Stand: 15.03.2016 14:55 Uhr

Rendsburger Schwebefähre schwebt nicht mehr

Etwa drei Monate nach der Kollision mit einem Frachter haben Experten am Dienstag begonnen, die Rendsburger Schwebefähre abzubauen. Beobachtet von Dutzenden Schaulustigen wurde der 37 Tonnen schwere Fährkörper auf einen Ponton auf dem Nord-Ostsee-Kanal herabgelassen, nachdem ihn Arbeiter zuvor mit Muskelkraft in Position geschoben hatten. Der Antrieb ist kaputt. "Meine Leute haben extra gut gefrühstückt", schmunzelte Projektleiter Ralf Rohwer. Am Bauhof des Wasser- und Schifffahrtamtes (WSA), wenige 100 Meter entfernt, soll die Fähre genau untersucht werden. Ob Spezialisten die historische Fähre reparieren können oder ein Neubau erforderlich ist, steht noch nicht fest.

Arbeiten auf Brücke in mehr als 40 Meter Höhe

Die Schwebefähre, das Wahrzeichen der Region, ist das besondere Anhängsel von Rendsburgs "eiserner Lady" - der Eisenbahnhochbrücke. Die Fähre hängt normalerweise an zwölf Seilen. Sie ist eine von weltweit noch acht Schwebefähren und steht unter Denkmalschutz. Das Land Schleswig-Holstein und die Stadt Rendsburg haben einen Antrag zur Aufnahme in das UNESCO Weltkulturerbe gestellt.

Die Arbeiten in mehr als 40 Metern Höhe mussten immer wieder unterbrochen werden, weil der Bahnverkehr auf der Brücke nicht beeinträchtigt werden sollte. "Ein Sicherheitsmann von der Bahn steht oben auf der Brücke und gibt uns Bescheid, wenn ein Zug kommt", sagte Rohwer. Die Züge waren allerdings nicht das einzige Hindernis. Zunächst hatte Nebel den Start der Arbeiten verzögert. Der Ponton durfte auf dem Kanal nicht fahren. Und die Arbeiter durften die Hochbrücke nicht betreten.

Von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt

Mithilfe eines zweiten Krans wollen die Stahlbauer in den kommenden Tagen auch den kompletten Oberwagen abbauen, der sich im oberen Brückenbereich befindet. Noch immer ist unklar, wie stark die Fähre beim Zusammenstoß mit dem Frachter "Evert Prahm" beschädigt worden ist. Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte die Fähre vorübergehend beschlagnahmt und abgesperrt. "Ein Gutachter hat die Fähre besichtigt. Erst danach wurde die Fähre wieder freigegeben", sagte Matthias Visser vom WSA.

Bei dem Unfall am 8. Januar waren der Fährschiffführer schwer und der einzige Passagier der Fähre leicht verletzt worden. Es entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe.

Schritt für Schritt: Abbau der Schwebefähre

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2016 | 17:00 Uhr