Stand: 20.04.2017 07:26 Uhr

Parken im Kieler Schlossbunker

von Christian Nagel

Man muss schon sehr genau hinsehen, um zu erkennen, dass die Tiefgarage unter dem Kieler Schloss ein Bunker ist - oder wie es im Fachjargon heißt: ein Mehrzweckbau des Katastrophenschutzes. Denn ein Teil des Bauwerks kann mit hydraulischen Toren von der Außenwelt abgeschottet werden. In diesem Bunker sollten während des Kalten Krieges im Falle eines Atomschlags 2.000 Menschen Schutz finden. Tische, Bänke, Betten, Klopapier und andere Dinge für die Notfallversorgung sind größtenteils noch immer hinter verschlossenen Türen gelagert. Der Bunker ist auch mit Duschen, Toiletten sowie einer Küche mit Essensausgabe ausgestattet.

Keiner der 14 Kieler Bunker mehr funktionsfähig

Lediglich Lebensmittel hätten rechtzeitig angeliefert müssen, erzählt Gerhard Hinrichs vom Kieler Katastrophen- und Zivilschutz. Er ist für die Bunker in Kiel verantwortlich. Bis vor kurzem waren es noch 14 Bauten - doch die meisten hat Hinrichs inzwischen abgewickelt. Sie sind aus der Zivilschutzordnung entlassen worden, so heißt es im offiziellen Behördendeutsch. Vier Bunker in Kiel muss Hinrichs noch abwickeln. Dazu gehört auch der Bunker in der Tiefgarage unter dem Schloss.

Bunkertechnik wurde regelmäßig gewartet

Hier sollten die Menschen bis zu 14 Tage ausharren können - geschützt von meterdicken Betonwänden. Der Bunker hat zwei Zugänge. Einer davon ist noch auf dem Schlossplatz zu erkennen. Ein zweiter liegt versteckt hinter einer Mauer. Sie wäre im Notfall eingerissen worden, um den Eingang freizulegen, erläutert Hinrichs.

Um zwei Wochen im Bunker überleben zu können, ist die Anlage unter anderem mit einem eigenen Tiefwasserbrunnen, einem dieselbetriebenen Notstromaggregat, einer Großküche und einer speziellen Lüftungsanlage ausgestattet. Mit ihr sollte im Bunker ein Überdruck aufgebaut werden, damit keine verunreinigte Luft eindringen kann. Frische Außenluft sollte über spezielle Kohlefilter gereinigt werden. So wäre kein radioaktiver Staub in die Bunkeranlage gelangt.

Laut Hinrichs ist die Technik des Bunkers bis zur Jahrtausendwende immer wieder regelmäßig getestet worden. Jährlich kam außerdem ein Gutachter, der dem Bunker eine Art Betriebserlaubnis erteilte. Seit den 70er-Jahren hat die Stadt Hinrichs zufolge jährlich etwa 100.000 D-Mark investiert, so sollten die 14 Bunker in Schuss gehalten werden.

Toilettenpapier und Klobürsten aus den 70er-Jahren

Einen Bunker-Testbetrieb mit Menschen hat es nach seinen Angaben aber nie gegeben. Noch heute werden in den Nebenräumen des Bunkers Sitzbänke, Bettgestelle und Plastikgeschirr gelagert. Auch Toilettenpapier und Klobürsten liegen seit der Fertigstellung des Bunkers 1971 ungenutzt in Abstellräumen.

In Kürze soll der Bunker komplett an den Eigentümer übergeben werden. Dabei handelt es sich laut Hinrichs um den Betreiber des Kieler Schlosses. Damit auf ihn aber keine Folgekosten zukommen, wurde in den vergangenen Monaten im Auftrag der Stadt schon viel von der Bunkertechnik zurückgebaut. Eine Spezialfirma hat zum Beispiel die zwei Dieseltanks mit einem Gesamtvolumen von 30.000 Litern entfernt. Und auch der Tiefwasserbrunnen wurde verschlossen. Einen kleinen Teil des Bunkerzubehörs, wie Klappbetten, Plastik-Geschirr und Töpfe, hat sich bereits das Landesmuseum gesichert. Dort soll laut Hinrichs ein Bunkerraum nachgestellt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.04.2017 | 16:30 Uhr

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