Stand: 07.11.2016 08:34 Uhr

Öfen auf Helgoland bleiben erlaubt

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Die Entscheidung dürfte bei den Kaminfreunden auf der Insel für Erleichterung sorgen.

Als "jod- und sauerstoffreichster Ort der Bundesrepublik" präsentiert sich Helgoland. Deutschlands einzige Hochseeinsel wirbt im Internet mit zehn Mal so niedrigen Staubpartikel-Werten wie auf der Zugspitze. Weil die Insel bis 2020 zudem CO2-neutral sein soll, hatte die Gemeindevertretung die Nutzung von Kaminen verboten. Zum Ärger von deren Besitzern. Deshalb gab es auf der Nordseeinsel Streit - und am Sonntag einen Bürgerentscheid. 54,25 Prozent der Teilnehmer stimmten dafür, dass Kamine und Kaminöfen weiterbetrieben werden dürfen. 45,75 Prozent waren dagegen. An der Abstimmung beteiligten sich 678 Helgoländer, das sind 51,3 Prozent der Berechtigten.

"Ofen-Freunde" feiern Sieg beim Bürgerentscheid

Die Initiative der "Ofen-Freunde" feierte den Ausgang des Bürgerentscheids. "Gestern Abend haben wir den Kamin angemacht", sagte Sprecherin Ingeborg Bussmann NDR 1 Welle Nord. Zuvor seien sie allerdings erst "noch ein kleines Bierchen trinken gegangen". Bussmann hofft, dass sich die Wogen auf Helgoland nun wieder glätten. Holz zu verbrennen, sei CO2-neutral. "Ich verstehe natürlich die Enttäuschung der Gegner. Aber ich hoffe, dass wir wieder zueinander finden werden."

Bürgerbegehren gegen Ofen-Verbot

Worum ging es? Die Insel ist an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Gut 80 Kaminöfen gibt es aber noch. Die neue Fernwärmesatzung wurde zwar bereits 2014 erlassen. Nach einer Übergangszeit wurde darin die Nutzung der Öfen und Kamine zum "1. Juli 2016 auf der Insel Helgoland verboten". Das wollte die Initiative der "Ofen-Freunde" nicht akzeptieren, startete dagegen das Bürgerbegehren "Private Öfen heben Lebensqualität" und sammelte 349 Unterschriften. Die Ofen-Befürworter argumentierten, sie wehrten sich nicht gegen den Anschluss- und Benutzerzwang an das öffentliche Fernwärmenetz. Die Öfen würden nicht als primäre Wärmequelle genutzt. Das Verbot werteten sie als unrechtmäßigen Eingriff in ihre Lebens- und Wohnqualität. Weil die Gemeindevertretung aber an ihrer Entscheidung von 2014 festhielt, wurde der Bürgerentscheid nötig.

Luftmessungen alle zwölf Monate

Helgolands Tourismusdirektor Klaus Furtmeier sieht im verantwortungsvollen Umgang mit Öfen keine negativen Auswirkungen für die hochgeschätzte Luftqualität. "Die regelmäßig stattfindenden, stets zwölfmonatigen Luftmessungen auf Helgoland, die unter anderem für den Erhalt des Prädikates 'Nordseeheilbad' vorgeschrieben sind, haben seit vielen Jahren - auch damals wurden Öfen eingesetzt - immer sehr gute Werte ergeben", erklärte Furtmeier im Vorfeld der Abstimmung. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Björn Dannenmann. Er gehe von einer verschwindend geringen Feinstaubbelastung aus, sagte der für Helgoland zuständige Schornsteinfegermeister.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.11.2016 | 08:00 Uhr

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