Stand: 04.02.2016 15:23 Uhr

Niederländer helfen Deutscher Marine

von Sebastian Baak

Die deutsche und die niederländische Marine arbeiten zukünftig enger zusammen. In Amsterdam haben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und ihre niederländische Amtskollegin eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Künftig hat das in Eckernförde stationierte Seebataillon die Möglichkeit, das niederländische Mehrzweckschiff "Karel Doorman" für Übungen und Einsätze zu nutzen - für die deutschen Marineinfanteristen ein Quantensprung, heißt es aus dem Marinekommando in Rostock. Erst in der vergangenen Woche hatte es das Verteidigungsministerium in Berlin abgelehnt, ein sogenanntes Joint Support Ship im Alleingang zu beschaffen.

Deutsche Soldaten auf niederländischem Schiff

Übungsboote sind über 50 Jahre alt

An Motivation mangelt es den 800 Soldaten des Seebataillons nicht - eher an Ausrüstung: Denn zu den Aufgaben des erst vor zwei Jahren aufgestellten Verbandes gehören auch Evakuierungseinsätze. Wenn nötig, sollen sie Strände oder Häfen sichern, damit von dort Menschen gerettet werden können. Die nötigen Schiffe aber fehlen. Zum Üben verfügt die Marine nur über zwei 50 Jahre alte Landungsboote. Mit der Kooperationsvereinbarung steht den deutschen Marineinfanteristen nun das modernste und größte Schiff der niederländischen Marine zur Verfügung. "Train as you fight" ("Übe so, wie du kämpfst") - das sei jetzt möglich, sagt er Sprecher des Marinekommandos, Fregattenkapitän Frank Martin.

Weitere Kooperation möglich

Bereits im März wird es ein erstes Manöver geben. Bis 2018 ist laut Marine geplant, dass die Soldaten des Seebataillons, die sich selbst als Multitool - Mehrzweckwerkzeug - bezeichnen, die "Karel Doorman" kennenlernen und intensiv üben. Danach soll über einen weiteren Ausbau der Kooperation nachgedacht werden. Dabei können die deutschen Marinesoldaten auch von den Erfahrungen des Korps Mariniers, der niederländischen Marineinfanterie. profitieren. Sie gibt es seit mittlerweile 350 Jahren und sie gelten als Eliteverband.

Verlegung des Seebataillons nicht geplant

Die 204 Meter lange "Karel Doorman" ist ein "Alleskönner". Sie hat Platz für bis zu sechs Hubschrauber und ein großes Landedeck. Unter Deck können Material und Fahrzeuge transportiert werden, so wie 2014, als die "Karel Doorman" knapp 1.000 Tonnen Hilfsgüter in die Ebola-Gebiete Westafrikas brachte, darunter 155 Fahrzeuge. Steht keine Hafeninfrastruktur zu Verfügung, kann mit Hilfe von Landungsbooten das Material direkt an den Strand gebracht werden. Eine Verlegung von Teilen des Seebataillons in die  Niederlande ist nach Angaben der Marine vorerst nicht gedacht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.02.2016 | 13:00 Uhr