Stand: 26.07.2017 21:37 Uhr

"Neuer Minister muss Druck auf die Bahn ausüben"

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Nadina von Studnitz kommentiert die Probleme bei der Marschbahn.

Wegen defekter Kupplungen wurden bereits im November 2016 alle Waggons auf der Marschbahn-Strecke zwischen Hamburg und Sylt aus dem Verkehr gezogen. Die Bahn setzt Ersatzwagen ein. Doch die sind nach Angaben von Pendlern veraltet und häufig überfüllt und verspätet. Deswegen gab es immer wieder Gespräche mit der Politik. Jetzt allerdings haben die Insel-Pendler einen neuen Ansprechpartner, den neuen Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). Der hatte am Mittwoch seinen Antrittsbesuch bei den Sylt-Pendlern. Nadina von Studnitz, NDR Studioleiterin in Flensburg, kommentiert:

Es ist die unendliche Geschichte der Gespräche zwischen Pendlern, Bahn und Land: Man hört sich zu und stellt fest, dass man nicht viel tun kann. Nun soll es also der neue Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) richten - was er natürlich nicht kann. Denn der Ball liegt eindeutig bei der DB Regio.

Ein Minister, der Geld gibt

Aber: Der Minister nimmt sich Zeit für die Pendler, er sieht die Probleme der Menschen, die jeden Tag zwischen Husum und Westerland auf der Schiene unterwegs sind. Und er gibt Geld, um die unhaltbaren Zustände zu verbessern: 100.000 Euro gibt es vom Land für mehr Personal auf Bahnhöfen und in den Zügen, die auf der Marschbahnstrecke eingesetzt sind. Das bedeutet bessere Information und mehr Service für die Fahrgäste. Zusätzlich wird ab 4. September die Taktlücke zwischen 14:22 Uhr und 16:22 Uhr mit einem verlängerten Zug zwischen Niebüll und Bredstedt geschlossen werden. Kostenpunkt: 130.000 Euro pro Jahr. Diese Zusagen von Bernd Buchholz sind nicht ganz das, was sich die Pendler von dem Gespräch erhofft hatten. Unter anderem hatten sie eine weitere Entschädigung für Monats- und Wochenkarteninhaber und die generelle IC-Freigabe für Pendler gefordert. Dennoch:  Der frühe Besuch des Ministers auf Sylt - kurz nach Amtsantritt - ist ein wichtiges Zeichen: Die Belange der Pendler werden wahr- und ernst genommen.

Was kann der Minister noch tun?

Was der Verkehrsminister noch tun kann für die Sylt-Pendler? Weiter Druck ausüben auf die Bahn! Die muss gewährleisten, dass die ehemaligen NOB-Züge wie versprochen Ende Oktober vollzählig auf der Schiene sind. Eine weitere Verschiebung des Termins würde bei den Sylt-Pendlern auf wenig Verständnis stoßen.

Aber auch in der Zwischenzeit trägt die Bahn die Verantwortung dafür, dass Pendler, Insulaner und Gäste verlässlich nach Sylt und wieder zurück aufs Festland kommen. In ausreichend langen Zügen und, ja, mit funktionierenden Toiletten. Und die Bahn muss es endlich schaffen, trotz Ersatzkonzept den Fahrplan einzuhalten. Alle Pendler wissen: Der Fuhrpark, der im Moment auf der Marschbahnstrecke unterwegs ist, besteht aus unterschiedlichen - teilweise schon aus dem Verkehr genommenen - Zügen. Natürlich kann es da technische Problemen geben. Aber es kann einfach nicht sein, dass Pendler morgens routinemäßig einen früheren Zug nehmen, um vielleicht pünktlich zur Arbeit in Westerland zu erscheinen.

Die Schiene ist wichtig

Der Hindenburgdamm ist seit 90 Jahren die Nabelschnur der Insel Sylt und er gehört der Bahn. Es gibt nun einmal keine Straße auf die Insel - und keinen Fahrradweg, auch wenn Google etwas anderes behauptet. Seit dem 9. Januar 1927 ist laut Polizeiverordnung auch das Betreten des Damms untersagt. Wer auf die Insel will oder wieder zurück auf das Festland, ist auf die Schiene angewiesen. Das muss der Bahn Auftrag und Verpflichtung sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.07.2017 | 08:00 Uhr

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