Stand: 02.03.2016 20:02 Uhr

Preisdruck und Burn-out: Landwirte in der Krise

Die Preise für Milch und Fleisch sind schlecht. Das Arbeitspensum ist hoch, die bürokratischen Hürden ebenfalls. Und um das Image der Landwirte stand es auch schon einmal besser. Zunehmend wirkt sich die Situation der Bauern auf deren Gesundheit aus: Burn-out und Depressionen sind auch auf den landwirtschaftlichen Höfen angekommen. Die Landwirte in Schleswig-Holstein haben sich nicht gerade einen einfachen Beruf ausgesucht. Beim Junglandwirtetag in Rendsburg ging es am Mittwoch vor allem um die Zukunftsaussichten für junge Landwirte. Es kamen doppelt so viele Gäste wie erwartet. Egal, ob sie auf Milch, Getreide oder Fleisch setzen - die meisten von ihnen machen sich Sorgen um die Zukunft, vor allem wegen der ständig sinkenden Preise für Lebensmittel. Beim Berufsnachwuchs ist die Situation mehr als angespannt.

Netzwerk für kranke Bauern

Ein wichtiges Thema in Rendsburg war auch die psychische Belastung für Landwirte. Laut Bauernverband und Landwirtschaftskammer steigt die Zahl psychischer Erkrankungen von Bauern in Schleswig-Holstein seit Jahren. Gründe seien unter anderem die schwierige wirtschaftliche Lage einiger Betriebe, mehr Arbeit und Bürokratie durch größere Höfe sowie ein schlechtes Image der Landwirtschaft. "Jetzt wird erkannt, dass das Problem der psychischen Belastung nicht negiert werden kann", sagte der Vertrauensmann Tierschutz in der Landwirtschaft, Edgar Schallenberger. Um betroffenen Bauern zu helfen, werde nun unter der Leitung des Landwirtschaftsministeriums ein Netzwerk aufgebaut. "Wir wollen eine Anlaufstation schaffen, bei der sich Menschen freiwillig an uns wenden", erklärte Schallenberger.

Viele Gründe für Preisverfall

Der Preisverfall hängt auch mit der aktuellen Milchpreiskrise zusammen. Seitdem die Milchquote im April 2015 abgeschafft wurde, können Bauern in der EU so viel Milch erzeugen, wie sie wollen. Dadurch kommt mehr auf den Markt, und so fällt der Preis, den die Molkereien den Bauern zahlen. Verschärft wird die Situation durch drei weitere Faktoren: die globale Überproduktion, die gesunkene Nachfrage aus China und das russische Einfuhrverbot.

Experte: Auch Bauern haben Fehler gemacht

All das hat zur Folge, dass viele kleinere Betriebe um ihre Existenz bangen. Nun fordern die Bauern Hilfe von der Politik. Der Kieler Milch- und Ernährungswirtschaftler Sebastian Hess ist aber der Meinung, dass auch die Bauern selbst Fehler gemacht haben. Sie hätten nach seinen Worten vorausschauender handeln sollen. "Es hat im Milchviehsektor an Risikomanagement gefehlt, zum Beispiel, wie man Finanzunsicherheiten bewältigt oder auf einzelbetrieblicher Ebene Sicherheiten anlegt. Das sind sicherlich Defizite im Management gewesen, die aber auch in Zukunft angepackt werden können", sagte Hess dem NDR Schleswig-Holstein Magazin. Landwirte seien gut beraten, ihr innerbetriebliches Management anders zu regeln als über Forderungen nach Eingriffen durch die Politik.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.03.2016 | 12:00 Uhr