Stand: 18.01.2016 10:49 Uhr

Nutzt die Ressourcen!

von Constantin Gill
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NDR Reporter Constantin Gill sieht in älteren Menschen ein großes Potenzial für den Arbeitsmarkt.

Über kaum ein Thema haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren so häufig gesprochen wie über den Fachkräftemangel. Die Gesellschaft wird älter, und es werden weniger Erwerbstätige auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sein. Das steht außer Zweifel. Aber was ist mit Arbeitnehmern, die älter sind als 50, aber sich noch nicht zum alten Eisen zählen lassen wollen? Die auf Jobsuche sind, aber mit großen Hürden zu kämpfen haben, wenn sie es zurück auf den Arbeitsmarkt schaffen wollen? Die drohen, in Armut abzurutschen und fürchten müssen, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden? Sie scheinen nicht gewollt zu sein. Das legen die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur nahe.

Es gibt flexible Lösungen für Betriebe

Ja, es gibt die Probleme, auf die zum Beispiel der Arbeitgeberverband UV Nord hinweist: Krankheiten oder psychische Probleme, die häufig mit dem trostlosen Dasein als Arbeitsloser einhergehen. Und natürlich haben die Unternehmen nichts zu verschenken und brauchen Angestellte, die in den Betrieb passen und ausgeschriebene Stellen genau ausfüllen. Aber es gibt auch flexible Lösungen für die Betriebe: Nicht nur Lohnkostenzuschüsse, die Unternehmer mit der Arbeitsagentur aushandeln können. Auch Probebeschäftigungen oder Praktika sind Möglichkeiten, älteren Menschen den Einstieg zu erleichtern und ihre Fähigkeiten zu testen.

Mangelnde Berufserfahrung darf kein Grund sein, motivierte und lernfähige ältere Menschen abzuweisen. Das können sich die Unternehmen langfristig nicht leisten. Auch ältere Menschen müssen – ihre Bereitschaft vorausgesetzt – eine Chance bekommen. Dieser Aufwand lohnt sich am Ende auch für die Unternehmen.

Alle gesellschaftlichen Gruppen einbeziehen

Um die Fachkräftelücke zu schließen, müssen alle gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden. Dazu gehören Ältere. Und Flüchtlinge. Aber auch Frauen haben noch immer mit Hürden zu kämpfen: Job und Kindererziehung unter einen Hut zu kriegen, das ist noch immer eine Herausforderung.

Was auf dem Spiel steht, sind nicht nur positive Wachstumszahlen und Arbeitslosenstatistiken. Die Schuldnerberatungen und Tafeln im Land können ein Lied davon singen: Gerade Frauen und ältere Menschen sind es, die viel zu leicht in die Armutsfalle tappen. Das zeigt: Diese Menschen dürfen nicht als Problemgruppe abgetan werden – sie können die Lösung des Problems sein. Wie gut wir es schaffen, sie zu integrieren – davon hängt letztendlich auch der Zusammenhalt der Gesellschaft ab. Gelingt es nicht, ihre Potentiale zu nutzen, bricht das System zusammen.