Stand: 23.03.2016 16:55 Uhr

Pottwal-Sterben: Die Frage nach dem Warum bleibt

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Unter dem Skelett eines Zwergwals präsentierten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse - im Beisein von Umweltminister Habeck.

Die Anfang des Jahres an Schleswig-Holsteins Nordseeküste verendeten Wale waren gesund. Das ergaben Analysen von Tiermedizinern und Meeresbiologen, die sie am Mittwoch in Tönning vorgestellt haben. Die 13 Tiere starben an Herz-Kreislauf-Versagen, nachdem sie gestrandet waren. Die Wale seien in Flachwasser geraten und hätten bei ablaufendem Wasser auf dem Grund gelegen, so die Wissenschaftler. Dort habe das Gewicht der Tiere die Blutgefäße, Lungen und andere Organe so zusammengedrückt, dass sie letztlich starben.

Das erklärte Ursula Siebert von der Büsumer Außenstelle der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Sie hatte gemeinsam mit Uwe Piatkowski vom Kieler Meeresforschungszentrum Geomar die Untersuchungen geleitet. Auch Umweltminister Robert Habeck (Grüne) nahm an der Pressekonferenz teil.

Ursache für die Häufung unklar

Dass die Pottwale sich in die Nordsee verirrt haben, finden die Forscher nicht weiter bemerkenswert. Alle wandernden Tierarten kämen gelegentlich außerhalb ihres eigentlichen Verbreitungsgebiets vor. Sie würden sich immer neue Lebensräume erschließen. Warum es aber zu dieser Häufung Anfang des Jahres kam, können die Wissenschaftler nicht definitiv feststellen. Insgesamt strandeten in Deutschland und den Nachbarländern 30 Pottwale.

Folgten die Wale den Tintenfischen?

Die Forscher haben aber eine Theorie, die sie für plausibel halten: Die Wale könnten ihrer Hauptnahrungsquelle gefolgt sein - den Tintenfischen, die Forscher massenhaft in den Mägen fanden. Im Nord-Atlantik war es in den Wochen ungewöhnlich warm und es gab außergewöhnlich starke Stürme. Das könnte Wassermassen aus der Norwegischen See südwärts in die Nordsee gedrückt haben - und die Tintenfische gleich mit. Doch es wird wohl bei einer Theorie bleiben. Denn derartige ökologische Zusammenhänge seien nur mit großem Aufwand nachzuweisen, sagen die Wissenschaftler.

Autoteil im Walmagen

Bei der Analyse des Inhalts der Walmägen fanden die Forscher bei vier Tieren Ungewöhnliches: Müll. Darunter waren Reste eines Netzes, eine Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und Teil eines Kunststoffeimers. "Diese Funde zeigen uns die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft: Tiere nehmen unbeabsichtigt Plastik und anderen Kunststoffmüll auf, leiden darunter, im schlimmsten Fall verhungern einige bei vollen Mägen", sagte Umweltminister Habeck. Das sei eine dringende Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen. Schleswig-Holstein werde seine Anstrengungen hierzu fortsetzen, so Habeck.

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Größtes bekanntes Pottwalsterben in der Nordsee

Die Wale strandeten im Januar und Februar innerhalb von Wochen an der Nordseeküste - in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. Es handelte sich um das größte bekannte Pottwalsterben in der Nordsee. Es zog Bergungen nach sich, die zum Teil mehrere Tage dauerten - beispielsweise vor dem Kaiser-Wilhelm-Koog im Kreis Dithmarschen, wo gleich acht Wale strandeten. Einige der Tiere drohten aufgrund von Faulgasen zu platzen. Andere waren bereits so sehr verwest, dass sie von großen Maschinen kaum noch zu greifen waren.

Aufgrund technischer Probleme konnte der Video-Livestream leider nicht wie angekündigt realisiert werden. Dafür bitten wir um Entschuldigung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.03.2016 | 17:00 Uhr