Stand: 21.07.2016 15:40 Uhr

Polizei fasst möglichen Mörder nach 34 Jahren

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mord an einer Schleswigerin hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Polizisten stellten den 51 Jahre alten Familienvater, der in Ostholstein lebt, in Saarbrücken. Die Polizei hatte ihn vor wenigen Tagen um einem DNA-Test gebeten. Das sagten Ermittler der Mordkommission und der Flensburger Staatsanwaltschaft am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Die 73 Jahre alte Erna Ganz war im Juni 1982 in ihrer Wohnung in Schleswig beraubt, sexuell misshandelt und umgebracht worden. Laut Polizei hat der 51-Jährige zugegeben, die Frau erstickt zu haben. Obwohl eine Spermaspur seiner DNA zuzuordnen ist, streitet er nach Angaben der Ermittler ein Sexualdelikt jedoch ab.

Opfer und mutmaßlicher Täter wohnten unter einem Dach

Vor drei Jahren hatten die Ermittler damit begonnen, Beweismittel mit den Möglichkeiten neuer Technologien zu untersuchen. Dabei wiesen die Experten eine DNA-Spur nach, die vom mutmaßlichen Täter stammen könnte. Die Kripo lud zum Massengentest. Dabei sei die DNA von mehr als 1.200 Personen analysiert worden, hieß es im Rahmen der Pressekonferenz.

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Spur 1.218 bringt die Ermittler ans Ziel

1982 wurde Rentnerin Erna Ganz in Schleswig brutal ermordet. Jahrzehnte später haben die Ermittler nun den mutmaßlichen Täter gefasst. Eine DNA-Reihenuntersuchung führte die Ermittler zu ihm. mehr

Außerdem hatten Experten des Landeskriminalamtes ein Täterprofil erstellt. Sie gingen davon aus, dass der Täter Bezüge zum Wohnort des Opfers hatte. Und genau so ist: Der heute 51-Jährige und Erna Ganz kannten sich nach Angaben der Ermittler, weil der Mann bis 1980 im gleichen Haus wohnte.

Der 51-Jährige wird nach dem Jugendstrafrecht angeklagt

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann Erna Ganz möglicherweise bestehlen wollte, um seine Drogensucht zu finanzieren. Als er die Schränke der Frau durchwühlte, könnte die Situation zwischen der Rentnerin und dem damals noch Jugendlichen eskaliert sein. Laut Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt wird der Mann vor dem Jugendgericht angeklagt, weil er zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt war. Dem Beschuldigten drohen bei einer Verurteilung wegen Mordes deshalb höchstens zehn Jahre Gefängnis. "Das ist auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein ungewöhnlicher Fall", sagte sie. Zu dem Mordmerkmal Habgier komme noch die Verdeckung einer Straftat, so Stahlmann-Liebelt. Die Öffentlichkeit soll vom Prozess ausgeschlossen werden.

Nach Selbstmordabsichten geht alles ganz schnell

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In diesem Haus in Schleswig wohnten Opfer und mutmaßlicher Täter zwischenzeitlich unter einem Dach.

Nachdem die Polizei den Wohnort des mutmaßlichen Täters ermittelt hatte, habe der Mann zunächst eine freiwillige Speichelprobe zugesagt, erklärte Kriminalhauptkommissarin Susanne Jager. Kurz darauf hätten ihn Personen aus seinem persönlichen Umfeld jedoch als vermisst gemeldet. "Vergangenen Donnerstag hat er in seinem Umfeld eine Nachricht verschickt, aus der hervorging, dass er möglicherweise für das Delikt verantwortlich ist", sagte Jager, die den Fall bei der Mordkommission bearbeitet. Außerdem habe der Mann gedroht, sich das Leben zu nehmen. Daraufhin leitete die Polizei nach eigenen Angaben sofort eine Fahndung ein - und nahm den Mann schließlich vergangene Woche in Saarbrücken fest.

Neue Zeugenhinweise

Öffentlich war zuletzt 2014 in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" nach Hinweisen gefahndet worden. Nach der Ausstrahlung gingen etwa 20 Hinweise ein. "Auch weitere Fahndungsaufrufe haben immer wieder zu Hinweisen geführt", sagte die Polizeisprecherin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.07.2016 | 15:00 Uhr