Stand: 22.01.2016 14:51 Uhr

Prozessauftakt: "Hemmungslos mit Klappmesser"

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Mit einem Schreibblock verbarg der Angeklagte sein Gesicht vor den Kameras.

Mit den Schilderungen des Staatsanwalts zum möglichen Tathergang hat am Freitag vor dem Kieler Landgericht ein Prozess wegen versuchten Mordes begonnen. Angeklagt ist ein 43-Jähriger - nach einer Serie brutaler Übergriffe und einer lebensbedrohlichen Messerattacke auf seine Ex-Lebensgefährtin. Der Anklage zufolge misshandelte und verfolgte der Mann die Mutter eines gemeinsamen Kindes immer wieder, trotz eines gerichtlich angeordneten Kontaktverbots. Im Juni soll er sich vor der Wohnung der Frau dann hinter Mülltonnen versteckt haben, um ihr aufzulauern und sie zu töten.

Stich- und Schnittwunden in Gesicht, Körper und Bauch

Der Staatsanwalt schilderte dramatische Szenen - mit verschlossenem Gesichtsausdruck verfolgt vom Angeklagten. Der Mann soll noch in der Autotür auf seine Ex, die spätabends gerade eingeparkt hatte, eingestochen haben. "Hemmungslos mit einem Klappmesser", so der Staatsanwalt. Erst ein von Zeugen alarmierter Polizist habe ihn wegreißen können. Die Frau erlitt tiefe Stich- und Schnittwunden in Gesicht, Körper und Unterbauch. Auch Hände und Finger wurden schwer verletzt. Die 37-Jährige musste mehrfach operiert werden. Sie leidet an Taubheitsgefühlen, Angstattacken und Schlaflosigkeit.

Mutmaßliches Opfer zittert im Gericht am ganzen Körper

Im Gerichtssaal zitterte die Frau am ganzen Körper. Sie ist nach Angaben ihres Anwalts traumatisiert. Ihren Beruf als Altenpflegerin könne sie nicht ausüben, so der Verteidiger. Ihrem mutmaßlichen Peiniger werden weitere Übergriffe vorgeworfen. Laut Staatsanwalt misshandelte der Mann seine damalige Lebensgefährtin wiederholt schwer, wollte ihr sogar die Zähne herausreißen. Die Worte "Ich bringe Dich um!" sollen gefallen sein.

Dem Angeklagten droht eine lebenslange Freiheitsstrafe

Das Verfahren soll Anfang Februar fortgesetzt werden. Die Anwälte des Angeklagten deuteten an, dass ihr Mandant zu den Vorwürfen Stellung nehmen wird. Dem 43-Jährigen droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.01.2016 | 17:00 Uhr