Stand: 17.07.2017 14:58 Uhr

Oxidierte Brennstäbe in Brokdorf: Ursache gefunden

Starke Oxidation an Brennstäben im Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg): Im Februar hatten Experten die auffälligen Korrosionsschichten festgestellt. Nun ist klar, wie es dazu kommen konnte. Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) gab am Montag bekannt, dass ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu der starken Korrosion geführt habe. Erhöhte Leistung und das ständige Hoch- und Runterfahren hätten die Oxidation verstärkt. Das AKW an der Unterelbe darf jetzt nur noch mit gedrosselter Leistung wieder ans Netz. Die Atomaufsicht hat der Beladung eines neuen Reaktorkerns zugestimmt. Damit ist aber noch nicht automatisch die Zustimmung zum Wiederanfahren verbunden.

Hoch und runter - ein Grund für die Oxidation

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 war die damalige Bundesregierung umgeschwenkt - weg von der Atomenergie hin zur Ökoenergie. Wind- und Solarenergie haben bei der Einspeisung ins Netz gesetzlichen Vorrang vor der Atomenergie. Bei besonders sonnigem und windigem Wetter müssen die Kernkraftwerke gedrosselt werden. Wenn Wind und Sonne nachlassen, dann werden sie wieder hochgefahren - alles, um die schwankenden Strommassen auszugleichen. Doch das ist dem Reaktor Brokdorf offenbar nicht gut bekommen. Das Herauf- und Herabregeln soll in Zukunft langsamer passieren.

Betreiber muss Leistung drosseln

"Der Betreiber PreussenElektra dreht jetzt das Rad elf Jahre zurück und stellt die Anlage auf den Betrieb von vor 2006 ein", gab Habeck an. Für diese Zeit gebe es eine gesicherte Betriebserfahrung mit dem betroffenen Hüllrohrmaterial. "Brokdorf fährt künftig also im abgesicherten Modus", sagte Habeck. Die Leistung werde auf 95 Prozent reduziert und die Lastwechselgeschwindigkeit halbiert. "Damit wird sicher verhindert, dass sich die überaus starke Oxidation wiederholt und die Grenzwerte überschritten werden."

Erhöhter Grenzwert bei etlichen Brennstäben

Im Februar waren während der Jahresrevision Oxidschichten an Brennstäben festgestellt worden, die dicker waren und schneller und an anderen Stellen auftraten als erwartet. Von 5.405 vermessenen Brennstäben in 92 sogenannten M5-Brennelementen wiesen 464 erhöhte Oxidbefunde unterhalb des Grenzwertes auf. Bei drei Brennelementen an zehn Brennstäben wurde der Grenzwert überschritten. Seitdem ist das Kernkraftwerk nicht am Netz.

2018 wird nachgemessen

Der Meiler soll im Jahr 2021 endgültig vom Netz genommen werden. Es gibt Habeck zufolge Vermutungen, dass die Reststrommenge der Anlage dafür nicht ausreiche. Für April 2018 ist die nächste Revision geplant. Dann wird nachgesehen, ob die Auflagen Abhilfe geschaffen haben. Oder wie der Leiter des Atomaufsicht sagte: "Dann wird nachgemessen."

Brokdorf ist das einzige Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein, das noch Strom produziert. Die Meiler Krümmel (Geesthacht) und Brunsbüttel sind nach Pannen bereits seit Jahren abgeschaltet und seit einiger Zeit endgültig stillgelegt. Sie sollen zurückgebaut werden.

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18.07.2017 10:33 Uhr

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version haben neben der Korrosion auch von "Rost an den Brennstäben" geschrieben. Die fachlich richtige Bezeichnung in diesem Fall ist aber "Oxidation an den Brennstäben". Wir haben es korrigiert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.07.2017 | 15:00 Uhr

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