Stand: 06.01.2016 18:44 Uhr

Patriot-Einsatz: "Raketen live auf dem Radar"

von Katrin Bohlmann

Welcome back: Erleichtert und glücklich empfängt Oberst Wolfgang Rasquin vom Flugabwehrraketengeschwader in Husum, kurz Flarak-Geschwader, "seine" Fahrzeuge und Container im Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde. Die Fahrzeuge rollen nacheinander vom Schiff "Britannia Seaways". Seit Januar 2013 war die Bundeswehr mit den Patriot-Waffensystemen in der Türkei im Einsatz. Der Auftrag: Den NATO-Partner vor möglichen Angriffen aus dem Bürgerkrieg in Syrien zu schützen. Die Soldaten aus Husum und Mecklenburg-Vorpommern sind bereits seit Ende Dezember zu Hause. Jetzt ist auch das Material mit dem Frachter zurückgekehrt. Die Raketen, verteilt auf 24 Container, wurden schon vor einigen Tagen in Emden von Bord geholt. In Travemünde kamen nun noch Sanitäts- und Einsatzfahrzeuge sowie Radargeräte an. Das Schiff war kurz vor Weihnachten im türkischen Mittelmeerhafen Iskenderun beladen worden und hatte danach Kurs auf Norddeutschland genommen.

Schweres Gerät rollt vom Schiff

Syrische Bomben auf dem Radar gesehen

Auch Oberst Rasquin war für ein halbes Jahr im türkischen Kahramanmaras stationiert. Auch wenn die Gefahr sehr nahe war, fühlte sich der 57-Jährige dort nicht wirklich bedroht. "Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man die Raketen, die in Syrien abgeschossen werden, nicht im Fernsehen, sondern live auf dem Radar verfolgen kann, wie sie sich im Luftraum bewegen und zu wissen, dass die da irgendwo einschlagen und dass damit auch die entsprechenden Folgen verbunden sind. Da kommt man schon ins Nachdenken", erzählt Wolfgang Rasquin, der stellvertretende Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders in Husum ist. Er ist davon überzeugt, dass die Bundeswehr in der Türkei etwas sehr Sinnvolles getan hat: "Sie hat dort die Menschen vor Bomben geschützt. Die türkische Bevölkerung hat uns toll betreut, versorgt und auch bewacht." Kontakt zu ihren Familien und Freunden in Deutschland hatten die Soldaten die ganze Zeit.

Raketen kamen in der Türkei nie zum Einsatz

Mit vereinten Kräften löschen eine Kompanie des Logistikzentrums der Bundeswehr sowie Kameraden des Geschwaders und Mitarbeiter der Lübecker Hafengesellschaft (LHG) gemeinsam die Ladung auf dem Frachter "Britannia Seaways" im Skandinavienkai. LHG-Mitarbeiter entladen die Container, Soldaten fahren die Einsatzfahrzeuge vom Schiff. Die Patriot-Abwehrraketen kamen in der Türkei nicht zum Einsatz. Sie sind also noch "voll explosiv". Deshalb konnten sie nicht im Lübecker Hafen von Bord geholt werden, zumal am Skandinavienkai auch Passagierbetrieb läuft. Im Hafen von Emden war das hingegen möglich, ohne dass Menschenleben gefährdet wurden.

Erster realer Einsatz des Flugabwehrraketengeschwader

Oberst Wolfgang Rasquin ist nun erleichtert, dass der Einsatz vorbei ist. Die Soldaten, die im Dezember zurückgekommen sind, machen jetzt erst einmal Urlaub. "Das kann ich nur empfehlen. Sie sollen den Kopf frei bekommen und sich um ihre Familie kümmern", sagt der stellvertretende Kommodore. Das Material kommt nun in die Einheiten zurück. Einiges ist vom langen Stehen in der Türkei beschädigt, muss repariert werden. Anderes muss geprüft, gewartet und überholt werden. In drei bis vier Monaten soll das gesamte Material wieder einsatzbereit sein, hofft Wolfgang Rasquin. "Ich bin froh, dass unser Gerät jetzt wieder hier ist. Wir haben uns mit der Flarak die letzten drei Jahre relativ ausschließlich nur auf diesen Einsatz konzentriert und sind ganz froh, dass wir jetzt in einen ganz normalen Arbeits- und Dienstbetrieb übergehen können."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.01.2016 | 15:00 Uhr