Stand: 09.01.2016 22:29 Uhr

Rendsburg bangt um seine Schwebefähre

Die Schwebefähre an der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke ist eine der letzten ihrer Art. Sie ist Wahrzeichen, Denkmal, touristisches Highlight - und ein wichtiges Verkehrsmittel, vor allem für Radfahrer und Fußgänger, die den Nord-Ostsee-Kanal auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit überqueren müssen. Doch ob das auch in Zukunft so sein kann, ist seit dem Unfall am Freitag offen. Die Fähre war mit einem Frachter kollidiert, der Maschinenführer wurde schwer, der einzige Passagier leicht verletzt. Auf einem Video von dem Unfall ist zu sehen, wie die Schwebefähre danach stark schwankt und sich an den Seilen dreht. Der Kanal und die Hochbrücke waren für Stunden für den Schiffs- beziehungsweise Eisenbahnverkehr gesperrt.

Die Freigabe am Abend war nicht von langer Dauer: Am Sonnabendnachmittag lief ein Containerschiff nur wenige Hundert Meter entfernt in die Böschung. Der Kanal musste erneut stundenlang voll gesperrt werden.

Gilgenast: "Alte Lady" soll wieder in den Einsatz

Von außen zu sehen ist, dass die Schwebefähre bei dem Unglück am Freitag erheblich Schaden genommen hat. Sie wird wohl auf unbestimmte Zeit ausfallen. Am Montag nun wollen Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) genau begutachten, ob das Fahrzeug noch zu retten ist. Einen Tag später ist ein Gespräch mit Vertretern der Stadt Rendsburg geplant, wie Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) dem NDR sagte. Er hofft, dass die Schwebefähre, die Rendsburg mit Osterrönfeld verbindet, repariert werden kann: "Wir wünschen uns, dass unsere alte Lady vollständig wieder im Einsatz sein wird", sagte er. Denn das Gefährt sei etwas ganz Besonderes. Weltweit gebe es nur sieben Schwebefähren - und nur zwei seien im Alltagsbetrieb. Sie sei vorgesehen für die Anmeldung als Weltkulturerbe, so Gilgenast. An diesen Plänen will er auch nach dem Unfall festhalten.

Bürgermeister denkt über Ersatzbusse nach

Doch ihm geht es nicht nur um einen Hingucker für Touristen: "Wir brauchen die Schwebefähre zur Entlastung des Straßennetzes", sagte Gilgenast. Sie sei "integrativer Bestandteil des Verkehrskonzepts". 520 Fahrzeuge und 1.700 Personen nutzten die Schwebefähre jeden Tag. Besonders wichtig ist die Fährverbindung für die Kinder und Jugendlichen, die jeweils auf der anderen Kanalseite zur Schule gehen. "Wir müssen Alternativen für die Schüler organisieren", sagte Gilgenast - gerade in der Winterzeit. Er denkt dabei zum Beispiel an einen Busverkehr. Doch all das müsse zuerst mit dem WSA besprochen werden.

Ersatzroute Fußgängertunnel

Bis es eine Ersatzlösung gibt, müssen die Schüler über den Fußgängerkanaltunnel zwischen Rendsburg und Rendsburg-Süd ausweichen - oder den regulären Stadtbus nehmen. Glück für die Radfahrer: Seit einigen Wochen funktioniert im Tunnel laut Gilgenast der Fahrstuhl wieder. Während des Ausfalls mussten sie ihre Räder über die sehr lange Rolltreppe in den Tunnel bringen - nicht ungefährlich, gerade für junge Schüler.

Kollision: Kleine Fähre, großer Schaden

Zehn Ausfälle in drei Monaten

Die Fähre fiel schon früher immer wieder aus: wegen Generalüberholungen und immer wieder wegen technischer Störungen. Zuletzt war das etwa zehn Mal innerhalb von nur drei Monaten der Fall. Gilgenast geht davon aus, dass die Experten bei ihrer Einschätzung, ob die Fähre in Zukunft noch fahren kann, auch diese technischen Probleme berücksichtigen. Besondere Sorgen um die Autofahrer macht er sich nicht: Wegen der Häufigkeit dieser Ausfälle ist Gilgenast davon überzeugt, dass die sich schon an Ausweichrouten, durch den Kanaltunnel für Pkws oder über die Fähre in Schacht-Audorf, gewöhnt haben.

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Schleswig-Holstein Magazin

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.01.2016 | 15:00 Uhr