Stand: 03.03.2016 20:19 Uhr

Bundespolizisten retten erste Flüchtlinge

Seit Dienstag überwachen Bundespolizisten aus Norddeutschland gemeinsam mit griechischen Kollegen das Seegebiet vor der Insel Samos im Mittelmeer. Seit der Nacht auf Donnerstag wissen die Beamten, wie es ist, Flüchtlinge zu retten und Schlepper zu jagen. Über die Nacht verteilt brachte das Patrouillenboot "Börde" insgesamt 23 durchnässte Menschen in den Hafen von Vathy auf Samos - dicht gedrängt an Deck sitzend und eingehüllt in leuchtend gelbe Kälteschutzdecken. Griechische Polizisten und freiwillige Helfer nahmen die Flüchtlinge in Empfang. Samos liegt in Sichtweite zur türkischen Küste. Schleuser nutzen diese Nähe - auf sie haben es die Polizisten, die im Auftrag der Grenzschutzagentur Frontex auf Streife fahren, besonders abgesehen.

Mitten in der Nacht auf dem Mittelmeer

"Die Schleuser sind zu allem entschlossen"

Sobald die "Börde" den Hafen verlässt, lässt Einsatzleiter Frank Rogatty das Schiff abdunkeln - sogar die Navigationslichter. "Wenn man organisierte Kriminalität verhindern will, geht es nicht anders", sagt er. Schlepper und Schleuser sollen nicht auf die Polizisten aufmerksam werden. "Die Schwierigkeit bei der Festnahme von Schleusern ist, dass sie zu allem entschlossen sind, weil ihnen hier in Griechenland bei einer Festnahme hohe Freiheitsstrafen drohen", erklärt Rogatty. Die Besatzung der "Börde" müsse davon ausgehen, "dass es gefährlich werden kann und diese Leute bewaffnet sind". Auch die Bundespolizisten sind bewaffnet. "Eigentlich ist es wie bei einer Verkehrskontrolle in Deutschland. Man weiß nie, was einen erwartet", fügt der Einsatzleiter hinzu.

Immer wieder tauchen Schlauchboote auf

Noch bis mindestens Juni soll der Einsatz der 30 Bundespolizisten aus Neustadt, Warnemünde und Cuxhaven dauern. Schon jetzt scheint klar zu sein: Es ist ein ständiger Spagat. Die Beamten sollen Schlepper festnehmen - und immer wieder entdecken sie in der Nacht kleine, überfüllte Schlauchboote auf dem Radar. Die politische Situation? Einsatzleiter Rogatty zuckt mit den Schultern. "Darüber mache ich mir gar nicht so viele Gedanken. Wir sind hier, um die griechischen Kollegen zu unterstützen. Wir zeigen innerhalb von Europa an einem Brennpunkt des Weltgeschehens Solidarität und retten Menschen. Das ist es, was zählt - und was die Mannschaft motiviert."

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