Stand: 12.08.2015 08:19 Uhr

Neues Notfallkonzept für Geburtshilfe auf Sylt

Wenn sie in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft auf die Geburt zusteuern, werden viele Sylter Frauen unruhig. Denn trotz Protesten schloss die Asklepios Nordseeklinik in Wenningstedt Ende 2013 ihre Geburtshilfestation. Seitdem sind werdende Mütter angehalten, bis zu zwei Wochen vor der Entbindung ihre Insel zu verlassen. Die Babys erblicken auf dem Festland das Licht der Welt, und zwar in Kliniken in Flensburg oder Niebüll. Das Problem ist die Unsicherheit bei Notfällen. Denn es gibt aus finanziellen Gründen bis heute keine Rufbereitschaft für Hebammen. Doch nach langen Verhandlungen und Diskussionen ist nun der Weg frei für ein vorläufiges Notfallkonzept.

Eine Hebamme in OP Kleidung hält ein Neugeborenes auf dem Arm. © picture-alliance/ dpa Fotograf: Marcus Führer

Riskante Geburten wegen Kreißsaal-Schließungen

Panorama 3 -

Wegen sinkender Geburtenzahlen hat Schleswig-Holstein Geburtsstationen geschlossen - mit fatalen Folgen: So gebar eine Frau ihren Sohn auf dem Seitenstreifen einer Autobahn.

4,45 bei 11 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Regelung mit Hebammen gilt zunächst nur befristet

Weil Babys sich oft eben nicht an den Stichtag für ihre Geburt halten und manchmal deutlich früher kommen, sollen sich die drei Hebammen auf Sylt vom 1. Oktober an eine Rufbereitschaft teilen. Dazu gehört, dass sie in Notfällen den Schwangeren zur Seite stehen und entscheiden, ob und wie die Frauen noch aufs Festland gebracht werden können - per Rettungshubschrauber, Zug oder Krankenwagen. Die verlässliche Rund-um-die-Uhr-Rufbereitschaft der Hebammen gilt zunächst bis zum 31.12.2016. Bereits Mitte kommenden Jahres soll evaluiert werden, ob das Konzept greift.

Viele Geldgeber

Nachdem der Sozial- und Gesundheitsausschuss bereits am Montagabend der Finanzierung zugestimmt hat, fehlen noch das Ja der Sylter Gemeindevertretung am 20. August sowie der Hebammen. Der Ausschuss hatte einen Zuschuss von knapp 35.000 Euro beschlossen. Eine ähnlich hohe Summe kommt von den Krankenkassen, mehrere Tausend Euro auch vom Land Schleswig-Holstein und dem Kreis Nordfriesland. Mit dem Geld wird auch die teure Haftpflichtversicherung der Hebammen in Höhe von jeweils 6.274 Euro finanziert. Für ihren 24-stündigen Bereitschaftsdienst erhalten die Hebammen 100 Euro.

Weitere Informationen
mit Video

Riskante Geburten wegen Kreißsaal-Schließungen

Wegen sinkender Geburtenzahlen hat Schleswig-Holstein Geburtsstationen geschlossen - mit fatalen Folgen: So gebar eine Frau ihren Sohn auf dem Seitenstreifen einer Autobahn. mehr

Immer weniger Kreißsäle im Norden

Im Norden schließen immer mehr Geburtskliniken. Was ist der Grund dafür: die Sicherung der hohen medizinischen Qualität oder doch rein wirtschaftliche Interessen? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.08.2015 | 22:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:25

Verkauf der HSH Nordbank steht kurz bevor

23.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
01:42

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut

23.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:48

Streit um Straßenbaubeiträge

23.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin