Stand: 10.03.2016 18:35 Uhr

Polizei fasst Salafisten in Pinneberg

In Pinneberg haben Bundes- und Landeskriminalamt bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion einen 29 Jahre alten Mann festgenommen. Er soll in einem Darknet einen schwunghaften Handel mit Bankkonten betrieben haben. Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen Mann aus der Salafistenszene. Gegen den 29-Jährigen läuft in Hamburg ein Ermittlungsverfahren. Der Vorwurf: Fortführung einer verbotenen salafistischen Organisation. Die Behörden beobachten ihn. Nun schlugen BKA, LKA und Staatsanwaltschaft wegen der kriminellen Machenschaften im Internet zu.

Illegale Konten mit EC- und Kreditkarte

Der Mann soll mindestens 85 Konten mit falschen Personalien eingerichtet und sie anschließend verkauft haben - für etwa 1.400 Euro pro Konto. Verschlüsselte Darknets ermöglichen es ihren Nutzern, anonym miteinander in Kontakt zu treten und Inhalte auszutauschen. Die Konten seien in der Cybercrime-Szene als "Bankdrops" bekannt, teilten die Ermittler mit. In der Regel werden sie samt Online-Banking-Zugangsdaten, EC- und Kreditkarten verkauft. Sie dienen dazu, Geld aus Straftaten zu transferieren.

Weitere Informationen

Die Säulen des Islamismus im Norden

In Schleswig-Holstein haben sich islamistische Netzwerke etabliert, die auch den Krieg in Syrien unterstützen. Eine zentrale Rolle spielt ein verbotener Verein, der auch in Pinneberg Anhänger hat. mehr

Generalstaatsanwaltschaft hält sich bedeckt

Unterstützt wurde der Festgenommene bei seinem Handel offenbar von zwei Komplizen. Die beiden Mitarbeiter von sogenannten Verifizierungsdiensten sollen die falschen Personalien der angeblichen Neukunden bestätigt haben und dafür 100 bis 200 Euro pro Konto kassiert haben. Wie die Ermittler auf diesen Fall aufmerksam wurden, wollte eine Sprecherin der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt nicht sagen. Auch beim Bundeskriminalamt hält man sich bedeckt.

Galt der Handel islamistischen Aktivitäten?

Ob der Kontohandel lediglich der Geldbeschaffung oder islamistischen Aktivitäten galt, bleibt vorerst unklar. Bei der Durchsuchung waren laut BKA auch Blanko-Zahlungskarten, Computer und Datenträger sichergestellt worden. Zudem wurden Waffen gefunden - eine Blendgranate, eine Schreckschusswaffe und Manövermunition. Der Hauptverdächtige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Weitere Informationen

Immer mehr Salafisten in Schleswig-Holstein

Sie folgen dem Versprechen von Stärke, Macht und Zusammengehörigkeit: Die Zahl der radikalen Muslime im Land steigt. Vor allem junge Männer lassen sich anwerben, auch in Fußgängerzonen. mehr

Razzia gegen Bremer Salafisten-Verein

Rund 220 Beamte haben am Dienstag Räume eines salafistischen Vereins in Bremen und eine Delmenhorster Werkstatt durchsucht. Der Verein soll Terrorkämpfer rekrutiert haben. (16.02.2016) mehr

Salafisten-Szene in Niedersachsen wächst

Nach Angaben des niedersächsischen Verfassungsschutzes hat die Salafisten-Szene weiterhin Zulauf. Die Zahl der Anhänger stieg innerhalb eines Jahres um 100 auf mehr als 500 Personen. (04.02.2016) mehr

mit Video

Angeworben im Netz der Dschihadisten

02.02.2016 21:15 Uhr
Panorama 3

Das Internet spielt für die Radikalisierung von Jugendlichen eine große Rolle. . Im Selbstversuch hat eine Panorama 3-Reporterin ausprobiert, wie schnell man in den Sog der Extremisten gerät. (02.02.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.03.2016 | 22:00 Uhr