchtlingsdrama in der Ägäis

Arbeit, die an die Nieren geht

Die achtköpfige Crew ist insgesamt zwei Wochen am Stück im Einsatz, dann geht es zurück nach Deutschland. Teamleiter Wolfgang Behnk hat gerade Urlaub in Neustadt. Bei seinen Einsätzen in der Ägäis achtet er auf seine Mannschaft. Denn der Job sei nicht nur körperlich, sondern auch seelisch anstrengend, sagte er:"Es ist schon bedrückend, wenn man kleine Kinder sieht, die unterkühlt und geschwächt auf das Schiff gebracht werden. Das geht einem schon an die Nieren", so Behnk. Nach jedem Einsatz sitzt er mit seinem Team deshalb zusammen und bespricht die Erlebnisse. Das sei wichtig, um rechtzeitig einschreiten zu können, falls ein Besatzungsmitglied Probleme bekomme.

Schwierige Einsätze für die Retter

"Die Schlauchboote sind schlecht ausgerüstet, überfüllt und wackelig“, sagt Seenotretter Ulrich Fader in einem von der Besatzung kürzlich gedrehten Video. Zu sehen sind erschöpfte Eltern und schreiende Kinder. Es sei nicht einfach, sie sicher auf den Seenotrettungskreuzer zu bekommen. "Griffe haben die Schlauchboote nicht. Bei rauer See kann man sich in den Nussschalen kaum halten", erklärt Kapitän Helge Fox. Sind die Flüchtlinge an Bord, werden sie an Land gebracht und an die griechischen Behörden übergeben.

Kein Ende in Sicht

Wie lange der Einsatz für den Seenotrettungskreuzer "Minden" noch dauern wird, ist offen. Die Inseln in der Ägäis könnten für die Flüchtlinge schnell uninteressant werden. Denn das neue EU-Abkommen mit der Türkei sieht vor, Flüchtlinge, die mit Hilfe von Schleusern nach Griechenland kommen, zurück in die Türkei zu bringen. Wolfgang Behnk wird trotzdem weitermachen. Schon Ende der Woche fliegt er zurück nach Griechenland.

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